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Islam verblendet: Immer mehr Freiwillige ziehen aus Deutschland in den Kampf gegen den Islamischen Staat

Bunderegierung sind 249 Fälle bekannt - Linken kritisieren Ermittlungen gegen Rückkehrer als "grotesk"

Immer mehr Freiwillige ziehen aus Deutschland in den Kampf gegen den so genannten „Islamischen Staat“. Seit April 2017 seien 45 weitere Personen „mit Deutschlandbezug“ nach Syrien und in den Irak zu kurdischen Milizen ausgereist, teilte das Bundesinnenministerium nach Informationen der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag mit. Vor dem April 2017 waren es schon 204 Personen, darunter 69 Deutsche, wie aus einer vorherigen Anfrage hervorgeht. Unterm Strich sind es damit aktuell 249.

Mindesten 21 Personen, die sich aus Deutschland kommend dem Anti-IS-Kampf kurdischer Gruppen angeschlossen haben, wurden den Angaben zufolge in Syrien oder dem Irak getötet. 22 der Kämpfer kehrten seit April 2017 nach Deutschland zurück, nach zuvor bereits 102 Personen.

Scharf kritisiert die Linken-Abgeordnete Ulla Jelpke in diesem Zusammenhang das Verhalten deutscher Ermittlungsbehörden. Sie betonte: „Dass es gelungen ist, den IS zurückzudrängen, ist auch den Bodentruppen der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPD) und ihrer freiwilligen Helfer zu verdanken. Sie jetzt bei ihrer Rückkehr mit Ermittlungsverfahren zu überziehen, weil sie angeblich Mitglied einer terroristischen Vereinigung sind, ist grotesk.“

Dem Bundeskriminalamt sind laut Innenministerium derzeit 32 Fälle bekannt, in denen die Polizei Ermittlungen gegen Rückkehrer aus Syrien und dem Irak eingeleitet hat. In 27 Fällen ging es um den Verdacht der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, 16 der Verfahren sind bislang eingestellt worden. Als Gefährder gelten derzeit zwei der Rückkehrer.

Jelpke äußerte sich empört: „Dauernd wird über Zivilcourage und Engagement gegen Verbrechen gesprochen – warum werden dann Menschen, die geholfen haben, den IS zu besiegen, als Verbrecher abgestempelt? Ich würde mir vielmehr öffentliche Anerkennung für diese Internationalisten wünschen.“¹

Islamischer Staat plante offenbar großen Terroranschlag in Deutschland

Der sogenannte Islamische Staat (IS) hat offenbar einen großen, bislang unbekannten Terroranschlag in Deutschland vorbereitet. Über Details berichtet ein deutscher IS-Anhänger, der an den Anschlagsplanungen direkt beteiligt war, im Interview mit Reportern von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung. Demnach sollten 2016 insgesamt drei Teams von Attentätern nach Deutschland reisen, um einen verheerenden Anschlag vorzubereiten und durchzuführen. Als eines der möglichen Ziele hatte der IS womöglich bereits ein Musikfestival ausgesucht. Die Bundesanwaltschaft bestätigte die Terrorplanungen. „Für uns war die Faktenlage in diesem Fall sehr konkret und auch belastbar“, erklärt Generalbundesanwalt Peter Frank im Interview mit NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung.

Nach Angaben des deutschen IS-Anhängers Oguz G., der aus Hildesheim in Niedersachsen stammt und 2015 nach Syrien reiste, um sich der Terrororganisation anzuschließen, geriet er zufällig in die Planungen für den Terroranschlag in Deutschland. „Ich bin da reingerutscht“, sagt er. Als er vom eigentlichen Plan erfuhr, habe er versucht, „aus der Sache wieder rauszukommen.“ Nach dem Fall der ehemaligen IS-Hochburg Rakka hatte sich Oguz G. ergeben. Mittlerweile sitzt er in einem kurdischen Gefangenenlager in Nordsyrien ein. Dort stimmte er einem Interview mit den Reportern von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung zu, weil er behauptet, seine Mitgliedschaft beim Islamischen Staat mittlerweile zu bereuen.

Oguz G. berichtet, dass er und seine Frau Marcia M., die ebenfalls aus Deutschland stammt und zum Islam konvertierte, offenbar eine Art Quartiermacher der IS-Terroristen waren. Ihr Auftrag: die Rekrutierung von Frauen in Deutschland, die bereit seien, IS-Kämpfer zu heiraten, um sie später nach Deutschland einzuladen und zu beherbergen. Anschließend sollten die eingereisten Terroristen dann den Anschlag in Deutschland vorbereiten und ausführen.

Zu diesem Zweck nahm Marcia M. 2016 über das Internet Kontakt mit Frauen aus der norddeutschen Islamisten-Szene auf. Was sie nicht wusste: Eine Kontaktfrau arbeitete für das Bundesamt für Verfassungsschutz. So gelang es den deutschen Sicherheitsbehörden, die Anschlagsplanungen mitzuverfolgen. In den abgefangenen Nachrichten war von mehreren „Paketen“ die Rede. Die „Brüder“ hätten eine „sehr wichtige Arbeit“ zu erledigen.

Nach den bisherigen Ermittlungen geht der Auftrag zur Anschlagsplanung offenbar auf einen hochrangigen IS-Funktionär mit dem Kampfnamen „Abu Mussab al-Almani“ zurück. Es soll sich dabei um den womöglich bei den Kämpfen in Syrien getöteten Schweizer Thomas C. handeln. Der Mann gilt als der bisher hochrangigste bekannte IS-Funktionär aus dem deutschsprachigen Raum. Thomas C. soll direkt für die Abteilung „Externe Operationen“ gearbeitet haben, die auch für die Anschläge in Paris im November 2015 verantwortlich gemacht wird.

Die Planungen für den Anschlag wurden durch die Ermittlungen und den Zerfall des „Islamischen Staates“ durchkreuzt. Oguz G. und Marcia M. haben gegenüber dem Bundesnachrichtendienst inzwischen umfangreiche Angaben zu den Anschlagsplanungen gemacht. Beide warten nun auf ihre Überstellung nach Deutschland, wo bereits Haftbefehl gegen sie erlassen wurde.²

¹Neue Osnabrücker Zeitung ²Norddeutscher Rundfunk

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