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Auf Augenhöhe: Kim Jong Un und Donald Trump

Chancen im Atomkonflikt mit Pjöngjang und dem Treffen zwischen Trump und Kim

Das Treffen ist für Kim kein Einknicken, im Gegenteil: Der „kleine Raketenmann“ ist endlich auf Augenhöhe mit dem großen Feind, der ihn eben noch mit diesen Worten verspottet hatte. Für ihn ist der Gipfel ein Punktsieg. Doch das ist ein erträglicher Preis dafür, dass nun zwei Männer miteinander reden wollen, die sich bislang die Auslöschung per Atomknopf androhten. Wobei kaum diese Erkenntnis in beiden gereift wäre und zur Einigung geführt hätte. Kim darf sich über die Aufwertung freuen, auf die er jahrelang hingearbeitet und gerüstet hat. Und Trump scheint sich von seiner Sprunghaftigkeit leiten zu lassen, spontan, ganz ohne lange Verhandlungen auf Sherpa-Ebene, die einem Gipfel sonst vorausgehen. Und daher ist auch nicht gesagt, dass das Treffen – wenn es nicht ebenso spontan noch abgesagt wird – wirklich eine dauerhafte Annäherung bringen wird. Das ist möglich. Aber beim Aufeinandertreffen zweier Unberechenbarer ist vieles denkbar. Rhein-Neckar-Zeitung

Trump und Kim vor Treffen – Anlass zur Sorge

Es ist nicht grundsätzlich falsch, sich nach Jahren des Hinhaltens und Scheiterns in einem Konflikt mit globaler Sprengkraft gegen die Orthodoxie der Diplomatie zu stellen und neue Wege zu probieren. So gesehen wäre gegen das Aufeinandertreffen zweier Männer, die sich sonst gegenseitig rhetorisch regelmäßig auf den Mond schießen, nicht viel einzuwenden. Sollen sie es von Angesicht zu Angesicht austesten, der „geistig verwirrte Greis“ und der „kleine, fette Raketenmann“. Was kann schon schlimmer werden in der Krise um den menschenverachtenden Atomstaat Nordkorea? Jede Menge. Bereits die Tatsache an sich wertet ein Schurken-Regime auf, das dafür keinerlei Vorleistung erbringen muss.

Dazu kommt: Schon bei erfahrenen Staatsmännern wäre ein solches Meeting ein Wagnis. Im Fall Donald Trump/¨Kim Jong Un wird es ein Akt auf dem Hochseil. Nichts spricht dafür, dass die Begegnung der impulsiven Egomanen auf der Grundlage einer vorher von kompetenten Stäben erzielten Verständigung über Machbares und Wünschenswertes stattfinden wird. Reißt einem der Teilnehmer der Geduldsfaden, weil er mit Erwartungshaltungen angereist ist, die der andere nicht zu bedienen gedenkt, könnte der Super-Gau drohen: Krieg zum Zwecke der Gesichtswahrung. Dass der krampfhaft nach Ablenkung von innenpolitischen Skandalen suchende Trump sich von einem jungen Diktator aufs Glatteis führen lässt, ist Anlass zur Sorge. Dirk Hautkapp, Washington – Neue Westfälische

Hoffnung und Skepsis

Es ist eine Chance. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wie überraschend die Ankündigung des ersten Gipfels zwischen den zutiefst verfeindeten Führern der USA und Nordkoreas kam, zeigt sich auch an Trumps Außenminister Tillerson. Der hatte kurz zuvor noch erklärt, dass ungeachtet aller positiven Signale direkte Gespräche mit dem Machthaber in Pjöngjang über den Atomkonflikt nicht in Sicht seien.

Das Problem bei einem erratischen und eitlen Präsidenten, der auf seine angeschlagene Popularität schielen muss: Ein nächster plötzlicher Sinneswandel ist nicht auszuschließen. Diese Eigenschaft scheint er mit seinem Widerpart zu teilen. Zu frisch noch sind Erinnerungen an die irrationalen Drohungen mit gegenseitiger präventiver Vernichtung.

Und man sollte auf das Kleingedruckte aus Washington achten: Die Sanktionen bleiben, es gehe um ein Treffen, nicht um Verhandlungen. Aber erst konkrete Vereinbarungen, und auch die auf Augenhöhe, würden den Gipfel aus einem Schlagzeilen-Coup zum Ansatz für eine tragfähige, nachhaltige politisch-diplomatische Lösung machen – bis hin zur vollständigen Denuklearisierung der ganzen koreanischen Halbinsel und einem Friedensvertrag.

Hoffnung dafür findet sich nicht nur dort. Aber auch große Skepsis. Denn das Risiko eines diplomatischen Eklats mit gefährlichen Folgen ist mindestens ebenso groß wie der Wunsch nach einer neuen Zeitrechnung in der Region. neues deutschland

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