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Die EZB macht´s möglich – Italienische Staatsanleihen

Weidel: Fortsetzung des EZB-Anleihekaufprogramms wird die Krise noch verschärfen

In der sommerlichen Ruhe an den europäischen Bondmärkten haben die italienischen Staatsanleihen in den vergangenen Tagen eine gute Performance realisieren können. Die Kurse legten zu, die Renditen fielen infolgedessen zurück, an manchen Tagen war gar von einer Rally der Papiere aus Rom die Rede.

Am Donnerstag war es dann so weit: Die Rendite der zehnjährigen italienischen Staatsanleihe, die sich in den Tagen zuvor immer wieder der Marke von 1% angenähert hatte, durchbrach diese Barriere schließlich. Renditen von unter 1% hatten die zehnjährigen Italien-Bonds zuletzt im Februar/März gesehen, bevor die italienischen Staatspapiere im Zuge der Covid-19-Krise an den Märkten erheblich unter Kursdruck kamen. Nun sind diese krisenbedingten Verwerfungen, d. h. Kursverluste, demzufolge wieder ausgebügelt.

Zehn Jahre Laufzeit und gut 1% Rendite – es ist lange her, dass man mit sicheren Papieren, wie etwa den Bundesanleihen gleicher Laufzeitkategorie, eine derartige laufende Verzinsung einstreichen konnte. Zuletzt war das bei den zehnjährigen Bunds am 10. Juni 2015 mit 0,99% der Fall. Anders ausgedrückt: Italien liegt heute auf dem Niveau des Bundes von vor fünf Jahren. Italien kann sich somit zu historisch günstigen Konditionen Fremdkapital über die Märkte besorgen. Das gilt verständlicherweise auch für die anderen Laufzeiten entlang der Kurve. Am kurzen Ende, also bei zwei Jahren Laufzeit, verdienen die Italiener sogar Geld mit dem Schuldenmachen. Am Freitag waren es 0,05% – Minusrendite versteht sich. Bei fünf Jahren ist es noch eine positive Rendite für die Investoren in Höhe von knapp über 0,4%. Bei 30 Jahren Laufzeit sind es noch rund 1,9%.

Die Anleger haben offenkundig Appetit auf Italien-Risiko und damit die entsprechenden Bonds des Landes. Italien konnte schon Rekordorderbücher bei Auktionen in diesem Jahr erzielen. Von Platzierungsschwierigkeiten ist das Land demzufolge weit entfernt. Unterstützung für die Italien-Bonds kommt aber auch aus dem Frankfurter Ostend, d.h. von der Europäischen Zentralbank (EZB), die im Rahmen ihrer Bondkaufprogramme ebenfalls kräftig bei den Anleihen des Euro-Peripheriestaats zugreift, und zwar im Rahmen der herkömmlichen Programme sowie des Pandemic Emergency Purchase Programme – kurz PEPP. Italien-Papieren kommt sogar eine Unterstützung über Gebühr zugute. Gemäß Kapitalschlüssel sollte Italien auf eine Quote von 17% kommen. Die EZB erwirbt im Rahmen von PEPP aber deutlich mehr italienische Papiere als die 17%. Laut Handelsangaben sind es 19,6%. Das verleiht den Italien-Bonds verständlicherweise eine erhebliche Unterstützung. Hinzu kommen die Käufe des konventionellen Programms.

Zu den EZB-Käufen addieren sich dann noch die Investments anderer Marktteilnehmer, also institutioneller Anleger wie Fonds, Pensionskassen, Unternehmen, Banken etc. Denn seit geraumer Zeit ist zu beobachten: Angesichts von Null- und Negativrenditen in vielen Bondmarktsegmenten, d.h. weiten Emittentenkreisen wie Staaten, SSA (supranationale Emittenten, Sub-Sovereigns und Agencies) sowie Unternehmen und Banken, greifen die Anleger gern zu, wenn unterm Strich noch eine positive laufende Verzinsung eingestrichen werden kann. Und da bei 30 Jahren in Italien noch fast 2% an der Tagesordnung sind und bei fünf Jahren fast noch ein halbes Prozent, ist dieses Renditeumfeld für viele Anleger immer noch ausreichend interessant. Vergessen werden darf dabei natürlich auch nicht, dass noch Kursgewinne winken. Die sind am langen Ende ja auch nicht gerade zu verachten. Und ein besonders großes Risiko gehen die Anleger ja nicht ein, steht die EZB doch permanent Gewehr bei Fuß und springt Italien ja offenkundig auch zur Seite. Die Bazooka wird abgefeuert.

Aber nicht nur seitens der professionellen, d.h. institutionellen Anleger wird geordert. Auch die privaten Investoren legen sich die für die Retailkundschaft aufgelegten Papiere gern ins Depot. Der neuartige BTP Futura, der im vorigen Monat auf den Markt kam, erfreute sich eines regen Interesses. Immerhin spülte das mit Halteprämien ausgestattete Papier dem Staat mehr als 6,1 Mrd. Euro in die Kasse. Auch hier hat Italien also Rückhalt. Und so ist auch in der Krise für die Papiere des Landes der weitere Renditepfad ziemlich klar vorgezeichnet. Es sollte weiter nach unten gehen. Dafür sorgen die EZB und die Tatsache, dass noch eine positive laufende Rendite erzielt werden kann.¹

Das Ultimatum, das das Bundesverfassungsgericht der EZB zur Begründung der Verhältnismäßigkeit ihrer Kaufprogramme für Staatsanleihen gesetzt hat, ist abgelaufen. Bundesregierung und Bundesbank haben die Vorgaben für erfüllt erklärt. Die Bundesbank kann daher an den Anleihekäufen der EZB weiter mitwirken.

Die Fraktionsvorsitzende der AfD im Deutschen Bundestag Alice Weidel kritisiert das Vorgehen:

„Der Umgang mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu den Anleihekäufen der EZB hat den Beigeschmack eines abgekarteten Spiels. Die hastig durchgewunkene Zustimmung der etablierten Mehrheit des Bundestags und der lustlos nachgeschobene Persilschein des Bundesfinanzministers, ohne dass wesentliche von der EZB vorgelegte Dokumente auch öffentlich gemacht worden wären, war dem Ernst der Sache nicht gerecht.

Es ist bedauerlich, dass die Bundesbank die Steilvorlage des höchsten Gerichts nicht genutzt hat, um vom desaströsen Kurs der EZB abzurücken. Das Volumen der Anleihekaufprogramme bedeutet Staatsfinanzierung über die Notenbanken in so gigantischem Ausmaß, dass sie die Euro-Dauerkrise noch verschärfen werden. Es ist daher zu begrüßen, dass die Kläger sich mit den bislang gegebenen Antworten nicht zufriedengeben wollen. Und es bleibt zu wünschen, dass das Bundesverfassungsgericht der Linie seines Urteils treu bleibt und der EZB klare Schranken aufzeigt.“²

¹Kai Johannsen – Börsen-Zeitung ²AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag

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