Press "Enter" to skip to content

Deutsche Bank: Achleitner muss gehen

Rettungsversuch Deutsche Bank

Die Bilder, zu denen die Aktionäre griffen, um die Lage der Deutschen Bank zu beschreiben, waren drastisch: Vom „Horrorfilm mit Überlänge“ sprach ein Fondsmanager. Kein Wunder: Die Aktie hat seit 2012 mehr als die Hälfte verloren, der Gewinn ist mager, das Ansehen ruiniert. Der Digitalisierung läuft die Bank hinterher, sie nutzt noch immer 26 IT-Systeme parallel. Doch der Regisseur des Ganzen klebt an seinem Stuhl: Aufsichtsratschef Paul Achleitner hat zwar vier Bankchefs verschlissen, selbst übernimmt er keine Verantwortung – er wolle Investoren nicht im Stich lassen.

Dabei würde es denen vermutlich besser gehen, wenn der wendige Multiaufseher das Drehbuch aus der Hand gibt. Zuletzt wäre der Bank der Zeit fressende, aber ökonomisch sinnlose Flirt erspart geblieben, den Achleitner mit der Commerzbank vorantrieb. Den Mut, ihm das Misstrauen auszusprechen, hatte die Mehrheit der Aktionäre dennoch nicht. Erstaunlich. Sie entlastete Achleitner, womöglich, weil er viele Großaktionäre selbst geholt hat. Doch was muss eigentlich noch geschehen, damit sie dem Regisseur der Dauerkrise die Tür weisen?¹

Als Besucher der Hauptversammlung der Deutschen Bank wähnt man sich über weite Strecken im falschen Film. Da wird eine formidable Erfolgsgeschichte erzählt: alle Finanzziele für 2018 erreicht, die Skeptiker mit konsequenten Kostensenkungen überrascht und die eigene Vorgabe für den Verwaltungsaufwand sogar unterboten, mit der harten Kernkapitalquote in der Spitzengruppe der Branche, die Bilanz von so guter Qualität wie selten zuvor, die Rechtsrisiken erheblich reduziert. Dies ist die Geschichte von einer Bank, wie sie in der Welt des Paul Achleitner und des Christian Sewing existiert.

Aus Sicht von Aktionären spielt dieser Film – Andreas Thomae von Deka Investment sprach von einem „Horrorfilm mit Überlänge“ – freilich in einer anderen Galaxie. Von ihrem Stern aus betrachtet, sieht die Welt weitaus trister aus. Erkennbar zum Beispiel am Aktienkurs, der just am Tag der Hauptversammlung zwischenzeitlich auf ein Rekordtief von 6,35 Euro purzelte, womit ein Deutsche-Bank-Aktionär, der schon vor zwölf Jahren dabei war, gemessen am damaligen Höchststand um 93% enteignet worden ist – entschädigungslos, sieht man von Würstchen und Kartoffelsalat ab, die in der Frankfurter Festhalle gereicht wurden. Dafür braucht es noch nicht einmal Artikel 14 des gestern 70 Jahre alt gewordenen Grundgesetzes.

Der Aufsichtsratsvorsitzende, der sich erstmals öffentlich zu Fehlern bekannte – was ihm sichtlich schwerfiel – und der Vorstandschef sind sich des Widerspruchs zwischen diesen grundverschiedenen Welten bewusst. Beide wiesen in ihren Reden darauf hin, konnten oder wollten ihn aber nicht auflösen. Weiß „der Markt“, der angeblich immer Recht hat, oder ahnt er zumindest etwas, was dem breiten Publikum bislang verborgen bleibt und wovon die Spitze der Bank selbst nichts wissen will? Kommt womöglich noch ein großes juristisches Thema auf das Haus und seine Stakeholder zu?

Von Aktionärsseite gab es schon eher Erklärungen für die nicht kompatiblen zwei Welten der Bank: Dass diese sich „den Luxus einer Investmentbank in der heutigen breiten Aufstellung“ nicht länger leisten könne, so Alexandra Annecke von Union Investment. Oder die vielfach kritisierten Milliardenboni für eine bei allen unbestreitbaren Fortschritten – zumal gemessen an den eigenen Ansprüchen – unterm Strich doch recht erbärmliche Leistung. Achleitner und Sewing, von den Aktionären mit bescheidenen Ergebnissen entlastet, sollten solche hilfreichen Hinweise als klaren und ultimativen Auftrag verstehen.²

¹Rheinische Post ²Bernd Wittkowski – Börsen-Zeitung

1 Kommentar

  1. reiner

    Und wieviel Mio. Abfindung werden ihn noch hinterher geworfen?

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

BZ Medienholding Ltd ©1998 - 2019