Der neue Bernd Lucke heißt Frauke Petry

Petrys Scheitern

Endlich ist es vorbei. Frauke Petry verlässt die AfD. Mitleid muss man mit ihr nicht haben, hatte sie jedenfalls bei Bernd Lucke nicht, als sie ihn aus dem Weg räumte. Nun scheint sich Geschichte zu wiederholen. Petry wird politisch genauso unbedeutend werden wie Lucke, unabhängig davon, ob sie wie Lucke noch einige Mitstreiter mitnimmt und eine weitere Partei gründet oder nicht. Sicher, die 42-Jährige wird hin und wieder auf sich aufmerksam machen. Sie hat mit ihrer Partei die Provokation zur politischen Waffe gemacht mit dem Ziel, Schlagzeilen zu produzieren. Nicht umsonst hat sie erst am Morgen nach der Wahl erklärt, sie wolle nicht der AfD-Bundestagsfraktion angehören und dann einen Tag später den Austritt aus ihrer Partei angekündigt ohne einen Termin zu nennen. Eine erneute Meldung wird ihr sicher sein. Frankfurter Rundschau

Veröffentlicht am Mittwoch, 27.09.2017, 9:38 von Domenikus Gadermann

Die AfD hat politisch nur ein Thema, die Flüchtlingskrise, aber sie hat viele Personen, die die Partei prägen und führen wollen: Gauland, Weidel, Höcke, Petry. Der vielschichtige Chor der dissonanten Stimmen ist bei der AfD nicht Ausdruck einer lebendigen Diskussionskultur, sondern ein echtes Problem für den Bestand der Partei. Montag, am Tag des größten Triumphes der noch jungen AfD, düpierte Frauke Petry ihre »Parteifreunde« mit der Ankündigung, der Bundestagsfraktion fernzubleiben.

Es war das Ergebnis einer totalen Entfremdung zwischen ihr, Gauland und Weidel. Petry flüchtet, weil Gauland und Weidel sie schon lange vertreiben wollten. So wie unter Bernd Lucke droht der AfD eine Spaltung, diesmal in einen Flügel der Pragmatiker mit gemäßigten nationalkonservativen Ansichten, der dem völkisch-nationalistischen gegenüberstünde. Im Bundestag will die AfD nach eigenen Worten eine konstruktive Oppositionsarbeit leisten und Themen nach vorne bringen. Das dürfte ihr schwer fallen, wenn Querelen und Grabenkämpfe ihr die Energie rauben. Und die Wähler fragen sich, wen oder was sie jetzt eigentlich gewählt haben. Westfalen-Blatt

So wirft Frauke Petrys Paukenschlag ein grelles Licht auf die Partei, die sich als „Alternative“ empfiehlt und mit einem Saubermann-Image kokettiert, die in Wahrheit aber ein Sammelbecken von Hardlinern und Fanatikern ist. Schneller als gedacht brechen die Konflikte zwischen Gemäßigten und Radikalen auf. Der Burgfrieden hielt mit Ach und Krach nur bis zum Wahltag. Nun sind die Fliehkräfte so stark, dass der Laden auseinanderbricht. Ohne Petry rückt die AfD noch weiter nach rechts außen ins selbstgewählte politische Abseits. Politikfähigkeit sieht anders aus. Straubinger Tagblatt

Petrys Austritt – Politikfähigkeit sieht anders aus

Der neue Bernd Lucke heißt Frauke Petry, ist AfD-Chefin, hat in Sachsen gerade eines von drei Direktmandaten ihrer Partei für den Bundestag geholt – und erklärt, dass sie der Fraktion nicht angehören wird. Eine Parteivorsitzende, die sich öffentlich von ihrer Partei lossagt – das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Frauke Petry dürfte die längste Zeit AfD-Chefin gewesen sein. Die Quittung wird sie auf dem nächsten Parteitag bekommen. Die Episode zeigt einmal mehr, wie sehr der AfD die Lust an der Selbstzerfleischung innewohnt, noch in der Stunde des größten Triumphes. Mitteldeutsche Zeitung

Moritz Döbler über die AfD

Manche Gegner der AfD hatten am Wahlabend die Hoffnung geäußert, dass sich die neue Oppositionskraft schnell zerlegt und an sich selbst scheitert wie einige rechte Parteien vor ihr. Die Entwicklung scheint ihnen recht zu geben: Frauke Petry will als direkt gewählte Abgeordnete in den Bundestag gehen und nicht Teil der AfD-Fraktion sein. „Nach langer Überlegung“ will sie dies entschieden haben; ihre Wähler hat sie also bewusst getäuscht. Da sie nicht ebenfalls ihren Rücktritt vom Parteivorsitz verkündet hat, setzt sie die AfD einer Zerreißprobe aus. Aber zur Wahrheit gehört auch, dass sie in der Parteispitze längst isoliert ist. Offen wird ihr nun der Parteiaustritt nahegelegt und alternativ mit Ausschluss gedroht. Spitzenkandidat Alexander Gauland, der Staatsministerin Aydan Özoguz „entsorgen“ und Bundeskanzlerin Angela Merkel „jagen“ will, dürfte versuchen, die AfD weiter rechts zu verankern. Das schadet der Demokratie und der politischen Kultur in Deutschland. Zugleich verringert sich aber die Wahrscheinlichkeit, dass die AfD in vier Jahren – so wie von Frauke Petry als Ziel ausgegeben – Regierungsverantwortung im Bund übernimmt. Weser-Kurier

Kalkül und Rache

Das ging noch schneller als erwartet. Dass in der AfD-Führungsspitze keine Harmonie, sondern eher Zerrüttung herrscht, war ja hinlänglich bekannt. Dass sich aber die Bundesvorsitzende Frauke Petry keine 24 Stunden nach dem bundesweiten Wahlerfolg ihrer Partei weigerte, sich der noch zu bildenden Bundestagsfraktion anzuschließen, ist rekordverdächtig.

Eine Übersprungshandlung war es bestimmt nicht, was Petry vor der Bundespressekonferenz aufführte – auch wenn das gewonnene Direktmandat ihren Schritt umso spektakulärer erscheinen ließ. Ihre Entscheidung war wohlkalkuliert und auch eine Art Rache an der übrigen Parteiführung, die Petry hochschwanger auf dem Kölner Bundesparteitag im April vorgeführt hatte. Der dramatische Auftritt war großes Kino. Zu hinterfragen ist allerdings, ob es der Noch-Vorsitzenden tatsächlich gelingt, sich als moderne Konservative darzustellen – zu heftig hat sie in der Vergangenheit radikal ausgeholt. Der Streit um die Deutungshoheit von „alternativer“ Politik ganz rechts von Bundeskanzlerin Angela Merkel wird nun eskalieren. Und so alleine, wie es AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland behauptet, ist Petry nicht. Schwäbische Zeitung

AfD-Spitzenkandidat Gauland: Petrys Entscheidung nicht nur ein Verlust

Nach der Absage Frauke Petrys an die AfD-Bundestagsfraktion hat Spitzenkandidat Alexander Gauland noch einmal nachgelegt. „Ich habe mich im Wahlkampf nicht gut unterstützt gefühlt von Frau Petry“, sagte der AfD-Politiker am Montag im phoenix-Interview. „Frau Weidel und ich haben eine Menge Termine übernommen, die sie plötzlich abgesagt hat. Und dass man das Spitzenteam drei Tage vor der Wahlentscheidung in der ‚Leipziger Volkszeitung‘ angreift, macht die Sache noch schlechter.“ Von daher sei er skeptisch, ob Petrys Entscheidung, der AfD-Bundestagsfraktion nicht angehören zu wollen, „nur ein Verlust“ sei.

Auf die Frage, ob Frauke Petry in ihrer Funktion als Parteivorsitzende von nun an der Vergangenheit angehöre, antwortete Gauland: „Das weiß ich nicht. Das muss der Parteitag bestimmen. Und der tagt irgendwann Ende November, Anfang Dezember.“ phoenix-Kommunikation

11 Meinungen bis jetzt. Fühlen Sie sich frei der Diskussion beizutreten.

  1. Lars Donnerstag, 12. Oktober 2017, 9:16 um 9:16 - Reply

    Frau Petry fällt mit ihrer neuen Partei DIE BLAUEN
    der AfD in den Rücken. Es könnte sein, dass daran
    b e i d e Parteien kaputtgehen! Und die sog. etablierten
    Parteien lachen sich kaputt.

  2. Frank Montag, 2. Oktober 2017, 10:44 um 10:44 - Reply

    Sehr geehrter Herr Preuße, über Ihre Zeilen habe ich mich gefreut! Mein vollständiger Name ist Frank Schneidersen und ich bin mit Leib und Seele Berufssoldat. Herzlich und einen schönen Start in die Woche, Frank

  3. Preuße Sonntag, 1. Oktober 2017, 18:27 um 18:27 - Reply

    Lieber Herr Frank, ich bewundere Ihre eiserne Disziplin.
    Was Frau Weidels Homosexualität angeht, denke ich
    ähnlich wie Sie. Da ich eine Wampe habe, sehe ich in
    Dr. Gauland einen Leidensgenossen. Ach ja, wie es halt
    so ist im Leben! In Sachen Jamaica dürften wir uns einig
    sein: Das geht in die Büx!
    Das Beste für Sie, lieber Herr Frank.

  4. Frank Samstag, 30. September 2017, 16:41 um 16:41 - Reply

    Zusatz: ich bin 39 Jahre alt und betreibe mein ganzes Leben lang Sport! Zudem bin ich begeisterter Anhänger einer gesunden und ausgewogenen Ernährung. “ Ich rauche nicht und trinke nur zu besonderen Anlässen geringfügig Alkohol. – Diese Lebenseineinstellung werde ich beibehalten; damit scheidet ein „Bier- und Fressbauch“ für mich aus!- ( Auch wenn ich 76 Jahre alt werden sollte; es geht nur um die Haltung, die Diziplin, die Konsequenz…)

  5. Frank Samstag, 30. September 2017, 16:32 um 16:32 - Reply

    Sehr geehrter Herr Preuße, ich bedauere, dass Ihnen meine Ansichten bezüglich Frau Dr. Petry und Herrn Gauland nicht gefallen!- Es sind ja nur meine Ansichten!-
    Natürlich bin ich mehr als enttäuscht, dass Frau Dr. Petry aus der Partei austritt; wohlgemerkt: es ist meine Enttäuschung!- Herrn Gauland, verzeihen Sie bitte, habe ich noch nie geschätzt! Weder in der CDU, noch in der AfD.
    Was seine „Dickbäuchigkeit“ betrifft, zeigt sie doch an, dass er ungemässigt ist, ohne Diziplin; von einem Politiker erwarte ich, dass er Maß hält und sich nicht unbotmässig „voll frisst“!
    Zu Frau Weidel! Die Afd setzt sich mit Recht für eine Ehe zwischen Mann und Frau ein; dies entspricht auch meiner Meinung, meiner Lebensvorstellung. – Wie kann es dann sein, dass eine Lesbe, wie Frau Weidel, welche zudem noch mit ihrer Lebenspartnerin in der Schweiz, Steuerparadies, lebt, an der Spitze dieser Partei steht; ist das nicht ein Widerspruch! Ja, Herr Preuße, ich bin sehr, sehr enttäuscht! Mit freundlichem Gruß, Frank

  6. Preuße Samstag, 30. September 2017, 9:20 um 9:20 - Reply

    Bester Frank, ich habe von Ihnen schon Besseres gelesen.
    Was soll der Hinweis auf Dr. Gaulands dicken Bauch?
    Wie werden Sie, Frank, mit 76 aussehen? Ich danke
    Gauland, dass er sich für unser Vaterland zur Verfügung
    gestellt hat.

  7. Frank Samstag, 30. September 2017, 7:23 um 7:23 - Reply

    Ich bedauere sehr, dass Frau Dr. Petry aus der Partei austritt, habe diese kluge, eloquente Frau sehr, sehr wert geschätzt! – Sie war einer der Gründe, warum ich die AfD gewählt habe!- Doch Herr Gauland wollte mit Frau Weidel zusammen ja unbedingt die Führungsrolle übernehmen! -Wie Frau Dr. Petry, hochschwanger übrigens, von diesen Beiden diffamiert und gemobbt wurde, spottet jeder Beschreibung! Ich kann den Austritt einer Frau Petry verstehen; hätte sie dies vor der Wahl verkündet, wäre das Wahlergebnis der AfD anders, schlechter, ausgefallen! Ich persönlich schätze den selbstgefälligen dickbäuchigen Herrn Gauland überhaupt nicht! Warum trägt er eigentlich diese alberne Jagdhundkrawatte, dazu der beknackte Satz nach dem Wahlergebnis : wir werden sie jagen… Herr Gauland besitzt weder eine Jagdpacht, geschweige denn einen Jagdschein! – Alles nur Schein und Genöle, ein Programm hat er bis heute nicht konzipiert! ( Bruder von Seehofer?) Schade um die Partei! Frau Dr. Petry wünsche ich alles Gute.

  8. Obergefreiter der Reserve Freitag, 29. September 2017, 10:58 um 10:58 - Reply

    Nach der Bundestagswahl ist mir noch beschissener zumute als vorher.

  9. Rentner Donnerstag, 28. September 2017, 9:49 um 9:49 - Reply

    Petry hatte in meinem Innern den Platz einer Heiligen.
    Hatte! Jetzt wird offenbar, dass sie ihre Wähler in
    Sachsen nicht nur ent-, sondern übelst getäuscht hat.
    Ich weiß nicht mehr, was ich sagen soll.

  10. Anonymous Mittwoch, 27. September 2017, 11:56 um 11:56 - Reply

    Ich wage es zu bezweifeln, dass die AfD nur ein Thema hat.

  11. Anonymous Mittwoch, 27. September 2017, 11:53 um 11:53 - Reply

    Ach Gottchen, Bigottchen. Alexander Gauland hat sich im Wahlkampf nicht gut unterstützt gefühlt von Frauke Petry.
    Wenn man mit jemandem in Konkurrenz geht kann man nicht automatisch auf dessen Unterstützung vertrauen.

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