FDP-Vorsitzender Lindner: AfD macht nichts anderes, als Deutschland zu zerstören

Deutschlands letzte Chance: AfD

Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner hat der AfD vorgeworfen, Deutschland zerstören zu wollen. „Die AfD denkt völkisch, antiliberal, kollektivistisch“, sagte Lindner dem Berliner „Tagesspiegel“. „Die AfD macht nichts anderes, als Deutschland zu zerstören. Alles was unser Land ausmacht, will diese Partei zerstören. Sie ist rassistisch und antisemitisch. Da ist jeder Liberale aufgefordert zu widersprechen.“

Veröffentlicht am Montag, 29.08.2016, 14:35 von BZ-Redaktion

Im September vergangenes Jahr schiebte Christian Lindner den Schwarzen Peter allerdings noch der Bundesregierung zu:

Lindner: Zickzackkurs der Bundesregierung zeugt von Chaos

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„Der Zickzackkurs der letzten Tage macht das konzeptionelle Versagen der Bundesregierung deutlich. Erst wurde Dublin endgültig beschädigt, mit den Grenzkontrollen wird nun Schengen geopfert. Sie sind leider Ausdruck einer völlig verfehlten Flüchtlingspolitik. Viel zu lange wurden die steigenden Flüchtlingszahlen ignoriert, statt für eine gemeinsame europäische Asylpolitik zu sorgen. Von einer Einwanderungsstrategie ganz zu schweigen. Den Flüchtlingen erst grünes Licht zu geben und nun die Ampel auf rot zu stellen, zeugt von Chaos. Die Bundeskanzlerin muss einen besseren Weg finden, um die anderen europäischen Länder zu einer fairen Lastenverteilung zu bewegen. Wer die Grenzen dauerhaft dicht macht, der beschädigt Europa.“ Freie Demokraten (FDP)

Die Alternative für Deutschland (AfD): Protestpartei oder Partei mit treuen AnhängerInnen?

Die Alternative für Deutschland (AfD) wurde vor drei Jahren gegründet und ist heute bereits in acht Landesparlamenten vertreten. Aktuellen Meinungsumfragen zufolge dürfte die Partei im September zudem in das Berliner Abgeordnetenhaus und den Landtag Mecklenburg-Vorpommerns einziehen und würde mehr als zehn Prozent der Stimmen erhalten, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre.

Wer sind die AnhängerInnen der AfD? Woher kommen sie, wie alt sind sie und welche Parteien haben sie früher gewählt? Und: Ist die AfD „nur“ eine Protestpartei, die in der Gunst der WählerInnen schnell wieder sinken kann, oder entwickelt sie eine stabile Basis von AnhängerInnen, die sich der Partei langfristig verbunden fühlen?

AfD bindet relativ viele NichtwählerInnen und Personen aus dem rechten Lager an sich

Studie auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels: Die Alternative für Deutschland (AfD) findet zunehmend Zuspruch im rechten politischen Lager und bei NichtwählerInnen – AnhängerInnen geben an, unzufrieden mit der Demokratie zu sein und sich um Zuwanderung zu sorgen

Die Alternative für Deutschland (AfD) zieht derzeit vor allem Männer, BürgerInnen in den neuen Bundesländern, Personen mit geringer und mittlerer Bildung, ArbeiterInnen und Arbeitslose sowie junge Personen unter 30 Jahren an. Das geht aus einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) auf Basis von Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) hervor. DIW-Experte Martin Kroh hat dafür gemeinsam mit Karolina Fetz vom Berliner Institut für Empirische Integrations- und Migrationsforschung der Humboldt-Universität die im SOEP erfragte Parteibindung untersucht.

Diese bildet längerfristige Trends in der Unterstützung von Parteien ab und ist nicht mit einer konkreten Wahlabsicht oder -entscheidung zu verwechseln, die auch auf kurzfristigen Einflüssen und Erwägungen beruhen kann. Kroh und Fetz fanden heraus, dass sich das Anhängerprofil der AfD seit der Parteigründung verändert hat. „Die AfD bindet der Befragung zufolge immer mehr frühere NichtwählerInnen und WählerInnen rechtsextremer Parteien an sich sowie Personen, die sich auch tatsächlich als politisch rechts oder sehr rechts verorten. Aber auch aus dem Kreis ehemaliger FDP- oder Linken-WählerInnen gewinnt sie AnhängerInnen“, sagt Fetz. „Zudem scheint sie zunehmend für jüngere Menschen attraktiv zu sein.“

Parallel zur Programmatik der AfD veränderte sich die Anhängerschaft

Seit 2014 zieht die Partei überproportional oft Menschen an, die erklären, mit der Demokratie in Deutschland unzufrieden zu sein. Auch neigen Personen der AfD zu, die angeben, sich große Sorgen um Zuwanderung, aber auch die wirtschaftliche Lage im Allgemeinen, die eigene finanzielle Situation sowie die Kriminalität in Deutschland zu machen. Insgesamt deckt sich die veränderte Zusammensetzung der Anhängerschaft mit der programmatischen Veränderung der Partei: Die ursprünglich etwa durch die Ablehnung des Euro und der Eurorettung vorwiegend europakritisch ausgerichtete AfD hat mit ihrem Grundsatzprogramm aus dem Frühjahr 2016 deutlich national-konservativere und auch zuwanderungskritischere Positionen herausgebildet.

Den SOEP-Daten zufolge hat sich die AfD verhältnismäßig schnell eine Anhängerschaft aufgebaut: Drei Jahre nach ihrer Gründung geben mehr Menschen an, der AfD zuzuneigen, als es jemals bei Republikanern, DVU oder NPD der Fall war. Demzufolge ist die im SOEP erfragte Parteibindung für die AfD etwa so hoch wie das langfristige Mittel der FDP und etwas unter dem Niveau der Grünen in den 1980er Jahren. „Ob die AfD jedoch ihren eigenen Rechtsruck stoppen kann, bevor sie dadurch viele der jetzigen Anhängerinnen und Anhänger wieder verprellt, bleibt bei den jüngsten fremdenfeindlichen Äußerungen und parteiinternen Querelen fraglich“, sagt Martin Kroh. Renate Bogdanovic, Sabine Fiedler, Sebastian Kollmann, Monika Wimmer – DIW Berlin

Ist die AfD ein vorübergehendes Wutphänomen, oder kann sie mit ihrem deutschnationalen Kurs langfristig politisch Fuß fassen und die Parteienlandschaft in Deutschland verändern? Eine vielversprechende Partei mit einer großartigen Entwicklung, die inzwischen in acht Landtagen und sogar im Europaparlament sitzt. Vor allem bei den zurückliegenden Dreifach-Landtagswahlen am 13. März 2016 gehörte die AfD zu den Gewinnern. In Sachsen-Anhalt holte die AfD fast ein Viertel der Stimmen, aber auch in Baden-Württemberg und in Rheinland-Pfalz waren sie erfolgreich. Die Asyl- und europafeindlichen Parolen trafen offenbar bei einem Teil der wahlberechtigten Bevölkerung einen Nerv. ZDF Presse und Information

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  1. Leser Mittwoch, 14. September 2016, 20:34 um 20:34 - Reply

    Herr Lindner, gehen sie doch mit der SPD zusammen gegen Afd- und Protestwähler demonstrieren. Könnte sein dass das besser wirkt als Wähler zu diffamieren.
    Und sagen sie mal, was kosten denn diese massenweisen Umfragen den Steuerzahler eigentlich?
    Ja, wir haben immer ein schönes Politbarometer zum angucken. Wüssten wir aber mal, was wir dafür blechen müssen, so manch einer würde vor Schreck vom Sessel fallen. Das gäbe bestimmt einiges an Kindergeld, wenn man umwidmen würde.
    Das tollste ist ja, dass Ihr trotz aller dieser teuren und aufwendigen Umfragen im Dunkeln tappt, was die Menschen betrifft über die Ihr gern Bescheid wüsstet.

  2. Anno Mittwoch, 31. August 2016, 17:37 um 17:37 - Reply

    Bei allem Respekt: eine Schuld oder einen Schwarzen Peter hat niemand „zugeschIEBT“ sondern „zugeschoben“.
    Man erwartet ja nicht viel, aber mit DIESER Rechtschreibung sollte man nichts (man könnte auch sagen: „gar nix“…) veröffentlichen.

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