Bundesdeutsche Zeitung

Lauterbach warnt vor Aufhebung der Maskenpflicht im Handel

Lauterbach Karl

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat eindringlich davor gewarnt, die Maskenpflicht im Handel aufzuheben. „Die Maskenpflicht im Handel ist eines der wichtigsten Instrumente im Kampf gegen das Coronavirus. Es wäre das völlig falsche Signal, diese Pflicht jetzt schon wieder aufzuheben“, sagte Lauterbach der Düsseldorfer „Rheinischen Post“.

Maskenpflicht – Gehen wir lieber auf Nummer sicher

Er reagierte damit auf einen Vorstoß von Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU), der die Pflicht Anfang August abschaffen will und auch andere norddeutsche Bundesländer für den Schritt gewinnen will. „Wenn es keine Maskenpflicht im Handel mehr gibt, kontaminieren Infizierte auch die Ware, und Kunden wie Beschäftigte werden durch die Aerosole stark gefährdet“, warnte Lauterbach. „Schafft eine Landesregierung die Maskenpflicht ab, experimentiert sie mit der Gesundheit der Menschen und erhöht das Risiko für eine zweite Infektionswelle in Deutschland“, sagte der SPD-Gesundheitspolitiker. „Diese Lockerung wäre fahrlässig, nur um die Menschen im Urlaub bei Kauflaune zu halten.“

Natürlich gieren wir alle miteinander danach, dass das Leben wieder normal wird. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und sein Kabinett haben sogar eine Art Werbe-Jingle daraus gemacht: „die Rückkehr zur verantwortungsvollen Normalität“. Doch was nun in mehreren norddeutschen Bundesländern angedacht ist, hat mit verantwortlichem Handeln nichts zu tun. Allen voran Mecklenburg-Vorpommern möchte die Maskenpflicht im Einzelhandel abschaffen. Das mag zunächst verständlich sein, immerhin sind dort Stand Sonntag gerade einmal 804 Menschen an Covid-19 erkrankt. Doch allein die Vorfälle in Gütersloh zeigen, dass das Coronavirus noch lange nicht besiegt ist. Und gerade in diesen Tagen packen zahlreiche Menschen ihr Gepäck in den Kofferraum und die Dachbox, um Urlaub zu machen – in diesem Ausnahmejahr besonders gern an Nord- und Ostsee. Die Ferienzeit birgt das größte Risiko, dass sich das Virus wieder in Deutschland ausbreiten könnte.

Und ist es am Ende zu viel verlangt, dass man beim Betreten des Supermarkts oder im Bus für ein paar Minuten eine Maske trägt, ein bisschen schlechter atmen kann, an der Käsetheke etwas lauter und deutlicher die Bestellung aufgeben muss, dafür aber womöglich verhindert, dass die Personen im näheren Umfeld demnächst statt einer Schutz- eine Beatmungsmaske tragen müssen? Das Tragen einer Maske ist ein Zeichen gegenseitiger der Rücksichtnahme. Mit den Alltagsmasken schützen wir andere davor, sich eventuell bei uns anzustecken. Das große Jammern über die Tragepflicht ist unerträglich. Politiker, die nun vorschnell an der falschen Stelle lockern, handeln verantwortungslos. Gut, dass die NRW-Landesregierung, die ja geradezu als Lockerungsweltmeister gilt, dabei nicht mitmacht.¹

Sollte die Tragepflicht voreilig abgeschafft und eine neue Verschärfung der Regeln nötig werden, könnten die Auswirkungen gerade für den Handel viel schlimmer sein als bei einer sicherheitshalber längeren Maskenpflicht. Zurückhaltung ist angesagt. Die meisten Bürger haben sich an die Masken gewöhnt, viele nehmen es jedoch mit dem Abstand nicht mehr so genau, seit sie sie tragen. Auch das gilt es zu berücksichtigen. Sollte die Politik die Maskenpflicht aufheben, muss jeder selbst entscheiden, ob er nicht besser auf Nummer sicher geht und sich und andere mit einer Maske weiter schützt.²

¹Maximilian Plück – Rheinische Post ²Straubinger Tagblatt

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