Bundesdeutsche Zeitung

Corona-Mutationen

Die Politik steht unter Druck: Ansteckendere Virus-Mutationen machen den Kampf gegen Corona noch schwieriger.

Grenzkontrollen zu Österreich und Tschechien sollen mehr Zeit verschaffen. Doch noch immer gibt es zu wenig Impfstoffe. Mehr sollen bald kommen, heißt es, auch Schnelltests könnten für Verbesserungen sorgen. Allerdings werden die Menschen im Dauerlockdown ungeduldig. Das Vertrauen gegenüber der Regierung lässt nach.

Wie können die Virus-Mutationen eingedämmt werden? Welche Qualitätsunterschiede gibt es bei den Impfstoffen? Wie schlägt sich die Regierung im Kampf gegen das Corona-Virus?¹

Wenn es stimmt, dass sich der Anteil der britischen Corona-Variante am Infektionsgeschehen in Deutschland jede Woche verdoppelt, dann wird er in 14 Tagen bei 88 Prozent liegen.

Und wenn es stimmt, dass die britische Mutation deutlich ansteckender ist als die aktuell noch dominierende Virus-Variante, dann ist zu befürchten, dass der positive Trend bei den Neuansteckungen bald zum Erliegen kommt und die Inzidenz wieder steigt. Genau dieses Szenario hatten jene im Blick, die bei der jüngsten Bund-Länder-Runde vor zu großen Verheißungen gewarnt haben – allen voran die Bundeskanzlerin. Wieder einmal dürfte Angela Merkel in der Sache richtig gelegen haben, da hilft kein Klagen und Greinen.

Für Epidemiologen und Virologen sind die jetzt präsentierten Zahlen keine Überraschung, für alle anderen sind sie ein Tiefschlag. Es will einfach nicht Frühling werden in diesem Corona-Winter; es scheint, wir säßen in der Mutationsfalle. Das Virus schlägt einen Haken und macht so alle durch Verzicht mühsam errungenen Erfolge zunichte. So fühlt es sich jedenfalls an, allerdings ist das nur die halbe Wahrheit.

Ohne die Entbehrungen der vergangenen Monate stünde unser Gesundheitssystem spätestens jetzt vor dem Kollaps. Das verhindert zu haben, ist eine Leistung. Dennoch benötigen wir alle dringend eine Perspektive. Der Weg dorthin führt über zweierlei: impfen und testen, was das Zeug hält. Wer geimpft ist, kann dem Virus nicht mehr zum Opfer fallen und wird es im günstigsten Fall auch nicht mehr übertragen. Und jeder negativ ausgefallene Test schenkt uns ein bisschen von der Freiheit, die wir so dringend für die Rückkehr zur Normalität brauchen.²

Jörg Weimann (Bund der Anästhesisten) warnt vor zu schnellen Lockerungen

In Berlin hat sich die Lage auf den Intensivstationen der Krankenhäuser etwas entspannt.

Das hat der Landesvorsitzende des Bundes der Anästhesisten, Jörg Weimann, am Montag im inforadio vom rbb gesagt. Zu Spitzenzeiten seien „so ungefähr 450 Patienten auf den Intensivstationen behandelt“ worden; jetzt seien es „unter 300“.

Die Corona-Maßnahmen hätten Wirkung gezeigt und seien auch weiter sinnvoll, so Weimann weiter. Er warnte eindringlich vor zu schnellen Lockerungen. Die Verbreitung der Corona-Mutationen hierzulande bereite ihm Sorgen:

„Wenn sich das doch erheblich ausbreitet – Stichwort England, Stichwort Portugal, Irland -, dann geht das alles wieder von vorne los. Und dann kann das eine ganz neue Dimension annehmen, mit der dann erneut das Gesundheitswesen erheblich in Bedrängnis kommen könnte.“³

¹phoenix-Kommunikation ²Jens Kleindienst – Allgemeine Zeitung Mainz ³Rundfunk Berlin-Brandenburg

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