Erdogan – großer Mann ganz klein

Erdogans Nazivergleich

Klar, aber nicht beleidigend, so hat Bundeskanzlerin Angela Merkel namens der Bundesregierung auf die Ausfälle des türkischen Präsidenten Erdogan reagiert. Das Konzept der antiautoritären Erziehung gilt zu Recht als gescheitert. Kindern, die ihre Grenzen austesten, werden klare Grenzen gesetzt. Nicht anders sollte die Bundesregierung mit dem türkischen Präsidenten Erdogan verfahren.

Veröffentlicht am Dienstag, 07.03.2017, 9:26 von Domenikus Gadermann

Deutsch-türkische Beziehungen am Tiefpunkt?

„Infam“, „abstrus“, „inakzeptabel“ – das sind die Reaktionen in Deutschland auf die neuesten verbalen Attacken aus Ankara. Dort schäumt man, weil deutsche Kommunen türkischen Regierungsmitgliedern kein Podium für Wahlkampf-Auftritte bieten wollen. Unterdessen vergleicht der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die Absagen mit Nazimethoden. Deutschland ist mittlerweile mittendrin im Wahlkampf um das türkische Verfassungsreferendum – und in einer Diskussion um die Redefreiheit in unserem Land. Gilt die freie Rede auch für jene, die sie abschaffen wollen? Muss eine Demokratie auch öffentliche Auftritte von Autokraten aushalten? Oder messen wir mit zweierlei Maß? phoenix-Kommunikation

Das Konzept der antiautoritären Erziehung gilt zu Recht als gescheitert. Kindern, die ihre Grenzen austesten, werden klare Grenzen gesetzt. Nicht anders sollte die Bundesregierung mit dem türkischen Präsidenten Erdogan verfahren.

Seine maßlosen Beleidigungen würdigen nur einen herab: ihn selbst. Den sich so selbstverzwergenden Erdogan nun auf sein Zimmer zu schicken und ihm das fette Taschengeld zu streichen – sprich: die nicht unerheblichen EU-Gelder für einen weit in die Ferne gerückten EU-Beitritt – ist dringend geboten. Die Bundesregierung sollte alles daran setzen, dass sich ihr gestriger überfälliger Hinweis, die EU müsse die Fördergelder „prüfen“, am Ende nicht als leere Drohung entpuppt. Denn nichts wirkt in der Erziehung schwer Erziehbarer so kontraproduktiv wie leere Drohungen. Am Ende tanzen einem die Kinder vollends auf der Nase herum.

Respekt erfordert Gegen-Respekt; wer frei reden möchte, muss auch Andersdenkenden die freie Rede ermöglichen. „Was Du nicht willst, das man dir tu …“ Erst, wenn der kleine Wüterich Erdogan diese goldene Regel befolgt, sollte er sich wieder an den Tisch der erwachsenen Staatsmänner und -frauen setzen dürfen. Westdeutsche Allgemeine Zeitung

Die richtige Antwort zu Erdogans Nazi-Vergleichen

Klar, aber nicht beleidigend, so hat Bundeskanzlerin Angela Merkel namens der Bundesregierung auf die Ausfälle des türkischen Präsidenten Erdogan reagiert. Es wäre völlig falsch, mit einem, der den politischen Anstand und das Recht schon lange mit Füßen tritt, in einen Wettlauf der gegenseitigen Beleidigungen zu treten. Oder auch in einen Wettlauf der Verbote. Es blamiert sich der, der gegen Regeln verstößt. Nicht der, der sie einhält. Auch, wenn es schwer verdaulich ist: Man wird es in Deutschland hinnehmen müssen, dass Erdogan selbst oder seine Vasallen hier auf Kundgebungen reden. Jedenfalls solange die Gesetze und Sicherheitsbestimmungen eingehalten werden. Es gilt das Recht auf Versammlungsfreiheit, es gilt die Meinungsfreiheit. Der Reflex Auge um Auge kann nicht der einer entwickelten Demokratie sein.

Was die Parteien in Deutschland nun aber trotz des aufkommenden Wahlkampfes dringend verfassen sollten, ist eine gemeinsame Erklärung, vielleicht sogar ein gemeinsamer Bundestagsbeschluss gegen Erdogans Absicht, eine Präsidialdiktatur zu errichten. In dem Text müsste stehen, dass so ein System mit Europa ebenso unvereinbar wäre wie die beabsichtigte Wiedereinführung der Todesstrafe. Eine solche Erklärung wäre zugleich eine Botschaft an alle Türken, besonders an die jungen: Erdogan stiehlt euch die europäische Perspektive eures Landes und damit eure Zukunft. Jedenfalls sofern es eine Zukunft in kultureller Offenheit und Wohlstand sein soll. Einmischung in innere Angelegenheiten der Türkei? Nun, damit können Leute, die gerade auf deutschem Boden ihre Propaganda verbreiten wollen, kaum argumentieren. Eher wäre so eine Resolution eine – sehr berechtigte – Einmischung in europäische Angelegenheiten, denn es ist für den gesamten Kontinent ein Thema, ob dieses wichtige Land in die Diktatur abrutscht oder nicht. Lausitzer Rundschau

SPD-Landtagsabgeordneter Serdar Yüksel fordert Einreiseverbot für Erdogan und türkische Minister

Der Bochumer SPD-Landtagsabgeordnete Serdar Yüksel fordert die Bundesregierung auf, ein Einreiseverbot für den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan sowie für Mitglieder seiner Regierung zu verhängen. „Es kann nicht sein, dass jemand in eine Demokratie kommt und Werbung für die Einführung einer Diktatur macht“, sagte Yüksel der in Essen erscheinenden Westdeutschen Allgemeinen Zeitung.

Den Vorwurf Erdogans, Deutschland wende „Nazi-Methoden“ an, wies Yüksel scharf als vollkommen absurd zurück. „Man muss Erdogan zeigen, dass sein Verhalten Konsequenzen hat.“ In der Türkei würden die deutsche Außenpolitik und Angela Merkel nicht ernst genommen, glaubt Yüksel. Statt diplomatischer Formulierungen müsse die Bundesregierung eine klare Haltung gegenüber der türkischen Regierung einnehmen.

Yüksel fordert die Türken in Deutschland auf, die deutsche Staatsangehörigkeit anzustreben und zum eigenen Schutz auf die doppelte Staatsbürgerschaft zu verzichten. Der Sozialdemokrat appelliert an die türkische Gemeinde, bei dem Referendum am 16. April nicht für die von Erdogan angestrebte Verfassungsreform zu stimmen. Man könne nicht die Vorzüge einer offenen Gesellschaft in Deutschland genießen „und dann für die Einführung einer Diktatur stimmen“, sagte Yüksel. Westdeutsche Allgemeine Zeitung

Merkel weist Erdogans Nazi-Vergleich scharf zurück

DasParlament

11 Meinungen bis jetzt. Fühlen Sie sich frei der Diskussion beizutreten.

  1. Anonymous Mittwoch, 8. März 2017, 2:40 um 2:40 - Reply

    Was hat die Bundeskanzlerin Angela Merkel denn am Rechten Mittelfinger? Kaut sie Nägel? Hat sie sich blutig gekaut?

  2. Anonymous Dienstag, 7. März 2017, 20:59 um 20:59 - Reply

    Wie viele Türken gibt es eigentlich in Deutschland,dass türkische Politiker Wahlkampf betreiben?

    • Anonymous Mittwoch, 8. März 2017, 2:35 um 2:35 - Reply

      Es kommt nicht nur auf die Zahl an, sondern auch auf ihr Potenzial.

  3. Anonymous Dienstag, 7. März 2017, 19:05 um 19:05 - Reply

    Durch seine Nazi – Vorwürfe hat Erdogan das deutsche Volk zutiefst beleidigt und herabgewürdigt.Das wird nicht unwidersprochen bleiben. Merkels Beschwichtigungspolitik ändert nichts und verbessert nichts. Merkels Beschwichtigung ist der Tod der Integration.
    Warum sollen Türken-Politiker hier nicht vor Türken reden?
    Wohlgemerkt, es sind Türken, die hier nur aus wirtschaftlichen Gründen leben und als Nicht-EU-Bürger dazu kein Recht haben.Auch der Doppelpaß hilft dem nicht ab. Er wird nur mißbraucht, um innertürkische Konflikte auf deutschem Boden austragen zu können. Genau das sollten wir uns nicht länger gefallen lassen. Andere Europäer tun es auch nicht. Entweder sind wir ein souveräner Staat oder wir sind türkische Besatzungszone.
    Laut Herrn Erdogan sind wir schon eine türkische Provinz.

    • Anonymous Dienstag, 7. März 2017, 20:42 um 20:42 - Reply

      Nun, deutsch- innervölkisch gibt es diese provokativen Beleidigungen = Beschuldigungen = Nazivergleiche ja schon länger. Mehr noch: Du bist ein Nazi, ihr seid alle Nazis, Netz gegen Nazis, das sind Nazis, Nazis keine Plattform bieten, ihr dürft hier nicht rein, ihr seid Nazis, Kampf gegen Nazis, woran man einen Nazi erkennt, jeder fünfte Nazi ist eine Frau,…. Und es wurde vermischt:
      Nazi = Rechtextemist = Rechtspopulist = Rassist = Antisemitist = Islamophobist = Homophobist = Nazi = AfD

    • Anonymous Dienstag, 7. März 2017, 20:45 um 20:45 - Reply

      Und wer ist jetzt das deutsche Volk? Da ist man sich ja nicht ganz einig.

      • Anonymous Mittwoch, 8. März 2017, 1:59 um 1:59 - Reply

        Gehören denn von Deutschen als Nazis bezichtigte Deutsche auch zum deutschen Volk, oder brauchen die zuerst einen Integrationskurs oder eine Rehabilitierung, nachdem sie eine Haftstrafe als Gedankenverbrecher abgeleistet haben?

      • Anonymous Mittwoch, 8. März 2017, 3:01 um 3:01 - Reply

        Was sagt den die Integrationsministerin dazu?

    • Anonymous Dienstag, 7. März 2017, 20:52 um 20:52 - Reply

      Warum türkische Politiker in Deutschland nicht vor Türken reden sollen? Zum Beispiel weil man manche deutsche Politiker hier in Deutschland nicht vor Deutschen reden lassen will. Wieso dann türkische Gastspiele, die, was die Pro Erdogan Demo zeigte zu Lasten deutscher Steuerzahler geht.

      • Anonymous Mittwoch, 8. März 2017, 2:02 um 2:02 - Reply

        Und zu zusätzlicher Überlastung von Polizisten führt?

  4. Anonymous Dienstag, 7. März 2017, 10:01 um 10:01 - Reply

    Erdogan hat mit seinem Vorwürfen von Wegen Nazimethoden vielleicht etwas verwechselt oder durcheinandergebracht und gedacht die AfD verbietet das.

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