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Wohnungswirtschaft legt Sechs-Punkte-Strategie für eine zukunftsfähige Unterbringung von Flüchtlingen vor

“Wir brauchen in Deutschland dringend eine Gesamtstrategie des Bundes für eine geregelte Aufnahme und eine rasche, solide Unterbringung und Integration von Flüchtlingen”, so der Appell von Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW, angesichts des unvermindert anhaltenden Zustroms von Menschen, die vor Krieg und Not in die Bundesrepublik flüchten. Nachbarschaften dürften nicht durch ungeordnete Zuwanderung überfordert und eine erfolgreiche Integration nicht durch eine Wiederholung von Fehlern aus der Vergangenheit aufs Spiel gesetzt werden. “Deutschland muss seine humanitäre Verantwortung wahrnehmen, aber auch die demografische Chance der Zuwanderung erkennen”, so der GdW-Chef.

Die Wohnungswirtschaft leistet bereits einen starken Beitrag zur Unterbringung von Flüchtlingen, wie eine aktuelle Umfrage des GdW unter seinen Wohnungsunternehmen zeigt. Rund zwei Drittel der befragten GdW-Unternehmen setzen bereits Wohnungen zu diesem Zweck ein. Ihr Hauptmotiv: Soziale Verantwortung, wie 92,5 Prozent der Wohnungsunternehmen bestätigen. Dabei würden sich die Unternehmen aber noch viel stärker engagieren, wenn die politischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen das zulassen würden. Bund, Länder und Kommunen müssen dazu ihr finanzielles Engagement bei der sozialen Betreuung und integrativen Maßnahmen, insbesondere in den Bereichen Gesundheit und Bildung, deutlich verstärken, fordern zwei Drittel der Wohnungsunternehmen. Unter verbesserten Voraussetzungen würde sich immerhin mehr als ein Drittel der GdW-Unternehmen in der Lage sehen, noch mehr Flüchtlinge aufzunehmen.

“Deutschland braucht Zuwanderung. Nur so haben wir eine Chance, den zunehmenden Fachkräftemangel zu bekämpfen und für gesamtwirtschaftliches Wachstum zu sorgen. Für diese nationale Aufgabe sind aber dringend mehr staatliche Investitionen in Wohnen, Integration und Bildung notwendig”, mahnte der GdW-Präsident. Die Wohnungswirtschaft legt hierfür eine umfassende Strategie vor und fordert Bund, Länder und Kommunen zu einem koordinierten Handeln auf:

Sechs-Punkte-Strategie für Bund, Länder und Kommunen:

– Bund und Länder sollten insbesondere in Regionen mit angespannten Wohnungsmärkten Sonderprogramme zur Förderung des Neubaus von Wohnungen auflegen, die auch für Wohnungsunternehmen, nicht nur für Kommunen, nutzbar sind.

– Bauausführungsstandards sollten zugunsten einer raschen Erstunterbringung flexibler gestaltet und Vorgaben des Vergaberechts unter die Lupe genommen werden, um den Bau neuer Unterkünfte nicht unnötig zu verzögern.

– Auf Länderebene sollte die Verteilung der Flüchtlinge diskutiert und möglichst regionsbezogen, durch eine Steuerung in Abstimmung mit den Kommunen, ein gerechterer Ausgleich gefunden werden. Denn durch den aktuellen Verteilungsmechanismus müssen insbesondere Metropolen die meisten Asylsuchenden unterbringen. Diese weisen aber häufig bereits angespannte Wohnungsmärkte auf. Für einen reformierten Verteilungsschlüssel sprechen sich 50 Prozent der GdW-Unternehmen aus, weitere 35 Prozent sehen hier zumindest Diskussionsbedarf.

– Flüchtlinge sollten in den Kommunen dezentral untergebracht und bereits belastete Stadtviertel ausgenommen werden, um soziale Brennpunkte zu vermeiden und stabile Nachbarschaften zu erhalten. Das sehen auch mehr als zwei Drittel der befragten Wohnungsunternehmen so.

– In entspannten Wohnungsmärkten, beispielsweise Schrumpfungsregionen, müssten die Kommunen für eine schnelle Unterbringung zügig leer stehende Wohnungen, umnutzbare oder zum Abriss vorgesehene, intakte Gebäude zur Verfügung stellen. In Ballungsgebieten sind insbesondere eine vergünstigte kommunale Grundstücksvergabe sowie beschleunigte Baugenehmigungsverfahren notwendig.

– Die Kommunen müssen eine langfristige Betreuung und integrative Maßnahmen sicherstellen. Dazu sollten “Integrationslotsen” sowohl für die Flüchtlinge als auch für die Anwohner sowie eine ausreichende Anzahl entsprechend geschulter Sozialarbeiter eingesetzt werden. Die Flüchtlinge brauchen nicht nur Zugang zu medizinischer Versorgung, Kinderbetreuung und Schulen, sondern perspektivisch auch Beschäftigungsmöglichkeiten in ihrem Umfeld. Dazu sollte das Absolvieren von Sprach- und Alphabetisierungskursen, nach dem Beispiel der Niederlande, verpflichtend sein und allen Beteiligten Dolmetscher zur Seite stehen.

GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. www.gdw.de

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