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Rentenexperten: Ost-Renten-Angleichung ist in Wahrheit Rentenkürzung

Rentner im Job: Ein Gewinn für alle?

Die bis 2024 beschlossene Angleichung der Ost-Renten an West-Niveau ist eigentlich eine Rentenkürzung für künftige Ost-Rentner. Das erklärten Rentenexperten gegenüber der Düsseldorfer „Rheinischen Post“. „Sollte der Lohnabstand aufgrund der unterschiedlichen Wirtschaftsstrukturen bestehen bleiben oder sich sogar vergrößern, drohen künftige Ost-Rentner im Vergleich zu ihren westdeutschen Kollegen schlechtergestellt zu werden als unter den Bedingungen im Status quo“, sagte Jochen Pimpertz vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln.

„Denn für sie gilt bei der Ermittlung ihrer Rentenansprüche dann nicht mehr der Vergleichsmaßstab aller ostdeutschen Beitragszahler, sondern der aller Versicherten in Deutschland“, sagte Pimpertz. Dieser Nachteil der Ost-Renten-Angleichung werde aber bis heute „verdrängt“ und schon gar nicht im ostdeutschen Wahlkampf erwähnt, sagte auch der Düsseldorfer Rentenexperte Bert Rürup der Zeitung. Die Löhne in Ostdeutschland werden bisher mit dem sogenannten Umrechnungsfaktor für die Rentenberechnung aufgewertet. Damit soll kompensiert werden, dass die Durchschnittslöhne in Ostdeutschland auch 30 Jahre nach dem Mauerfall noch niedriger sind als in Westdeutschland. Im Zuge der beschlossenen Angleichung der Rentenwerte Ost an West wird diese Hochrechnung der Ost-Löhne jedoch schrittweise abgesenkt. Das kann für viele künftige Ost-Rentner ein merklicher Nachteil sein.¹

Arbeit als Rentner

70 Prozent der Frauen und 50 Prozent der Männer, die im Alter erwerbstätig sind, sagen in Umfragen, das auch des Geldes wegen zu tun. Das heißt aber nicht, dass sie alle sonst arm wären. Von denselben Leuten sagen 90 Prozent, sie hätten Spaß im Job, sie bräuchten Kontakt zu anderen Menschen und eine sinnvolle Aufgabe. Was also können Regierung und Betriebe tun, damit mehr gesunde Ältere arbeiten können, die das wollen? Wie macht man geschätzten Kollegen vor Renteneintritt ein attraktives Angebot? Es wäre verschwenderisch, jetzt, da die geburtenstarken Jahrgänge in die Jahre kommen, ältere Fachkräfte nicht so zu umwerben wie die jungen.²

In den ersten drei Jahren nach Rentenbeginn arbeitet fast jeder Dritte und verdient sich etwas hinzu. Ein Alarmsignal? Leiden so viele Ruheständler an Altersarmut? Nein, so weit kann man nicht gehen. Zum Glück. Auch wenn sich ein paar Euro mehr gewiss gut auf dem Konto machen – die blanke Not ist bei den meisten Unruheständlern nicht ausgebrochen, wenn sie ein paar Tage im Monat jobben. Vielmehr dürfte es etlichen rüstigen Rentnern darum gehen, soziale Kontakte zu pflegen und das Gefühl zu haben, noch für etwas gut zu sein.

Die Alternative »nichts tun« oder »Enten füttern« kommt für sie nicht in Frage. So ist die Rentnerarbeit häufig auch gut für die Seele. Natürlich gibt es auch die Kehrseite. Bei manchen reicht das Geld eben doch nicht aus, um über die Runden zu kommen. Dieser Trend kann sich in den nächsten Jahren verschärfen. Immer mehr Menschen verdienen in ihrem Berufsleben schlicht zu wenig und haben daher kaum Geld übrig, um privat vorzusorgen. Schnell gehören sie zu den Verlierern der Gesellschaft. Dann ist die Rentnerarbeit kein netter Job mehr, sondern bittere Notwendigkeit. So weit darf es nicht kommen.³

¹Rheinische Post ²Badische Zeitung ³Westfalen-Blatt

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