Opec beugt sich Politik der Mächtigen

Machtverlust trotz Einigung

Ein Ziel haben die Opec-Staaten schnell erreicht: Mit ihrer Ankündigung, die Fördermenge für das flüssige, schwarze Gold zu begrenzen, heizten sie den Markt an, und der Preis für Rohöl kletterte an den Börsen um gut zehn Prozent nach oben. Das war so erwartbar wie gewollt. Ob der Preisanstieg allerdings von Dauer ist, bleibt abzuwarten. Die Kurse haben sich nämlich eingependelt.

Veröffentlicht am Donnerstag, 08.12.2016, 14:43 von Magnus Hoffestett

Bislang handelt es sich um ein Vorhaben des Öl-Kartells – das im nächsten Jahr umgesetzt werden soll. Ob sich dann alle Opec-Mitglieder daran halten, ist mehr als ungewiss; die Interessen sind unterschiedlich. Der Iran etwa, gerade von Sanktionen befreit, hat einen riesigen Nachholbedarf; auch die Saudis und Venezuela brauchen jeden Cent aus dem Ölmarkt. Und Russland als Nicht-Opec-Mitglied, aber wichtiges Förderland, will und muss mit dem Rohstoff Geld verdienen, weil es an anderer Stelle unter dem Handelsembargo des Westens leidet. In den USA wird unter dem neuen Präsidenten Trump zudem erwartet, dass Umweltauflagen reihenweise kippen könnten und damit Fracking noch ungezügelter Anwendung finden könnte. Wenn also die Ölhähne geöffnet bleiben, wird das Preisniveau nicht halten – im Gegenteil. Dann war das Anheizen des Marktes nur ein kurzes Strohfeuer. Westfalenpost

Drosselung der Ölförderung der Opec

Die Opec sei immer noch die Opec, sagte der katarische Ölminister Mohammed Bin Saleh al-Sada auf einer Pressekonferenz des Kartells im Anschluss an die Einigung auf Förderkürzungen. Gefragt worden war er, ob die Organisation Macht und Einfluss eingebüßt habe. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als habe der Minister recht. Immerhin gelang es dem Kartell am Mittwoch vor einer Woche, einen Ölpreissprung von mehr als 8 Prozent auszulösen und die Brent-Notierung wieder über die Marke von 50 Dollar je Barrel zu hieven. Wenn man allerdings berücksichtigt, wie viel Mühe die Vereinbarung einer eher bescheidenen Kürzung um 4,5 Prozent gekostet hat, drängt sich der Verdacht auf, dass die Opec den Zenit ihrer Macht überschritten hat.

Das liegt unter anderem am Streit innerhalb des Kartells, der die Organisation schwächt. Saudi-Arabien und der Iran sind zu erbitterten Kontrahenten geworden, die im Jemen sogar einen Krieg führen, da die Iraner die dortigen Huthi-Rebellen unterstützen. Auch in Syrien stehen sich die beiden Länder gegenüber, indem der Iran Truppen bereitstellt und Saudi-Arabien IS-Terroristen finanziert. Gestern hat der Iran seine Positionen, keine Kürzungen zu akzeptieren, mit Härte durchgesetzt. Dass trotzdem eine Einigung erfolgte, war nur möglich, weil Saudi-Arabien – diesmal – nachgegeben hat und überproportionale Lasten übernimmt.

Dass das Land dafür durch einen nachhaltig steigenden Ölpreis entschädigt wird, ist indes nicht zu erwarten. Dies ist eine Folge davon, dass sich – um den Hauptgrund für den Opec-Machtverlust zu nennen – die Gewichte auf dem globalen Ölmarkt verschoben haben. Ausschlaggebend sind nun die amerikanischen Schieferölproduzenten. Ihre Entscheidungen, die Förderung zu kürzen oder hochzufahren, bestimmen letztlich über die Höhe des Ölpreises. Aktuell darf erwartet werden, dass im Fall einer Erholung des Ölpreises die US-Firmen den Hahn weiter aufdrehen. Das dürfte dann ab Januar – wenn auch der Opec-Beschluss greift – für einen Ausgleich der wegfallenden Mengen sorgen.

Sollten sich, was bei der Opec schon öfters vorgekommen ist, die Mitglieder nicht an das Kürzungsversprechen halten, wäre sogar mit steigenden Angebotsmengen zu rechnen. Das würde die Perspektive der Ausbildung eines neuen Gleichgewichts, die für 2017 erwartet wird, weiter in die Zukunft verschieben.

Für den Ölpreis bedeutet das alles, dass trotz Opec-Beschluss nicht mit einer ausgeprägten und nachhaltigen Erholung zu rechnen ist. Dieter Kuckelkorn – Börsen-Zeitung

Beachtlich ist an der Opec-Entscheidung vor allem eines: Erstmals seit Langem haben die politischen Erzfeinde Saudi-Arabien und Iran gemeinsam einen Beschluss gefasst. In Syrien führen die beiden Nationen einen blutigen Stellvertreterkrieg, auf der wirtschaftlichen Landkarte wollten die Saudis die Konkurrenz aus Teheran mit der Produktion schierer Masse hinwegspülen. Inzwischen herrscht Ebbe in den Kassen des Königreiches. Auf Dauer hilft dem Land nur ein hoher Ölpreis, daher ist nun Einlenken am Verhandlungstisch angesagt gewesen. Stuttgarter Zeitung

DasParlament

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  1. Anonymous Donnerstag, 8. Dezember 2016, 17:36 um 17:36 - Reply

    Jaja, die globale Marktwirtschaft.
    Ihr wisst alle gar nicht unseren besonderen Globus hier zu schätzen. Wir haben alles in Hülle und Fülle hier auf der kleinen Erde. Wir haben Elemente in hoher Zahl hier, die nicht mal in unserer gigantischen Sonne vorkommen. Es gibt kein schöneres, kein besseres Paradies im Kosmos, das für uns erreichbar wäre. Und ihr wollt einfach immer nur MEHR, und gaukelt uns was vor von „Gleichgewicht“ der Kräfte, der Mächte usw.
    Dass wir Wisky aus England (Shottland, Irland)importieren kann ich ja verstehen. Die haben ihn erfunden und müssen die besten Rezepte haben. -aber wieso importiert denn England Wisky aus Deutschland.
    Trinken die Engländer lieber deutsches Gefusel als ihre
    eigenen traditionellen edlen Tropfen?

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