Press "Enter" to skip to content

Mittelstand fordert von GroKo „klare Wachstumsstrategie“ gegen Abschwung

Ohoven: "Wir brauchen mehr Wagniskapital"

Die neue CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer stößt bei deutschen Top-Managern nach wie vor auf große Skepsis. Dies zeigt das jüngste „Capital / F.A.Z. Elite-Panel“ des Instituts für Demoskopie Allensbach (IfD), eine Umfrage unter mehr als 500 Führungskräften aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung, im Auftrag des Wirtschaftsmagazins ‚Capital‘ (Ausgabe 3/2019, EVT 21. Februar) und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.). Demnach finden es lediglich 37 Prozent der Wirtschafts-Elite gut, dass Kramp-Karrenbauer an die Spitze der CDU gewählt wurde. Unter den Top-Entscheidern in Politik (69 Prozent) und Verwaltung (62 Prozent) erhält sie dagegen deutlich mehr Zuspruch. Kramp-Karrenbauer wird zwar mehrheitlich zugetraut, die Union wieder zu stärken und eine stärkere Geschlossenheit der Partei zu erreichen, doch als Kanzlerin können sie sich nur knapp 47 Prozent der befragten Manager vorstellen. Eine knappe Mehrheit der Manager von 49 Prozent traut ihr das Amt allerdings nicht zu.

Konjunktur-Stimmung bricht dramatisch ein: Einen solchen Absturz hat es im Elite-Panel seit der Finanzkrise nicht gegeben. Gegenüber der letzten Umfrage im Frühsommer 2018 stieg der Anteil der Manager und Unternehmer, die einen Konjunkturabschwung in den kommenden sechs Monaten erwarten, von acht auf nun 50 Prozent. Dass es mit der deutschen Wirtschaft nach dem Dämpfer in 2018 bald wieder aufwärts gehen könnte, glauben nur noch 15 Prozent. Rund 44 Prozent der Konjunktur-Pessimisten gehen sogar von einer längeren Wachstumspause bis 2020 und später aus. Die gegenwärtigen und noch drohenden Handelskonflikte dabei verunsichern zusätzlich: 70 Prozent sind darüber sehr beunruhigt.

Sorgen über Brexit-Folgen wachsen: Neben dem Handelsstreit mit den USA beunruhigt zunehmend der britische EU-Austritt die wichtigsten deutschen Manager und Unternehmer. So rechnen 46 Prozent der Spitzenmanager, Politiker und Verwaltungschefs damit, dass der EU-Austritt Großbritanniens „erhebliche Auswirkungen“ auf die deutsche Wirtschaft haben wird. Im Vergleich zu Ende 2016 ist das ein Anstieg um 37 Prozentpunkte.

Diesel-Motor gewinnt wieder an Zustimmung: Der in schwere Kritik geratene Diesel-Motor kann dagegen in der wichtigen Gruppe der Entscheider Unterstützung zurückgewinnen. So sagt inzwischen wieder eine klare Mehrheit von 57 Prozent der Befragten, der Diesel-Motor werde auch in zehn oder 20 Jahren noch eine wichtige Antriebstech-nologie darstellen. Im Jahr 2017 hatten diese Frage nur 46 Prozent bejaht.¹

Ohoven: „Die Regierung muss endlich handeln oder den Weg frei machen für eine andere Konstellation“

Der Mittelstand fordert von der Bundesregierung einen wirtschaftspolitischen Kurswechsel und „eine klare Wachstumsstrategie“ gegen den konjunkturellen Abschwung. In einem Namensbeitrag für die neue Ausgabe des Magazins FOCUS schreibt Mittelstandspräsident Mario Ohoven: „Wir stehen vor einem Kraftakt, vergleichbar mit dem der Agenda 2010. Wenn der Großen Koalition dafür der Mut oder der Wille fehlt, sollte sie den Weg frei machen für eine neue Konstellation.“ Für die GroKo gelte: „Antreten zum entschlossenen Handeln oder abtreten!“

Die Bundesregierung müsse „endlich aufwachen und das tun, was der Amtseid von ihr verlangt: Schaden vom deutschen Volk abzuwenden“. Es bleibe nur noch wenig Zeit, um mit einer klaren Wachstumsstrategie gegenzusteuern. Denn ein ungeregelter Brexit werde immer wahrscheinlicher, Chinas Wirtschaft breche ein und die globale Konjunktur werde sich weiter abkühlen. Ohoven: „Hausgemachte Ursachen kommen hinzu: Deutschland ist bei den Energiepreisen, Steuern und Sozialleistungen Spitze, bei Investitionen, Digitalisierung und Unternehmensneugründungen aber eher Schlusslicht.“

Der Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) weiter: „Kümmert es denn wirklich niemanden in Berlin, welche verheerenden Folgen Spitzenbelastungen bei Steuern und Energiepreisen für eine Volkswirtschaft im Abschwung haben? Bringt die Politik die Kraft für unpopuläre Maßnahmen erst auf, wenn Millionen Arbeitslose die sozialen Sicherungssysteme zu sprengen drohen, wie Anfang des Jahrtausends?“

Konkret fordert Ohoven: „Wir brauchen mehr Wagniskapital, damit Deutschland wieder Gründerland wird, mehr Fachkräfte, um das Wachstum des Mittelstands nicht zu drosseln, mehr Forschungsförderung und vor allem: Bei der Digitalisierung (Stichwort 5G-Mobilfunk-Standard) und der Künstlichen Intelligenz müssen wir endlich klotzen, nicht länger kleckern. Drei Milliarden Euro für die KI-Strategie der Regierung verteilt über mehrere Jahre sind ein Witz!“ So könne Deutschland seinen Wohlstand nicht sichern.²

¹Capital, G+J Wirtschaftsmedien ²BVMW Pressesprecher

Ihre Meinung ist wichtig!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

BZ Medienholding Ltd ©1998 - 2019