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BDI zu Exportzahlen: Handelskonflikt zwischen USA und China gefährdet Deutschland als drittgrößte Handelsnation besonders

Im Bann des Handelsstreits

Bemerkenswert ist der Satz von Trumps Handelsberater Navarro, weil er Chinas wachsende ökonomische Macht zurückführt auf die illegale Aneignung von US-Know-how und Technologie, die ohne Zweifel stattfindet. Er sagt: Weil China uns bestiehlt, ist es so erfolgreich, dieser Erfolg bedroht uns. Damit stellt die US-Regierung gleichzeitig klar: Es geht ihr nicht um Heilung des Rechtsbruchs, sondern um die Sicherung globaler Dominanz, die sie im Gewand eines juristischen Arguments – „Diebstahl“ – einklagt. Im Handelskrieg geht es nicht um Recht und Unrecht. Sondern um Macht und Ohnmacht. Mitteldeutsche Zeitung

Eine klassische „Börsenweisheit“ besagt, dass politische Börsen kurze Beine haben. Sie beschreibt das sehr häufig zu beobachtende Phänomen, dass irritierende politische Ereignisse durchaus heftige Kursreaktionen auslösen können, die aber in der Regel sehr schnell verfliegen, so dass die Marktteilnehmer recht schnell wieder zur Tagesordnung übergehen können. In der abgelaufenen Woche ist jedoch die Hoffnung, dass den vom US-Präsidenten Donald Trump angezettelten Handelskonflikt das gleiche Schicksal ereilen könnte, zunächst enttäuscht worden. Nachdem versöhnliche Signale im Streit zwischen den Vereinigten Staaten und China am Donnerstag zu einer kräftigen Erholung an den Aktienmärkten geführt hatten, folgte am Freitag die Ernüchterung, nachdem Trump angedroht hatte, das Volumen der Strafzölle auf chinesische Einfuhren von 50 Mrd. auf 150 Mrd. Dollar hochzuschrauben.

Seit Wochen befindet sich der Dax in einer Bodenbildungsphase, und sie kann erst dann abgeschlossen werden, wenn absehbar wird, dass es letztlich nicht zu einem für die Weltwirtschaft und insbesondere für die stark exportorientierte deutsche Wirtschaft verheerenden Handelskrieg kommen wird. Werden rein rationale Erwägungen zugrunde gelegt, spricht eigentlich alles dafür, dass es nicht dazu kommen wird, womit auch der Weg für eine positive Entwicklung frei würde.

Die Fakten zeigen eindeutig, dass gerade auch die USA kein Interesse daran haben können, den Streit mit China allzu stark eskalieren zu lassen. Das Bankhaus M.M. Warburg empfiehlt Trump einen volkswirtschaftlichen Nachhilfekurs und verweist auf einige lästige Fakten. Handelsbilanzen seien das Ergebnis vieler Einflussfaktoren. In den USA sei die Sparquote in Relation zu den Investitionen viel zu niedrig. „Wären die USA eine geschlossene Volkswirtschaft, gäbe es hier eine erhebliche Finanzierungslücke.“ Diese werde seit Jahren durch Kapitalimporte der USA geschlossen, die zu einem nicht unerheblichen Teil von China bereitgestellt würden.

Rein saldenmechanisch gingen mit den Kapitalimporten der USA jedoch immer auch Defizite in der Handelsbilanz einher. Hier liege das Problem: Durch die Verschuldungspolitik der US-Regierung seien die USA in den kommenden Jahren auf weiter steigende Kapitalimporte angewiesen, und diese Kapitalimporte würden mit weiter steigenden Handelsbilanzdefiziten einhergehen, obwohl Trump gerade diese bekämpfen wolle. „Vielleicht sollte sich der US-Präsident diese Zusammenhänge erklären lassen, bevor er den Handelskrieg noch weiter verschärft.“ China verfügt somit über einen langen Hebel, der sehr leicht einzusetzen wäre. Mit der Fed, die mittlerweile ihre Wertpapierbestände reduziert, ist ein großer Käufer vom Treasury-Markt verschwunden. China braucht sich in US-Staatsanleiheauktionen nur etwas zurückhaltender zu zeigen, um einen empfindlichen Renditeanstieg auszulösen.

Wahrscheinlich wissen das die Berater (die noch im Weißen Haus sind) und hoffentlich auch Trump. Möglicherweise haben daher diejenigen Recht, die Trump eine Art Pokerspiel unterstellen, in dem zunächst sehr ambitionierte Forderungen auf den Tisch geblättert werden, um dann in anschließenden Verhandlungen möglichst viel herauszuholen.

Aus Sicht der Aktienmärkte droht der Konflikt jedoch ein Problem zu werden, das zumindest nicht so schnell verschwinden wird. So tut man Trump wahrscheinlich Unrecht, wenn man ihm ein allzu hohes Maß an Rationalität und Interesse an Fakten unterstellt, von diplomatischer Rücksichtnahme ganz zu schweigen. Der US-Präsident bleibt unberechenbar und könnte in nächster Zeit durchaus noch die eine oder andere Börsenschwäche herbeitwittern.

Nicht zuletzt muss er seinen alles andere als berauschenden Track Record aufpolieren bzw. irgendwelche Erfolge produzieren. Im November finden die Zwischenwahlen statt, und angesichts der tief im Keller verharrenden Popularitätswerte des Präsidenten droht seiner Partei im November der Verlust der Mehrheit im Repräsentantenhaus, was Trumps Gestaltungsmöglichkeiten für die Zeit bis zur nächsten Präsidentschaftswahl arg beschneiden würde. Chinas starker Mann, Präsident Xi Jinping, wiederum wird kaum ein Interesse daran haben, klein beizugeben und dadurch Schwäche zu zeigen. Im besten Fall kann daher auf langwierige und komplizierte Verhandlungen gehofft werden, was nichts anderes bedeutet, als dass das lästige Thema dem Aktienmarkt wohl noch eine Zeit lang erhalten bleiben wird. Christopher Kalbhenn – Börsen-Zeitung

Zu den Exportzahlen äußert sich BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang: „Handelskonflikt zwischen USA und China gefährdet Deutschland als drittgrößte Handelsnation besonders“

„Die neuen Exportzahlen zeigen, dass die deutsche Industrie international nach wie vor gut aufgestellt ist. Die Politik darf sich von den Zahlen nicht blenden lassen. Der Handelskonflikt zwischen den USA und China gefährdet Deutschland als drittgrößte Handelsnation ganz besonders.

China muss sich viel stärker mit den Vorwürfen seiner Handelspartner auseinandersetzen und Fehlentwicklungen entschieden korrigieren. Statt Abschottung und staatlichen Zwangs muss sich China endlich öffnen und Wettbewerbsgleichheit herstellen. Absichtsbekundungen sind nur dann überzeugend, wenn ihnen konkrete Maßnahmen auf dem Fuße folgen. Der Diebstahl geistigen Eigentums, mit dem die USA die zusätzlichen Zölle auf chinesische Waren begründen, betrifft nicht nur die USA, sondern auch andere Handelspartner wie Deutschland und die EU.

Schotten die USA und China sich weiter gegeneinander ab, droht eine weltweite Protektionsmusspirale. Diese würde die Weltkonjunktur als Ganzes empfindlich abschwächen. Die USA und China müssen ihre Handelskonflikte nicht gegen, sondern gemeinsam mit der Welthandelsorganisation WTO lösen.

Der BDI fordert von der Bundesregierung und der EU multilaterale Fortschritte im Rahmen der WTO und eine Stärkung der globalen Handelsordnung. Dazu zählt ein entschiedener Einsatz für den Abschluss weiterer Handelsabkommen, etwa mit Japan, dem Mercosur oder Indien.

In Deutschland hängt jeder vierte Arbeitsplatz am Export, in der Industrie ist es sogar mehr als jeder zweite. Im vorigen Jahr gingen rund neun Prozent der deutschen Warenausfuhr in die USA und etwa sieben Prozent nach China.

China und die USA haben als die beiden größten Handelsnationen der Welt eine besondere Verantwortung für die Weltwirtschaft.

Sie stehen für rund 22 Prozent der weltweiten Warenexporte und fast 24 Prozent der Warenimporte.“ BDI Bundesverband der Dt. Industrie

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