Kims Atompoker – China ist in der Pflicht

Neue Stufe der Eskalation

Der Atomstreit zwischen Nordkorea und den USA hat mit der Detonation einer vermeintlichen Wasserstoffbombe seitens der nordkoreanischen Regierung einen neuen Höhepunkt erreicht. Die Weltgemeinschaft zeigt sich alarmiert. Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe und US-Präsident Donald Trump setzen auf eine enge Zusammenarbeit, um der wachsenden Bedrohung entgegenzuwirken. Auch die russische und chinesische Regierung sind besorgt über eine mögliche Eskalation und werten den jüngsten Atomtest Nordkoreas als gefährliche Provokation. phoenix-Kommunikation

Veröffentlicht am Mittwoch, 06.09.2017, 9:59 von Gudrun Wittholz

Kleine Länder oder Gruppen können bisweilen die ganze Welt in Atem halten. Das gelang den Attentätern vom 11. September, das schafft noch immer der Islamische Staat mit seinen Terrorbanden, und Nordkorea ist derzeit die größte Bedrohung für den Weltfrieden. Der gewissenlose kommunistische Diktator Kim Jong-Un vermittelt den Eindruck, dass er sein eigenes Volk opfern würde, um an der Macht zu bleiben. Und angesichts der desolaten Wirtschaftslage sind die Atomtests, mit denen der Jüngste des Kim-Clans Stärke demonstriert, die letzte Chance des Diktators, um von der Misere im eigenen Land abzulenken. Aufgehen kann die Strategie nicht. Denn nach dem Test einer Wasserstoffbombe, die 1000 Mal stärker als eine Hiroshima-Bombe ist, muss die Weltgemeinschaft reagieren. Besonnen, aber konsequent. In der Pflicht ist vor allem China, das alle diplomatischen und geheimdienstlichen Fähigkeiten mobilisieren muss, um einen Regimewechsel zu schaffen. Es ist die erste globale Herausforderung für die neue Führungsmacht. Ein Versagen hätte fatale Folgen. Martin Kessler – Rheinische Post

Nordkorea testet eine Wasserstoffbombe

Angst und Bange dürfte auch dem größten Optimisten beim Blick auf die Nordkoreakrise werden. Der Konflikt spitzt sich zu: Pjöngjang provoziert mit dem Test einer Wasserstoffbombe – eine neue Stufe der Eskalation. Es gibt verschiedene Gründe, weshalb diese Krise nicht zu unterschätzen ist.

Erstens: Bestimmt wird der Konflikt von zwei selbstverliebten, unberechenbaren Hitzköpfen. Ausgerechnet Donald Trump und Kim Jong Un stehen an den Hebeln der Macht – und entscheiden über Raketenabschüsse. Dafür benötigen sie von niemandem grünes Licht. Wie kann das eigentlich sein? Beide stellen auf ihre Weise eine Gefahr dar: Trump ist innenpolitisch unter Druck, etwa wegen nicht eingelöster Wahlkampfversprechen. Sein „Muslim-Bann“ scheiterte, die Mauer nach Mexiko ist zu teuer, „Obamacare“ gibt es noch immer und bei den Ausschreitungen zwischen Rechten und Linken in Charlottesville sorgten seine verbalen Reaktionen für Entsetzen. Kurzum: Ein ohnehin undurchschaubarer Egozentriker ist durch ausbleibenden Erfolg in seinem Selbstwertgefühl gekränkt. Nutzt er die Sticheleien aus Pjöngjang, um sich wenigstens auf der Weltbühne als starker Anführer aufzuplustern?

Zweitens: Internationale Sanktionen lassen Kim Jong Un kalt. Was beim Iran-Deal als eine der entscheidenden Weichenstellungen galt, wird in Nordkorea nicht helfen. Kim kann viel riskieren, er hat wenig zu verlieren, Sanktionen treffen die Bevölkerung, nicht aber das Regime. Über 100.000 Nordkoreaner sollen nach UN-Angaben in Haftlagern sitzen; es droht eine Hungerkatastrophe. Was interessieren ihn da neue westliche Sanktionen?

Drittens: Als wichtigster Verhandlungspartner gilt China. Das aber teilt eine 1.400 Kilometer lange Grenze zu Nordkorea. Im Falle einer Eskalation würden tausende Nordkoreaner ins Land fliehen. Zudem ist Nordkorea für China ein wichtiger Pufferstaat, ohne den das US-Militär direkt an der Landesgrenze stehen könnte. China allein wird das Problem nicht lösen.

Viertens: Russland hält sich als Vermittler bedeckt – und ist traditionell an einem schwachen Amerika interessiert.

Fünftens: Auch Japan fühlt sich nach der jüngsten nordkoreanischen Rakete über das Land provoziert, fällt als beruhigende Kraft also weg. Fazit: Die Welt muss weiter zittern und hoffen, dass alle Seiten die Nerven bewahren. Gefragt ist strategische Geduld. Ingo Kalischek – Neue Westfälische

Für einen radikalen Kurswechsel in der Korea-Politik

„Auf der koreanischen Halbinsel rasen zwei militärisch hochgerüstete Züge aufeinander zu, die, wenn sie nicht gestoppt werden, eine atomare Katastrophe auslösen können. Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un setzt weiter auf den Besitz von Nuklearwaffen. Der Test einer Wasserstoffbombe war ein weiterer bedrückender Schritt in diese Richtung. US-Präsident Donald Trump provoziert mit Kriegsdrohungen, und es muss unter allen Umständen verhindert werden, dass er diese wahr macht. Es gibt kein Recht auf den Besitz von Atomwaffen, es gibt aber auch keine Rechtfertigung dafür, anderen Staaten mit Vernichtung zu drohen“, erklärt Wolfgang Gehrcke, stellvertretender Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE. Gehrcke weiter:

„In der Korea-Politik ist ein radikaler Kurswechsel notwendig. Die Europäische Union und die USA müssen Kim Jong Un Vorschläge unterbreiten, bei deren Annahme er nicht das Gesicht verliert. Dazu könnten gehören: Einstellung der gemeinsamen Großmanöver der USA mit Südkorea, schrittweiser Abbau des von den USA in Südkorea installierten Raketenabwehrsystems, Aufhebung von Sanktionen gegenüber Nordkorea. Von Kim Jong Un muss im Gegenzug die sofortige Einstellung der atomaren Waffenversuche und der Raketenrüstung gefordert werden.

Leider setzt sich angesichts der Tatsache, dass die jetzigen Atommächte nicht zur Abrüstung bereit sind, bei einigen Staaten immer mehr die Anschauung durch, dass der Besitz von Atomwaffen Sicherheit bedeutet. Die NATO-Interventionen in Libyen, der US-Krieg im Irak, der Einsatz von Großbomben durch die USA in Afghanistan und die Angriffe der NATO auf Jugoslawien haben den Irrglauben verbreitet, dass nur der Besitz von Atomwaffen Sicherheit vor Angriffen gewährleisten kann. Wir stehen heute nicht an der Schwelle zu einer atomwaffenfreien Welt,  sondern vor der Gefahr, dass immer mehr Staaten zur Atomrüstung greifen. Das gilt nicht nur für Nordkorea, sondern auch für Staaten im Nahen Osten und in Lateinamerika.

Die Bundesregierung muss in dieser Krise einen Beitrag leisten und deutlich machen, dass Sicherheit ohne Atomwaffen möglich und auch wirklich erreichbar ist. Deshalb muss jetzt – und nicht erst am Sankt-Nimmerleinstag – mit den USA um den Abzug der Atomwaffen aus Deutschland verhandelt werden.“ Partei Die Linke im Bundestag

3 Meinungen bis jetzt. Fühlen Sie sich frei der Diskussion beizutreten.

  1. Anonymous Donnerstag, 7. September 2017, 12:19 um 12:19 - Reply

    Wie wäre es denn mit einer einfachen rechtspopulistischen Lösung:
    Amy, go home
    make amerika great again
    but make it at home

  2. Anonymous Mittwoch, 6. September 2017, 16:31 um 16:31 - Reply

    Aha, China ist in der Pflicht,
    aber die USA empfinden Chinas und Russlands Entspannungs-Vorschlag als Beleidigung.

  3. G.K. Sulzberg Mittwoch, 6. September 2017, 12:17 um 12:17 - Reply

    Gauland und Weidel, zwei große Deutsche. Danke!

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