Willkommenskultur: Abgeflaute Freude

Ost und West driften auseinander

Eine ausgeprägte Willkommenskultur hat in Deutschland noch keine lange Tradition. Trotzdem hat sie sich als erstaunlich robust erwiesen, als in den vergangenen zwei Jahren rund 1,2 Millionen Flüchtlinge nach Deutschland kamen. Doch die Stimmung in der Bevölkerung verändert sich: Viele sehen eine Belastungsgrenze erreicht, Vorteile von Einwanderung geraten aus dem Blick.

Veröffentlicht am Sonntag, 09.04.2017, 13:21 von BZ-Redaktion

Die Bilder vom Münchner Hauptbahnhof im September 2015 haben nahezu das ganze Land verzückt. Kriegsflüchtlinge aus Syrien oder dem Irak wurden von Hilfsorganisationen und freiwilligen Helfern mit Essen, Süßigkeiten und Kuscheltieren empfangen. Das Wort von der „deutschen Willkommenskultur“ machte die Runde. Die einen, offenbar die große Mehrheit, waren stolz über ihr offenes Land. Es zeigte sich so ganz anders als andere EU-Staaten etwa in Ost-Europa, die die Flüchtlinge zum Teil brutal zum Weiterziehen zwangen. Die anderen, immer noch eine Minderheit, machten dagegen lautstark Front gegen die Aufnahme von Hunderttausenden. In der Flüchtlingsfrage, die sich seither gehörig zugespitzt hat, ist Deutschland ein geteiltes Land. Die einstige Willkommensfreude ist abgeflaut.

Passend zum Thema

Heute bestimmen Alltagsfragen von Integration, Deutschkursen, Wohnungen, Schule, Ausbildung, aber auch Abschiebung und Kriminalität das vielfältige Bild. Dass sich immer noch eine Mehrheit der Deutschen offen gegenüber Flüchtlingen zeigt, ist angesichts der Negativschlagzeilen der letzten Zeit – der Silvesternacht von Köln oder dem blutigen Terroranschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt – bemerkenswert. Es ist offenbar wichtig, dass das Thema nicht rosarot verklärt, aber auch nicht Schwarz-Weiß vereinfacht wird, hier die guten Deutschen, da die bösen Flüchtlinge. Alle Probleme gehören auf den Tisch. Vor allem in Ostdeutschland werden Flüchtlinge als Bedrohung angesehen. Und für Rechtspopulisten wirkte der Flüchtlingszustrom wie politisches Doping. Sie profitierten von Ressentiments bis zu offenem Hass gegen Neuankömmlinge. Dennoch dürfte das brisante Thema nicht wahlentscheidend sein. Reinhard Zweigler – Mittelbayerische Zeitung

Willkommenskultur besteht „Stresstest“, aber Skepsis gegenüber Migration wächst

Die Willkommenskultur in Deutschland hat ihren ersten großen „Stresstest“ bestanden, aber deutliche Kratzer abbekommen. Das zeigt eine Studie der Bertelsmann Stiftung auf Grundlage einer aktuellen Emnid-Umfrage. Deutschland präsentiert sich trotz der Rekordzuwanderung insbesondere von Flüchtlingen als offene und gereifte Einwanderungsgesellschaft. Allerdings geht die Bereitschaft zur weiteren Aufnahme von Flüchtlingen deutlich zurück. Insbesondere die Menschen in den ostdeutschen Bundesländern begegnen Migranten zunehmend skeptisch.

Eine deutliche Mehrheit der Befragten ist der Ansicht, dass sowohl staatliche Stellen (77 Prozent) als auch die Bevölkerung vor Ort (70 Prozent), Einwanderer willkommen heißen, die in Deutschland arbeiten oder studieren wollen. Diese Werte klettern kontinuierlich seit 2012 im Vergleich zu ähnlichen Befragungen. Es verfestigt sich somit der Eindruck, Deutschland öffne sich immer stärker für qualifizierte Einwanderer. Gegenüber Flüchtlingen wird die Willkommenskultur sowohl in Behörden (73 Prozent) als auch in der Bevölkerung (59 Prozent) allerdings als weniger ausgeprägt wahrgenommen als gegenüber Einwanderern. Aber für zügige Arbeitserlaubnis (88 Prozent) und erfolgreiche Integration (77 Prozent) von Flüchtlingen spricht sich eine konstant große Mehrheit aus.

Ost und West driften auseinander

Auffällig ist der Ost-West-Vergleich. Schon in der vorhergehenden Umfrage zur Willkommenskultur vor zwei Jahren hatte sich gezeigt, dass in den ostdeutschen Bundesländern entgegen dem Bundestrend die Skepsis gegenüber Einwanderung zugenommen hatte. Dieses Auseinanderdriften hat sich verschärft. Während im Osten mit 53 Prozent (West: 74 Prozent) immerhin noch eine knappe Mehrheit sagt, die Bevölkerung heiße Einwanderer willkommen, geht in der Flüchtlingsfrage ein Riss durchs Land: Im Osten meinen nur noch 33 Prozent, die Bevölkerung nehme Flüchtlinge offen auf. Davon hingegen sind im Westen doppelt so viele Bürger (65 Prozent) überzeugt.

Bundesweit gedreht hat sich die Bereitschaft zur weiteren Aufnahme von Flüchtlingen. Eine knappe Mehrheit der Befragten (54 Prozent) sieht Deutschland an seiner Belastungsgrenze angekommen. Vor zwei Jahren teilten diese Auffassung nur 40 Prozent. Dafür steigt die Zustimmung (von 76 auf 81 Prozent) zu der bislang nicht umgesetzten EU-Regelung, dass jedes Land, abhängig von Größe und Wirtschaftskraft, eine feste Anzahl an Flüchtlingen aufnehmen muss. „Die Menschen in Deutschland blicken selbstbewusst darauf zurück, so viele Flüchtlinge so freundlich empfangen zu haben. Sie sagen aber auch: Jetzt sind andere Länder ebenfalls an der Reihe“, sagt Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung.

Flüchtlingsthema drängt Vorteile von Einwanderung in den Hintergrund

Die Dominanz des Flüchtlingsthemas färbt stark auf die generelle Wahrnehmung von Einwanderung ab. Zwar gilt laut Emnid-Umfrage das Anwerben qualifizierter Arbeitskräfte aus dem Ausland nach wie vor für jeden Dritten als wichtigstes Instrument, um den Fachkräftemangel zu bekämpfen. Jedoch schreiben die Deutschen der Zuwanderung längst nicht mehr so positive Effekte zu wie vor zwei Jahren. Mehreinnahmen bei der Rentenversicherung (34 Prozent), Ausgleich des Fachkräftemangels (41 Prozent), Bedeutung für Ansiedlung internationaler Firmen (56 Prozent) – überall gehen die Zustimmungswerte um mehr als zehn Prozentpunkte zurück. Ähnlich stark steigen hingegen die Zustimmungswerte zu negativen Auswirkungen wie Belastung für den Sozialstaat (79 Prozent), Konfliktpotenzial (72 Prozent), Probleme in den Schulen (68 Prozent) und Verschärfung der Wohnungsnot (65 Prozent).

Im Generationenvergleich zeigt sich, dass die unter 30-Jährigen die Auswirkungen von Einwanderung positiver und gelassener betrachten als die älteren Befragten. Sie sehen kulturelle Vielfalt weitaus häufiger als Bereicherung und sehen deutlich seltener die Belastungs-grenze in Deutschland für eine Aufnahme zusätzlicher Flüchtlinge erreicht.

„Die Stimmung in der Bevölkerung gegenüber weiterer Zuwanderung verändert sich“, sagt Dräger. Drei Maßnahmen seien jetzt wichtig. Erstens müsse die EU endlich für Fairness und Gerechtigkeit bei der Verteilung der Geflüchteten sorgen. Zweitens müsse das Vertrauen der Bevölkerung in das Asylmanagement von Bund und Ländern von der Registrierung über die zentrale Unterbringung und zügige Verfahren bis zur möglichen Anerkennung beziehungsweise Rückkehr gestärkt werden. Drittens müssten die Kommunen noch stärker bei der Integration der Bleibeberechtigten unterstützt werden, so Dräger. „Konkurrenzsituationen zwischen Einheimischen und Einwanderer sind zu vermeiden, zum Beispiel durch neue Investitionen in den sozialen Wohnungsbau.“

Zusatzinformationen

Für die Untersuchung „Willkommenskultur in Deutschland“ befragte im Januar das Meinungsforschungsinstitut Kantar Emnid im Auftrag der Bertelsmann Stiftung 2.014 Menschen ab 14 Jahren, die in Deutschland wohnen. Vorläuferstudien wurden von Emnid im August 2011, Oktober 2012 und Januar 2015 durchgeführt, so dass Entwicklungen von Einstellungen abgebildet werden können. Bertelsmann Stiftung 2017

7 Meinungen bis jetzt. Fühlen Sie sich frei der Diskussion beizutreten.

  1. Friese Freitag, 14. April 2017, 13:25 um 13:25 - Reply

    Liebe Foristen, unabhängig von den Themen hier möchte
    ich Ihre Aufmerksamkeit auf ein besonderes Vorkommnis
    in Emden/Ostfriesland richten: Ein Busfahrer hat einer
    Muslima mit Gesichtsverschleierung den Zugang zu seinem
    Bus verwehrt, u.a. weil er Angst um seine Fahrgäste hatte.
    An diesem Karfreitag denke ich an Jesus Christus und bete für den mutigen Busfahrer. Den einschlägigen Zeitungs-
    meldungen zufolge droht ihm eine nicht geringe Strafe.

    • Anonymous Montag, 17. April 2017, 10:24 um 10:24 - Reply

      Da hat man dann mal wieder jemand, an dem man ein Exempel statuieren kann.
      Die Frau, falls sie eine war, soll vollverschleiert gewesen sein. Und vor der Kamera hat nicht sie, sondern ihr Ehemann gesprochen.
      Wenn dem Busfahrer eine Strafe droht kann ihr Ehemann ja als Nebenkläger auftreten, weil man seinen Besitz nicht vollverschleiert in den Bus lassen wollte.
      Wenn Kinder nicht mitfahren gelassen werden, trotz vorhandener Monatskarte, weil der aktuelle Stempel auf dem Schülerausweis fehlt, passiert gar nichts. Und ich meine hier nicht wie die unbegleiteten minderjahrigen Flüchtlinge.

  2. Anonymous Montag, 10. April 2017, 18:26 um 18:26 - Reply

    Zana Ramadani, 33, wurde in Skopje, Mazedonien, geboren und kam als Siebenjährige mit ihrer Familie nach Deutschland. Sie studierte Recht, Soziologie und Politikwissenschaft und war Mitglied bei Femen; heute politisiert sie für die CDU. Seit 2009 hat sie die deutsche Staatsbürgerschaft, und nur diese, denn ihrer Meinung nach ist ein klares Bekenntnis von ­Migranten zur neuen Heimat unabdingbar. Ihr Anfang März veröffentlichtes Buch „Die verschleierte Gefahr – Die Macht der muslimischen Mütter und der Toleranzwahn der Deutschen“ ist ein leidenschaftliches Plädoyer gegen falsch verstandene ­Toleranz dem konservativen Islam gegenüber.

    Sie legen sich in Ihrem Buch mit allen an: mit der Politik, vor allem der linken, mit den Feministinnen, dem Feuilleton, dem konservativen Islam, den muslimischen Machos und deren Müttern. Brauchen Sie Polizeischutz?

    Zana Ramadani: Der ist schwerer zu bekommen, als man denkt. Ich habe unzählige Anzeigen eingereicht, aber weil die Drohungen, vor allem auf Social Media, fast immer anonym sind, kann die Polizei nicht viel machen. Ich habe deshalb letztes Jahr einen Waffenschein beantragt.

    Wer reagiert am heftigsten?

    Die Gender-Feministinnen. Sie sprechen mir meine Bildung ab, nennen mich einen Einzelfall und relativieren. Von den konserva­tiven Muslimen hingegen kommt keine Kritik, die drohen nur.

    Wie sehen die Drohungen aus?

    Ach, da ist alles darunter. Sie nennen mich Hure, drohen mit Vergewaltigung, Mord und seitdem ich schwanger bin, damit, mir das Kind aus dem Leib zu treten.

    Haben Sie Angst?

    Es wäre absurd, wenn ich Nein sagen würde. Es belastet mich, ja, aber ich versuche, mich davon nicht vereinnahmen zu lassen.

    Ist es besonders schlimm, dass Sie als Muslimin den Islam kritisieren?

    Wäre ich Deutsche, würde man mich eine Nazi-Schlampe und eine Rassistin nennen, dieser Vorwurf kommt ja immer. Dass ich Muslima bin, macht es schwieriger und daher schlimmer. Dass ich als Frau Kritik äußere, ist das Allerschlimmste. Und so nennt man mich halt einfach gestört und traumatisiert. Aber man fürchtet mich auch mehr, weil ich sehr genau weiß, wovon ich rede. Meine Gegner vermeiden es wenn immer möglich, mir in einer Talkshow gegenüberzusitzen…

  3. Steinhammer Montag, 10. April 2017, 11:03 um 11:03 - Reply

    Die Industrie und die Großkirchen verdienen Unsummen
    mit Flüchtlingen. Wir kleinen Leute kommen durch die
    „Gäste“ immer mehr in Gefahr. Es mehren sich m.E. die
    Zeichen, dass Migranten zunehmend das Kommando
    in unserem Land übernehmen. Die Migranten werden zum
    Kopf und wir, die Deutschen, zum Schwanz (s. Bibel).

  4. Anonymous Sonntag, 9. April 2017, 17:58 um 17:58 - Reply

    Das Fass ist längst übergelaufen.:😩

  5. Anonymous Sonntag, 9. April 2017, 15:36 um 15:36 - Reply

    Der grösste Teil dieser Refugees ist weder nett noch anpassungs oder leistungsbereit!
    Ich weiß wovon ich spreche, ich wohne im Zentrum des Ruhrgebietes und vor meiner Haustür gibt es kaum noch Deutsche.
    Das sind sozialleistungsbeziehende Parallelgesellschaften die Deutschland kaputt machen.

  6. Ray Sonntag, 9. April 2017, 14:06 um 14:06 - Reply

    Jede durch diesen Asylwahnsinn importierte Straftat ist zuviel, das lässt sich auch statistisch nicht schön reden!

    Die Vergewaltigung einer Camperin in der Bonner Siegaue vor rund einer Woche ist nach Angaben der Polizei aufgeklärt. Kriminaltechnische DNA-Untersuchen ergaben bei dem festgenommenen Tatverdächtigen zahlreiche Übereinstimmungen, wie die Polizei am Sonntag in Bonn mitteilte. Der 31-Jährige sollte noch am selben Tag dem Haftrichter vorgeführt werden.

    Der mutmaßliche Täter, ein Flüchtling aus Ghana, hatte in der Nacht zum 2. April ein zeltendes Paar aus Stuttgart überfallen. Er bedrohte die beiden mit einer Astsäge und verging sich an der 23-jährigen Frau in Anwesenheit ihres Freundes. Zunächst war von einer Bedrohung mit einem Messer oder einer Art Machete die Rede gewesen, bereits am Donnerstag hatte die Polizei allerdings die Astsäge als mutmaßliche Tatwaffe sichergestellt.

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