Der Schulz-„Defekt“: Warum die SPD in Schleswig-Holstein verlor

Schulz unter Wasser

Kaum hat die SPD ihren „Heiland“ Martin Schulz zum Kanzlerkandidaten ausgerufen, verliert die Partei die Landtagswahlen im Saarland und jetzt in Schleswig-Holstein. Eine komm.passion-Analyse der Schulz-Anhänger auf Facebook zeigt, warum: Seine Fanbase ist zu klein.

Veröffentlicht am Montag, 08.05.2017, 15:14 von Magnus Hoffestett

Schulz weiß seine Fans im liberal-intellektuellen Lager und im Arbeitermilieu hinter sich. „Das Problem ist: Es handelt sich um Randgruppen der Bevölkerung, um das Brötchen beim Burger: Lediglich 9,4 Prozent sind liberal-intellektuell, nur 3,9 Prozent gehören zur klassischen Arbeiterschaft – Tendenz sinkend“, sagt Kommunikationsexperte Prof. Dr. Alexander Güttler, Initiator der Studie der Pragmatic Analytic Services (PAS), einer gemeinsamen Initiative der Unternehmensberatung und Kommunikationsberatung komm.passion und Data.Science.Consulting.

PAS hat die Fanbase von Martin Schulz auf Facebook untersucht. Schulz-Anhänger stehen auf die Bürgerbewegung „Campact“, das Satiremagazin „Der Postillon“, „Zeit Online“, „Ärzte ohne Grenzen“, „fairtrade“ und „Amnesty International“. Auch das traditionelle Arbeitermilieu mit Facebook-Vorlieben für Gewerkschaften, Grundeinkommen und Arbeiterwohlfahrt wählt eher Schulz als beispielsweise Kanzlerin Merkel.

„So beseelt der traditionelle Arbeiter von Schulz auch sein mag, große Wählermasse bringt das nicht. Wer die Wahl gewinnen will, muss die Mitte der Gesellschaft auf seine Seite bringen. Sonst gehen Wahlen verloren. Das hat Schleswig-Holstein gestern eindrucksvoll bewiesen“, sagt komm.passion-CEO Prof. Dr. Alexander Güttler.

Martin Schulz tritt als eine Art „Helmut Kohl reloaded“ auf, wie Sprachanalysen der ersten Reden beider zeigen. Kohl beschwor in seiner historischen Antrittsrede als CDU-Vorsitzender von 1973 „Wohlstand“ und die „Gemeinschaft der nach uns Kommenden“. „Rot-Kohl“ Schulz spricht von „Gerechtigkeit“ und „Perspektive für unsere Kinder“. Beide blieben unkonkret und in der eigenen Retter-Rolle verhaftet. Vielfach sind die Formulierungen austauschbar. Gernot Speck – komm.passion GmbH

Wahl im Norden und den Folgen

Den Sozialdemokraten gehen langsam die Beschönigungen aus. Nach der Saarland-Wahl vertrösteten sie sich und ihre Wähler noch damit, dass der Amtsbonus der CDU-Ministerpräsidentin am Ende entschieden habe. Der hätte dann am gestrigen Sonntag auch dem SPD-Mann Torsten Albig in Schleswig-Holstein helfen müssen. Hat er aber nicht. Stattdessen siegte ein 43-jähriger CDU-Nobody, Daniel Günther, und das ist in dem Fall wirklich keine Beleidigung. Die neue Ausrede ist: In dem Küstenland war es politisch schon immer eng, mal siegte das eine, mal das andere Lager, kann sozusagen passieren. Man darf gespannt sein, was Martin Schulz und seiner Crew einfällt, falls nächsten Sonntag auch Nordrhein-Westfalen verloren gehen sollte, was nun nicht mehr unwahrscheinlich ist. Trotz Amtsbonus von Hannelore Kraft, und obwohl das Land lange SPD-Hochburg war. Wahrscheinlich nicht mehr viel. Weil die Landtagswahlen dieses Frühjahrs de facto Vorwahlen für den großen Bundes-Urnengang im Herbst sind, sind sie Stimmungstests. Und für die SPD ein Stimmungskiller.

Das allerschlimmste für die Sozialdemokraten ist: Es gibt keine Erklärung und also auch keine Gegenstrategie. Nichts, wo man ansetzen könnte. Albig zum Beispiel hat in Schleswig-Holstein wenig falsch gemacht. Keine Skandale, eine reibungslos arbeitende Regierung, dem Land geht es gut. Und trotzdem schießen Union und sogar die FDP nach oben, als hätten die Wähler unter einer roten Knute regelrecht geächzt. Wenn es so weiter geht, kommt Angela Merkel auch im Schlafwagen an ihre vierte Amtszeit. Dabei ist sie gerade aufgewacht. Und Martin Schulz kann doch nicht übers Wasser laufen, er strampelt stattdessen schon jetzt gegen den absehbaren Untergang, wie seit 2009 noch alle SPD-Kanzlerkandidaten. Immerhin, die AfD ist schon zum zweiten Mal hintereinander nicht so stark wie gedacht. Es scheint tatsächlich möglich zu sein, sie noch aus dem Bundestag herauszuhalten. Was ist aus all dem zu analysieren? Wohl, dass rot-links-grüne Bündnisse im prosperierenden Deutschland zurzeit wenig attraktiv sind. Anders übrigens als in sozialen Krisenstaaten des europäischen Südens. Attraktiver sind ganz offenbar bürgerlich-konservative Regierungen. Vielleicht, weil man ihnen eher glaubt, den wirtschaftlichen Wohlstand gegen alle Widrigkeiten bewahren zu können.

Und weil sie mehr Härte gegen neue innere Bedrohungen mitzubringen scheinen. Letzteres Thema hat die AfD geweckt, die aber wegen ihrer inneren Zerstrittenheit und unklarer Abgrenzung zu Rechtsextremen davon selbst nicht mehr ganz so stark profitiert. Es dürften, ja es müssen in Schleswig-Holstein auch viele Arbeiter für Union und FDP gestimmt haben, vielleicht sogar viele der Abgehängten. Für eine Partei wie die SPD, die nach langer Zeit wieder glaubhafter für soziale Gerechtigkeit werben konnte, ist das mehr als bitter. Lausitzer Rundschau

3 Meinungen bis jetzt. Fühlen Sie sich frei der Diskussion beizutreten.

  1. Anonymous Freitag, 12. Mai 2017, 6:49 um 6:49 - Reply

    Einen Schulz hat Deutschland nicht verdient.

  2. Anonymous Mittwoch, 10. Mai 2017, 16:41 um 16:41 - Reply

    Martin Schulz und die SPD möchten also eine gemeinsame europäische Haushaltspolitik. Das deutsche Volk soll noch schneller und gründlicher ausgeplündert werden können.
    Auf das Würstchen aus Würselen kann es nur eine Antwort geben:
    ABWAHL! ABWAHL! ABWAHL!

  3. Anonymous Montag, 8. Mai 2017, 18:26 um 18:26 - Reply

    Schulz interessiert sich nur für sich selbst.
    Es gibt keine tatsächlichen Inhalte bei Schulz.
    Gut, daß dies das Wahlvolk schnell begriffen hat.

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