CDU Frontmann Tauber im Sinkflug

Tauber und sein Minijobber-Tweet

Twitter-Durchfall ist eine moderne Kommunikationskrankheit, gegen die auch ein Politiker nicht immun ist. Gemeint ist die Unart, über den Kurznachrichtendienst alles Mögliche – ob sinnvoll oder nicht – ohne Umweg über das Gehirn rauszuposaunen. Für die Polit-Karriere muss das nicht hinderlich sein, manch Kranker wird sogar US-Präsident. Im Fall des CDU-Generalsekretärs Peter Tauber allerdings scheint das Ende der Karriereleiter in Sicht. Das liegt weniger an seinem Tweet zu den Minijobs, um den es nun viel Wind gibt.

Veröffentlicht am Donnerstag, 06.07.2017, 9:44 von Gudrun Wittholz

Natürlich war dieser dämlich und einen Tag nach Verkündung des CDU-Wahlprogramms kontraproduktiv – statt über Vollbeschäftigung wird nun darüber diskutiert, ob Tauber noch für voll genommen werden kann. Aber: Die Debatte ist auch viel Wind um nichts, denn zum Job eines Generalsekretärs gehört nunmal das Klappern – und das findet heute eben auch via Twitter statt. „Twitter mache ich so mit, das ist wie Radiohören beim Autofahren“, sagte Tauber selbst vor einigen Jahren. Dabei rutscht vieles durch, oft bleibt wenig hängen.

Im Falle Taubers die Erkenntnis, dass da außer Twitter-Klappern wohl nicht viel zu erwarten ist. Seine zentrale Aufgabe in diesem Jahr wäre das Erstellen des Wahlprogramms gewesen, doch hier hat ihm die Kanzlerin Peter Altmaier zur Seite gestellt. Kaum vorstellbar, dass sich die Vorgänger Taubers – Heiner Geißler etwa – hätten derart abservieren lassen. Gerade der Blick auf Geißler zeigt übrigens auch, welch Segen es ist, dass es seinerzeit noch kein Twitter gab – beim verbalen Geholze früherer Parteigenerale hätten wir täglich einen „Shitstorm“ erlebt. Christian Matz – Allgemeine Zeitung Mainz

Von der Erde zum Mond – Tauber und sein Minijobber-Tweet

Peter Tauber hat sich entschuldigt – und das ist richtig so. Aber: Das ist nur die eine Seite der Medaille. Auf der anderen hat der vermaledeite Tweet des CDU-Generalsekretärs einen schonungslosen Einblick gewährt, wie entrückt manche Politiker sind. Karriere gemacht, vielleicht auch noch einen Doktortitel, vor der Tür steht der Dienstwagen, und im Büro sorgen Mitarbeiter dafür, dass man einigermaßen erfolgreich politisch tätig sein kann. Keine Frage, das erreicht man nicht ohne Leistung. Aber da wird die Distanz zur Lebenswirklichkeit vieler Menschen schnell so groß wie die Entfernung von der Erde zum Mond. Zwangsläufig, wenn man sich nicht bemüht, mal in die Niederungen des Landes hinabzusteigen. Es gibt Menschen – auch im wirtschaftlich erfolgreichen Deutschland – die sich anstrengen und bei denen es trotzdem nicht reicht, um „gut und gerne“ zu leben, wie die Union in ihrem Wahlprogramm der Nation verspricht.

Dazu gehören viele Minijobber oder Aufstocker. Qualifikation, Aus- und Weiterbildung schützen davor, das ist richtig. Aber sie sind noch lange keine Garantie für den Aufstieg. Tauber sollte das eigentlich wissen, zumal er gerne von sich behauptet, den Kontakt zur Basis zu haben. Umso abgehobener wirkt seine Äußerung. Darüber hinaus kann man dem Generalsekretär und allen Politikern nur raten: Erst nachdenken, dann twittern. Der Kurznachrichtendienst verleitet dazu, schnell mal eben das hinauszuposaunen, was einem durch den Kopf geht. Oft endet das zu Recht im Shitstorm. Es sei denn, man möchte daraus ein politisches Prinzip machen und so werden wie US-Präsident Donald Trump, der alles und jeden bei Twitter verunglimpft. Aber das kann man sich bei Peter Tauber eigentlich nicht vorstellen. Lausitzer Rundschau

Normalerweise ist Peter Tauber als CDU-Generalsekretär nicht mehr zu halten. Angela Merkel müsste ihn entlassen oder ihm den Rücktritt nahelegen. Und zwar so schnell wie möglich – wenn in elf Wochen nicht gewählt würde. »Wenn Sie etwas Ordentliches gelernt haben, dann brauchen Sie keine drei Minijobs.« Wer in dieser Funktion unmittelbar nach der Präsentation des Wahlprogramms seiner Partei so eine Aussage macht, ist für den Job ungeeignet. Solch einen Fehler macht ein Generalsekretär nicht. Und Tauber ist nicht zum ersten Mal auffällig geworden. Es gab die Mobbingvorwürfe aus seinem hessischen Heimatwahlkreis, die angebliche Affäre mit der Berliner CDU-Frau Jenna Behrendts und die deftige Beleidigung der Gegner von Merkels Flüchtlingspolitik. Taubers Satz steht im Raum – und vor allem im Netz. Sein Versuch einer Entschuldigung ist ziemlich halbgar.

Nun ist die Kanzlerin nicht dafür bekannt, sich von Ministern, Staatssekretären oder anderem politischen Personal spontan zu trennen. Ob Karl-Theodor zu Guttenberg, Annette Schavan oder Hans-Peter Friedrich – die Rücktritte in der Ära Merkel waren zähe Angelegenheiten. Und manche in der CDU hätten lieber andere gehen sehen, allen voran die umstrittene deutsch-türkische Integrations-Staatsministerin Aydan Özuguz (SPD). Man kann der Ansicht sein, dass Taubers Twitter-Fauxpas keine weiteren Folgen hat und der CDU nicht schadet. Erstens hat der Generalsekretär nicht mehr so viel zu sagen, weil Kanzleramtsminister Peter Altmaier den Wahlkampf verantwortet. Und zweitens vergehen Aufregung und Empörung nach skandalösen Tweets in der Regel relativ schnell – so wie beim SPD-Bundesvize Ralf Stegner, der die Facebook-Managerin Sheryl Sandberg mit der mutmaßlichen NSU-Terroristin Beate Zschäpe verglich. Man kann aber auch der Ansicht sein, dass die SPD den Fehler nutzen könnte. Welch eine Steilvorlage für Martin Schulz und seinen bislang nicht zündenden Gerechtigkeitswahlkampf.

In der Mitte der Gesellschaft hat die Kampagne bislang nicht verfangen, weil es in keinem Land vergleichbarer Größe sozial so gerecht zugeht wie bei uns. Daran ändern auch Taubers Worte nichts, aber sie machen eines deutlich: Die Volksvertreter in Berlin und Brüssel sind weit weg von den Alltagsproblemen normaler Leute. Wenn Tauber den umständlich klingenden CDU-Wahlslogan »Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben« vorstellt, wen meint er dann mit »Wir«? Diese Frage drängt sich nach seiner Einlassung auf. Peter Tauber hat das Amt des Generalsekretärs bekommen, um die CDU jünger, weiblicher, ausländischer und urbaner zu machen. In diesen Tagen ist er Schulz‘ bester Wahlhelfer. Westfalen-Blatt

7 Meinungen bis jetzt. Fühlen Sie sich frei der Diskussion beizutreten.

  1. Anonymous Freitag, 7. Juli 2017, 14:36 um 14:36 - Reply

    An so ziemlich jeden Universitätsabschluss kann man eine Promotion zur Erlangung eines Doktorgrades anhängen.
    Und…?

  2. Anonymous Donnerstag, 6. Juli 2017, 20:59 um 20:59 - Reply

    An Subalterner
    ich habe das mit dem DR. Dr. jetzt nicht so richtig gefunden.
    Doktoren müssen keine Ärzte sein, obwohl man umgangssprachlich zum „Doktor“ geht.
    Germanistik und Politikwissenschaften soll Tauber studiert haben.
    Dann könnte er Doktor der Germanistik und/oder der Politikwissenschaft sein. Das bedeutet aber ersmal nur dass er am Ende seines Studiums eine oder zwei Doktorarbeiten geschrieben /abgegeben hat, woraufhin er seinen Titel erhielt.

  3. Subalterner Donnerstag, 6. Juli 2017, 19:23 um 19:23 - Reply

    Ich mag Tauber nicht besonders; aber er ist Dr. Dr.
    Hab gerade bei Wikipedia nachgeschaut. Ich bin noch
    von der alten Sorte und knalle die Hacken zusammen,
    wenn eine(r) „bedoktert“ ist. Klärt mich auf, wenn ich
    zu viel Ehrfurcht habe. Vor Ostzonen-Doktoren habe ich
    wenig Respekt (Mediziner ausgenommen). In den Doktor-
    schriften der DDR-Doktoren wimmelt es von Kommunis-
    mus, Marxismus, Sozialismus und solchem Quatsch.

  4. Ray Donnerstag, 6. Juli 2017, 18:55 um 18:55 - Reply

    Tauber ist ein Niemand!

    Tauber ist ein profilloser Speichellecker Merkels;
    100% linientreu und hat daher in Merkels Team zur Abschaffung der Deutschen eine feste Position.

    Einfach nur zum fremdschämen!

  5. Freya Donnerstag, 6. Juli 2017, 12:09 um 12:09 - Reply

    Ich lach mich schlapp drüber, wie ihr versucht, über des tütteligen Taubers tweet, eine Kurve zu fliegen, um Trump in den Regen zu stellen.
    Es gibt da zwar Unterschiede zwischen Trump und Tauber, aber nicht die, die ihr benennt,bzw. ANDEUTET
    Trump ist Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika — Tauber ist eine 00 im Amt.
    Für Tauber ist Twittern so etwas Nebensächliches und Oberflächliches wie Radiohören beim Autofahren. — Trump twittert gezielt.
    Die Empörung der Deutschen kann Trump am Arsch vorbei gehen. — Tauber hingegen mÖchte für sich und seine Partei bei der nächsten Bundestagswahl Stimmen haben.

  6. Anonymous Donnerstag, 6. Juli 2017, 11:51 um 11:51 - Reply

    Wie Radiohören beim Autofahren.
    Jedem sein Hobby.

  7. Anonymous Donnerstag, 6. Juli 2017, 11:49 um 11:49 - Reply

    An die Westfalenpost:
    Wie wollt ihr das denn verstanden kaben?
    Peter Tauber hat das amt des Generalsekretärs bekommen um die CDU
    jünger (???)
    weiblicher (?????????????????????????)
    ausländischer (??“%*+-!???)
    und urbaner zu machen (???)
    Ej, Leute, was ist das für ein Stuss?
    Habt ihr gekifft?

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