Rücktritt von Bahnchef Grube: Die Steigerung des Absurden

Ex-Bahnchef Rüdiger Grube

Grünen-Fraktionschef warnt vor „Gemauschel“ um Nachfolge des zurückgetretenen Bahn-Chefs. Hofreiter: „Grube-Rückzug Chance für Neustart“ – An die Spitze gehört „jemand mit Leidenschaft für die Bahn“.

Veröffentlicht am Dienstag, 31.01.2017, 15:43 von Tabea Schrader

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter hat den Rücktritt von Bahnchef Rüdiger Grube als „Chance für einen Neustart“ bewertet. „Wir brauchen endlich eine Bahn, die sich um die Kunden kümmert, pünktlich und komfortabel ist, die das Schienennetz flickt und flächendeckend W-Lan bereitstellt“, sagte Hofreiter der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Er forderte den Ausstieg aus „unnötigen Prestigeprojekten, aus der intransparenten Firmenstruktur sowie aus teuren Abenteuern in Großbritannien und Übersee“. Der Bund als einziger Aktionär dürfe nicht länger still halten, sondern müsse für einen Neustart Rückenwind geben, mahnte Hofreiter. Nach Hartmut Mehdorn als Flugzeugmanager und Rüdiger Grube als Autofachmann sei an der Bahn-Spitze „jemand mit Leidenschaft für die Bahn“ dringend erforderlich. „Schädlich wäre neues Gemauschel um Grubes Nachfolge“, erklärte der Vorsitzende und frühere Verkehrsexperte der Grünen-Bundestagsfraktion. Neue Osnabrücker Zeitung

Ist das nun die Stunde des Aufsteigers Ronald Pofalla? Nach Jahrzehnten im Dienste der Politik heuerte er vor gerade mal zwei Jahren bei der Bahn an, wurde nach sieben Monaten Vorstandsmitglied und hat seit wenigen Wochen das bedeutsame Infrastruktur-Ressort mit rund 50000 Mitarbeitern inne. Für die Bundesregierung hat es durchaus seinen Reiz, anstelle eines Managers aus der Welt der Wirtschaft jemand mit politischem Stallgeruch einzusetzen – also jemanden, dem man nicht erst beibringen muss, dass Minister und Wahlkreisabgeordnete gerne bei der Frage mitsprechen, welche Trassen ausgebaut werden. Früher konnten Politiker über staatlich dominierte Banken Geld mobilisieren, das der offizielle Haushalt nicht hergegeben hat. Womöglich schaffen sie es mit dem Chefwechsel, dass die Bahn geschmeidiger wird, wenn es gilt, teure Wünsche der Politik zu erfüllen. Stuttgarter Nachrichten

Bahn-Chef Rüdiger Grube ist im Streit mit dem Aufsichtsrat über eine Vertragsverlängerung zurückgetreten. Ob die Handelnden gewusst haben, was sie taten? Es ist zu bezweifeln. Und was noch schlimmer ist: Allem Anschein nach haben gerade die Vertreter der Anteilseignerseite die Deutsche Bahn mit vollem Karacho an den Prellbock gesetzt – ohne einen Plan B zu haben. Wissend, dass sie den Staatskonzern damit über eine längere Zeit hinweg lähmen, der doch so dringend eine Weiterentwicklung benötigt. Und das Ganze – die Steigerung des Absurden – war wohl eine Attacke aus dem Hinterhalt.

Am Freitag hatte der Personalausschuss des Bahn-Aufsichtsrats noch beschlossen, den Ende 2017 auslaufenden Vertrag von Grube um drei Jahre zu verlängern – so wie von ihm gewünscht. Es war auch der Konsens, zu dem die Koalitionsspitzen von Union und SPD gekommen waren, um diese wichtige Personalie aus dem Wahlkampf herauszuhalten. Doch am Montag war dann alles ganz anders.

Obwohl Grube nicht nur auf eine Anhebung des seit acht Jahren unveränderten Gehalts verzichtet hatte, sondern auch auf eine Abfindung bei einem vorzeigen Abgang, wurde ihm entgegen den Absprachen doch nur eine zweijährige Verlängerung offeriert. Dass er danach den Büttel hinschmiss, darf keinen verwundert haben – zumal Grube seit Monaten beteuerte: „Ich bin noch nie hinter meinem Vertrag hergelaufen.“ Ein verantwortungsvoller Aufsichtsrat hätte also gewarnt sein müssen.

Kein Zweifel: Die Bilanz des 65-Jährigen ist gemischt. Auch fast acht Jahre nach Amtsantritt hakt das Brot-und-Butter-Geschäft, können die schnellen ICEs nur mit happigen Preisnachlässen gefüllt werden, schreibt der Güterverkehr rote Zahlen und gehen immer mehr Regionalverkehre an Wettbewerber verloren. Zum Teil sind diese Probleme aber Folge einer Berliner Politik, die nicht weiß, was sie mit der Bahn anfangen soll. Soll der jahrzehntelang hoch defizitäre Staatskonzern Gewinne zeigen oder Züge noch in den letzten Winkel des Landes fahren lassen, wie es Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt überraschenderweise im vergangenen Sommer forderte.

Diese Politik ohne Konzept muss jetzt einen neuen Bahn-Chef finden. Realistischerweise wird sich die wahlkämpfende Koalition nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen können – auch, weil eine Vergütung von überschaubaren 1,5 Mill. Euro jährlich gestandene Manager eher kalt lässt. Und Attacken aus dem Hinterhalt schrecken selbst den Gutwilligsten ab. Ulli Gericke – Börsen-Zeitung

5 Meinungen bis jetzt. Fühlen Sie sich frei der Diskussion beizutreten.

  1. Angela Mittwoch, 1. Februar 2017, 12:16 um 12:16 - Reply

    Der Hofreiter ist wie seine Haare: schmierig und geistig ungepflegt…..

    • Anonymous Mittwoch, 1. Februar 2017, 13:53 um 13:53 - Reply

      In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist, heißt es

    • Anonymous Montag, 13. Februar 2017, 16:09 um 16:09 - Reply

      Ist biologisch abbaubar.

  2. Polofahrer Mittwoch, 1. Februar 2017, 8:39 um 8:39 - Reply

    Man sagt Profalla nach, er habe wenig Ahnung von der
    Bahn. Ich finde, er sollte wenigstens als Kind mit einer
    Märklin-Eisenbahn gespielt haben. (Spaß vorbei)

  3. Anonymous Dienstag, 31. Januar 2017, 17:39 um 17:39 - Reply

    Der warnt vor Gemauschel?
    Wen?
    Öffentlicher Auftritt?
    Warnt die Bevölkerung vor Gemauschel in unzugänglichen Chefetagen?
    Herr Hofreiter: Wenn man vor Gemauschel warnt, dann warnt man die Mauscheler, und zwar still und leise. Mann nimmt sie zur Seite und sagt ihnen was Sache ist, und die Öffentlichkeit bekommt nichts mit.
    Oder aber, wenn öffentlich, dann kündigt man Konsquenzen an.
    Sie machen doch nur mal Reklame für sich,…mal in die Medien kommen, dass man weiß, dass es sie auch gibt…

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