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Urlaub, Risiko, Moral: Erdogan will deutsche Türkeiurlauber verhaften

Günstiger Urlaub ist nicht alles

Die Türkei, so lautet die jüngste Wasserstandsmeldung der Tourismusindustrie, gehört wieder zu den beliebtesten Reisezielen der Deutschen. Das kann man verstehen, hat das Land Urlaubern doch sehr viel zu bieten, und das auch noch zu unschlagbar günstigen Preisen. Wer nicht völlig auf dem Mond lebt, weiß allerdings, dass sich hinter den bunten Bildern aus den Reiseprospekten eine andere Wirklichkeit verbirgt. Die Türkei ist ein Land, das sich auf einer schiefen Ebene in Richtung Autokratie befindet. Ein Land, in dem auch einfache Regierungskritiker schnell unter dem Vorwurf des Terrorverdachts hinter Gittern landen.

Ein Land, in dem unsere Vorstellungen von Rechtsstaatlichkeit nur bedingt gelten. Das alles sollte man bedenken, bevor man sich ins Flugzeug nach Antalya oder Istanbul setzt, selbst wenn man an seine Reiseziele keine moralischen Maßstäbe anlegt. Der deutsche Pauschaltourist hat vermutlich nichts zu befürchten – zu sehr benötigt die Türkei die ausländischen Gäste. Aber man muss sich schon darüber im Klaren sein, dass ein deutscher Pass in der Türkei keinerlei Schutz vor Behördenwillkür bietet.¹

NRW-Grüne verlangen Reisewarnung für Türkei

Die Grünen in NRW fordern eine aktuelle Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für Türkei-Urlaube. Hintergrund sich die neuen Drohungen der türkischen Regierung gegen Regimekritiker. Berivan Aymaz, integrationspolitische Sprecherin der Grünen im Düsseldorfer Landtag, sagte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Die Bundesregierung muss ihre Bürger vor Restriktionen in der Türkei schützen. Es gibt keine Garantie dafür, bei einer Einreise in die Türkei nicht behelligt zu werden. Eine Reisewarnung überfällig. Sie wäre ein deutliches Signal an Ankara.“

Die Drohungen der türkischen Regierung machten deutlich, dass der türkische Geheimdienst MIT Regimekritikern in Deutschland nachstelle. „Die Bundesregierung muss Ankara jetzt klar machen, dass sie die geheimdienstlichen Aktivitäten der Türkei in Deutschland nicht länger duldet“, so die Politikerin aus Köln. Es sei ein „offenes Geheimnis“, dass der MIT die Konsulate in Düsseldorf, Essen und Köln als Basis nutzte, um Regimekritiker auszuspähen. „Ich habe die Rede des Innenministers gesehen war entsetzt, auch über die aggressive Körpersprache. Die Diplomatie der Zurückhaltung ist gescheitert und muss jetzt beendet werden.“

Der türkische Innenministers Süleyman Soylu hatte in einer Rede erklärt, Regierungsgegner würden bei einer Einreise in die Türkei festgenommen. Die Drohung richtet sich vor allem an die Unterstützer der kurdischen Arbeiterpartei PKK. Das türkische Außenministerium erklärte unterdessen, Touristen aus Deutschland und allen anderen Ländern seien in der Türkei nach wie vor willkommen. In seinen Reise- und Sicherheitshinweisen schreibt das Auswärtige Amt bereits jetzt unter anderem, dass in der Türkei „weiterhin von einem erhöhten Festnahmerisiko auszugehen“ sei. Auch regierungskritische Äußerungen im Internet und in sozialen Medien könnten zu Restriktionen führen.²

Die Reisebranche rechnet für dieses Jahr mit einem weiteren Anstieg der Zahl der deutschen Türkei-Urlauber. Touristen vergessen schnell, wenn das Zielland eines ist, in dem die Menschen freundlich, das Wetter sonnig und die Preise niedrig sind. Was man rasch vergisst, wenn man in Antalya am Pool einen Cocktail schlürft oder durch die bezaubernde Altstadt von Istanbul schlendert: Die türkische Regierung geht noch immer knallhart gegen Kritiker und Oppositionelle vor. Welch Geistes Kind sie ist, zeigen die jüngsten Ausfälle des türkischen Innenministers Süleyman Soylu erneut. Er hat Touristen aus Deutschland mit Festnahmen gedroht, so sie in der Türkei als Regierungsgegner gelten.

Sicher: Die Regierungspartei AKP befindet sich im Wahlkampfmodus und muss bei den Kommunalwahlen Ende März mit Stimmeinbußen rechnen, weswegen nationalistische Töne nicht überraschend sind – zumal der mehrfach angekündigte Angriff auf die syrischen Kurdengebiete auf Druck der Amerikaner bislang ausgeblieben ist; zudem hat Ankara Soylu zurückgepfiffen, wohlwissend, dass der Tourismus eine lebenswichtige Stütze der türkischen Wirtschaft ist. Aber es reicht nicht, diese Ausfälle als parteitaktisches Geplänkel abzutun. Das ist kein Spiel böser Polizist, guter Polizist: Der Nato-Partner Türkei hat sich tatsächlich meilenweit von demokratischen und rechtsstaatlichen Standards entfernt. Das gefährdet keine unpolitischen deutschen Touristen. Sie sollten es aber vielleicht im Hinterkopf haben, wenn sie beim nächsten Mal eine Reise buchen.³

¹Rheinische Post ²Kölner Stadt-Anzeiger ³Jan Jessen – Neue Ruhr Zeitung / Neue Rhein Zeitung

6 Kommentare

  1. Anonymous

    Das sollte man nicht machen, wenn man Özil zur Hochzeit besuchen will.

  2. Anonymous

    Ich verstehe die menschen nicht,die jetzt noch in die türkei reisen!!! Ich würde dieses land wie die pest meiden

    • Anonymous

      Ja, wie kann da noch hinfahren wollen!

  3. reiner

    Erdogan ist doch eine Schande. Warum klammern wir uns an diesen Mann, der garantiert nichts Gutes für uns übrig hat?
    Das ist auch Merkels Fehlpolitik.

    • Anonymous

      weil er Flüchtlinge zurück hält

    • Anonymous

      Er hält Abertausende „Flüchtlinge“ in seinem Land fest, die ALLE nach Deutschland wollen!
      Dass sie dort auch bleiben, dafür zahlt Merkel, – mit unserem Geld, – Millionen an diesen faschistoiden Türken-Heini!

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