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Ukraine fordert politischen Boykott der Fußball-WM

Ost-Ausschuss hält Boykott der Fußball-WM für wirksam - aber falsch

Der ukrainische Außenminister Pawlo Klimkin fordert Europas Politiker auf, die Fußballweltmeisterschaft im Sommer in Russland nicht zu besuchen. „Ich rufe die europäischen Politiker zum politischen Boykott der Fußball-WM in Russland auf“, sagte Klimkin der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“. Klimkin warf Russland eine Fortsetzung seiner aggressiven Politik und Völkerrechtsverletzungen vor. Der Kreml führe „einen Krieg gegen die demokratische Gemeinschaft, sogar auf dem Territorium des Bündnisses: Giftmorde, Cyberangriffe, Verbreitung von Fake-Nachrichten“, sagte der Außenminister. Die bestehenden Sanktionen gegen Moskau hätten zwar eine wichtige Rolle gespielt, sich aber als nicht ausreichend erwiesen. „Es ist die höchste Zeit, auf diese und andere Angriffe des Kremls mit neuen Maßnahmen zu reagieren“, sagte Klimkin. Über einen sportlichen Boykott der Fußball-WM sollten Klimkin zufolge aber die nationalen Fußballverbände entscheiden.

Russland muss den Schritt machen

Natürlich gilt die Unschuldsvermutung. Aber dass Russland nichts mit dem Anschlag auf den britisch-russischen Doppelspion zu tun hat, ist eben ziemlich schwer zu glauben. Viel spricht dafür, dass das Gift in Russland produziert wurde, der Getötete ist ein ehemaliger russischer Spion, der die Seiten gewechselt hat. Warum sollten die italienische Mafia oder mexikanische Kriminelle den Mann auf dem Gewissen haben? Zwei Dutzend westliche Länder sind der Meinung, dass Russland mit der Sache etwas zu tun hat. Sie haben in einer einmaligen Aktion 140 russische Diplomaten aus ihren Ländern gewiesen. Einfach so? Sind das alles Handlanger Trumps? Nein. Dass die Situation eskaliert, ist bedauerlich. Europa braucht Russland als Partner, Russland braucht Europa als Partner. Eine Annäherung der Seiten wäre so dringend wie wünschenswert angesichts der zahlreichen internationalen Konflikte. Aber Russland muss den Schritt gehen, Belege bringen, warum das Land mit dem Vorfall nichts zu tun hat. Vertrauensbildende Maßnahmen wären auch beim stockenden Minsk-Prozess hilfreich. Russland wird sonst im Juni eine Fußball-WM als isoliertes Land abhalten müssen. Es wäre schade.

Putin allein im Stadion

Von Zeit zu Zeit gelangen Politiker zu der Überzeugung, ein Zeichen setzen zu müssen. Eine ausgesetzte Diätenerhöhung in wirtschaftlich schwierigen Zeiten etwa. Die Teilnahme an einer Mahnwache bei Minusgraden oder Dienst bei der Suppenausgabe einer Obdachlosenunterkunft. Nun also diskutiert die Politik, ob ihre prominentesten Vertreter die Fußball-WM im Juni boykottieren sollten. Das wäre wirklich ein Zeichen. Dafür, dass Russland mit der mutmaßlichen Vergiftung des Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter das über Jahre gefüllte Fass an Provokationen, Völkerrechtsverletzungen und politischer Manipulation endgültig zum Überlaufen gebracht hat. Der Fernsehzuschauer hat sich so daran gewöhnt, dass Politiker den Sport zur Eigenwerbung nutzen, dass es Fotos von Angela Merkel aus der Kabine der Nationalelf gibt – es dürfte ihm auffallen, wenn der Westen Wladimir Putin allein auf der Tribüne sitzenlässt. Und so würde ein leerer Platz im Stadion als größeres persönliches Opfer wahrgenommen als Frieren bei der Mahnwache. Traurig, aber wahr.

Oppermann und Vesper gegen Boykott der Fußball-WM

Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann hat sich gegen einen Boykott der Fußball-WM in Russland durch deutsche Politiker ausgesprochen. „Fußball verbindet und sollte Deutschland und Russland nicht treffen“, sagte der SPD-Politiker. Dies gelte vor allem für die Zivilgesellschaft, und diese Chancen sollten nicht vertan werden. Oppermann verwies darauf, dass die Winterspiele in Südkorea sogar dafür genutzt worden seien, „den Dialog zwischen Nord und Süd zu beleben“. Der langjährige Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und heutige Präsident des Galopprennsports, Michael Vesper, sähe ein Fernbleiben sogar als kontraproduktiv an: „Unsere Mannschaft wird nicht besser und nicht schlechter spielen, wenn deutsche Politiker vor Ort sind oder eben nicht. Ein Besuch unserer politischen Führung würde allerdings deren Wertschätzung zeigen – weniger gegenüber der russischen Führung als gegenüber unseren Sportlern und den Millionen Sportfans, die mitfiebern.“

Röttgen und Trittin warnen vor Eskalation des Streits mit Russland

Führende Außen- und Sportpolitiker in Berlin haben vor einer Eskalation der diplomatischen Krise zwischen Russland und dem Westen gewarnt. „Es gibt mit der Diplomatenausweisung ja jetzt eine starke, einheitliche westliche Reaktion auf den Fall Skripal. Damit ist es nun auch gut“, sagte der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen. „Es macht keinen Sinn, einen Überbietungswettlauf mit immer schärferen Reaktionen zu starten“, sagte Röttgen. Zuvor hatte Island einen diplomatischen Boykott Russlands angekündigt und erklärt, es werde keine Politiker zur Fußball-WM nach Russland reisen lassen. „Nachdem man der Fußball-WM in Russland zugestimmt hat, ist es jetzt reichlich spät, einen diplomatischen Boykott zu organisieren“, sagte dazu Grünen-Außenpolitiker Jürgen Trittin. „Ich halte es für falsch, den Sport in diese diplomatische Auseinandersetzung mit Russland einzubeziehen“, sagte auch der sportpolitische Sprecher der Union, der Ex-Turner Eberhard Gienger, der Zeitung. Michael Bröcker, Stefan Klüttermann – Rheinische Post

Vor dem Hintergrund der Spannungen rund um den Anschlag auf den Doppelagenten Skripal und dessen Tochter hat sich der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft (OA) gegen einen Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland ausgesprochen. „Die WM ist ein prestigeträchtiges Großereignis. Durch einen Boykott könnte man sicher eine gewisse Wirkung erzielen“, sagte der OA-Vorsitzende Wolfgang Büchele dem „Tagesspiegel am Sonntag“ in einem Interview. „Aber es wäre ein nur vordergründig eindrucksvolles Statement. Der Schritt würde vor allem Sportler treffen, die gar nichts für diese Situation können.“ Der Tagesspiegel

1 Kommentar

  1. Anonymous

    Vielleicht sollte man es doch einmal geschichtlich betrachten: bis vor ein paar Jahrzehnten gehörte die Ukraine zu Russland!

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