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Repressionspolitik Erdogans: Deutscher in Türkei verhaftet

Deutscher Staatsbürger in der Türkei verhaftet

Erneut ist ein deutscher Staatsbürger in der Türkei verhaftet worden. Nach Recherchen des NDR wurde der Hamburger Ilhami A. am Dienstag, 14. August, am frühen Morgen im kurdischen Teil der Türkei in Karakocan (Kreis Elazig) festgenommen.

Der 46-Jährige hatte in seinem Heimatdorf Saribasak seine Mutter besucht. Augenzeugen berichten, türkische Sicherheitskräfte hätten am frühen Morgen deren Wohnung durchsucht und Ilhami A. in die Kreisstadt Karakocan mitgenommen. Dort wurde der Hamburger von der Polizei verhört. Danach wurde er dem Haftrichter in der Provinzhauptstadt Elazig vorgeführt und ein Haftbefehl erlassen. Das teilte sein türkischer Anwalt Ercan Yildirim dem NDR mit.

Auf seiner Facebook-Seite soll sich Ilhami A. kritisch gegenüber der türkischen Regierung geäußert haben, so der Anwalt weiter. In dem Haftbefehl werde Ilhami A. deswegen Terrorpropaganda vorgeworfen. Unterdessen sei sein Mandant im Gefängnis von Elazig. Gegen die Verhaftung will Ercan Yildirim heute Beschwerde einlegen. Die zuständige türkische Staatsanwaltschaft in Elazig war für eine Stellungnahme bislang nicht erreichbar.

Die deutsche Botschaft in Ankara sei über die Verhaftung informiert, so Anwalt Ercan Yildirim gegenüber dem NDR. Aus gut unterrichteten Kreisen heißt es, der Fall sei den deutschen Behörden bekannt, die konsularische Betreuung werde eingeleitet.

Ilhami A. ist deutscher Staatsbürger mit kurdischen Wurzeln. Er ist selbstständiger Taxifahrer und lebt seit 1992 in Hamburg.

Nach offiziellen Angaben sind in der Türkei derzeit sieben weitere Deutsche aus politischen Gründen in Haft.¹

Der türkische Staatspräsident Erdogan war zuletzt erkennbar darum bemüht, eine Prise Normalität in die internationalen Beziehungen zu streuen, das gilt zumindest ansatzweise auch für das völlig verfahrene Verhältnis zu Deutschland. Gleichzeitig baut er allerdings seine Machtposition im jetzt fest etablierten Präsidialsystem der Türkei per Dekret weiter aus, entlässt mal eben zig Tausende unliebsame Beamte und buchtet immer mehr Oppositionelle ein. Schlimm genug, dass dies in der Türkei passiert. Unerträglich ist hingegen die Tatsache, dass der lange Arm des türkischen Überwachungs- und Unterdrückungsapparates mühelos bis nach Deutschland reicht und hier lebende Kurden sowie viele andere Gegner des Erdogan-Regimes in Angst und Schrecken versetzt.

Das geschieht durch das bewährte diktatorische Rezept der Verzahnung geheimdienstlicher und polizeilicher Maßnahmen: intensive Überwachung, auch mithilfe einer Heerschar von Spitzeln, dazu eine hohe Frequenz willkürlich anmutender Festnahmen auf türkischem Hoheitsgebiet. Nicht erst seit gestern geht das so. Dass der Machtradius Erdogans unter Missachtung der deutschen Souveränität die türkisch-kurdische Community in der Bundesrepublik voll erfasst, hatte sich schon am problematischen Islamverständnis des staatlichen Moschee-Dachverbands Ditib und der Verfolgung von Anhängern der Gülen-Bewegung gezeigt. Es ist höchste Zeit, dass die Bundesregierung für Ankara zumindest auf eigenem Terrain klare Haltelinien markiert – das Verbot des türkisch-nationalistischen Boxerclubs Osmanen Germania vorige Woche war immerhin schon mal ein Schritt in die richtige Richtung.

¹Norddeutscher Rundfunk ²Frank Schmidt-Wyk – Allgemeine Zeitung Mainz

2 Kommentare

  1. Manfred

    Wieso „Deutscher“ wurde verhaftet?! Er ist Türke oder Kurde! ( Hat sein Heimatdorf in der Türkei besucht.)
    Ich finde es zum Kotzen, nur weil jemand es verstanden hat, die deutsche Staatangehörigkeit sich zu erschleichen, ist es doch mehr als lächerlich,
    diesen Menschen als Deutschen zu bezeichnen! Sie können jeden Türken, Kurden, Araber fragen, ob er sich denn als Deutscher empfindet; die Antwort wird stets ein NEIN sein! Sie sind Muslime und haben nach ihrem religiösen Verständnis nichts mit der deutschen Bevölkerung gemein! ( Nur den Pass wollen alle unbedingt haben, damit sie alle Vorteile einer Demokratie in Anspruch nehmen können und im Alter auch noch eine unverdiente Rente erhalten!) Das Mindeste was geschehen sollte: die Abschaffung der 2. Staatsbürgerschaft!

    • Anonymous

      Ja, so ist es leider in unserem Land! – Die sogenannte 2. Staatsangehörigkeit habe ich nie verstanden : entweder ich bin Deutscher oder Türke!

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