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Österreich: Keine religiösen Kleidungsvorschriften für minderjährige Mädchen

Keine Frage der Religionsfreiheit

Junge Mädchen müssen vor Eltern, die ihnen ein Kopftuch aufdrängen, geschützt werden. Das hat nichts mit Religionsfreiheit zu tun. Die Islamische Glaubensgemeinschaft sollte aufhören, sich dagegen zu wehren.

Mädchen ein Kopftuch aufzusetzen, ist nicht islamisch. Das hat nichts mit Religionsfreiheit zu tun, auch wenn wiederholt damit argumentiert wird. Ein fünfjähriges Mädchen entscheidet sich bestimmt nicht freiwillig für ein Kopftuch. Warum sollte es das auch, wenn überall um es herum Gleichaltrige ohne Kopfbedeckung sitzen? Die Eltern entscheiden das – und diesen gilt es, etwas auszurichten. Deshalb ist es zu begrüßen, dass die schwarz-blaue Regierung Mädchen das Tragen von Kopftüchern in Kindergärten und Volksschulen verbieten will. Das Kindswohl muss in dieser Sache über der vielzitierten „Religionsfreiheit“ stehen.

Die Islamische Glaubensgemeinschaft hat sich gegen das Verbot ausgesprochen – das ist ihr gutes Recht. Aber ihre Argumentation ist löchrig. In einer Stellungnahme heißt es, dass sich längst innermuslimisch die Erkenntnis durchgesetzt habe, dass das Selbstbestimmungsrecht von Mädchen und Frauen auf jeden Fall zu beachten sei und keinerlei Zwang ausgeübt werden dürfe.

Das mag für die breite Mehrheit zutreffen, aber dort, wo es eben nicht der Fall ist, müssen Kinder vor ihren pseudo-religiösen Eltern geschützt werden. Dabei kann es sich ja nur um Zwang handeln. Weiters heißt es von der Glaubensgemeinschaft, es werde „die bevormundende Art“ der Politik als „absolut kontraproduktiv“ empfunden. Dass Eltern ihren kleinen Mädchen eine Kopfbedeckung aufdrängen, ist aber in Ordnung? Die Islamische Glaubensgemeinschaft wäre gut beraten, hier mitzugehen, anstatt dagegen zu sein. Denn auch sie weiß, dass die Bedeckung der Haare aus (streng) religiösen Gründen erst ab der Pubertät notwendig ist. Eigentlich ist sie das gar nicht – das ist aber eine andere Geschichte.

Schülerinnen das Tragen von Kopftüchern zu untersagen, mag sicher nicht alle Integrationsprobleme lösen – bestimmt nicht. Es ist aber ein Schritt in die richtige Richtung. Für manche ist das eine Religionsdebatte – das ist sie aber nicht. Es geht darum, dass die Kinder gleiche Chancen haben – und die Mädchen werden zumindest nicht wegen ihres Kopftuchs diskriminiert. Das ist schon einmal eine bessere Ausgangslage. Wenn das Mädchen alt genug ist, selbst zu entscheiden, kann es tragen, was es will.

Bis dahin gilt, was FPÖ-Chef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache sagt: „Junge Mädchen müssen in ihrer Entwicklung frei sein.“ Serdar Sahin – Tiroler Tageszeitung

Kinder sollen Kind sein dürfen

„Religion ist Privatsache und hat damit für mich im öffentlichen Raum nichts verloren“, sagt die Familiensprecherin der Liste Pilz, Daniela Holzinger.

Aus diesem Zugang heraus ist auch klar, dass speziell die Jüngsten und insbesondere minderjährigen Mädchen im Kindergarten und in der Volksschule vor jeglicher religiöser Bevormundung, wie sie etwa durch den Kopftuchzwang passiert, geschützt werden müssen. „Es braucht die gleichen Entwicklungschancen für alle Kinder und es ist eine rein religiöse Instrumentalisierung von Kleinstkindern, sie in ein Kopftuch zu stecken. Kinder sollen Kind sein dürfen“, fordert Holzinger.

Auch der Kinderrechtesprecher der Liste Pilz, Sebastian Bohrn Mena, hält fest: „Es stellt einen massiven Eingriff in die Kinderrechte dar, Kinder zum Tragen eines Kopftuchs zu zwingen. Wir lehnen daher das Tragen von Kopftüchern in Kindergarten und Volksschule ab.“

„Wenn es darum geht Kinder vor Parallelgesellschaften zu bewahren und der Kanzler ein ‚Kinderschutzgesetz‘ ankündigt, dann müssen wir uns auch die Frage stellen, wie wir unsere Kinder besser vor rechtsextremen Kreisen und ihrem demokratiefeindlichen Gedankengut beschützen können. Auch hier ist der Kanzler gefordert sich wirkungsvolle Maßnahmen zu überlegen. Der ungestörte Zustrom zu neofaschistischen Jugendgruppen zeigt, dass die bestehenden Bemühungen nicht reichen.“

Die Familiensprecherin sieht in der Kopftuch-Debatte ein Ablenkungsmanöver. „Die Regierung will gleiche Entwicklungschancen für alle Kinder durch ein Kopftuchverbot. Sie behandelt die Kinder in Österreich aber völlig ungleich indem sie keine Maßnahmen gegen Kinderarmut setzt, sondern Unterstützungsleistungen zum Großteil nur an Besserverdiener ausschüttet.“

„Anstatt sich in der Öffentlichkeit also Forderungen auszurichten bei denen in der Koalition ohnehin Einigkeit besteht, würde es reichen, entsprechende Lösungsvorschläge auszuarbeiten und dem Parlament vorzulegen. Ich vermute hier also, dass von heiklen Themen, wie etwa dem Familienbonus abgelenkt werden soll. Wie wir wissen, ignoriert der Familienbonus den Grundsatz, dass jedes Kind gleich viel wert sein soll, sondern fördert im Gegenteil die Kinder besserverdienender Familien. Während etwa Alleinerziehende mit Almosen abgespeist werden oder im schlimmsten Fall sogar gänzlich durch die Finger schauen.“ Liste Peter Pilz im Parlament Österreich

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