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Mein Freund, der Feind: Friedensverhandlungen zwischen USA und Taliban in Katar

Afghanistan - Es geht nicht ohne die Taliban

In Katar verhandeln die Taliban und die USA in diesen Tagen über den Abzug der US-Streitkräfte nach über 17 Jahren Dauereinsatz in Afghanistan. Eine zentrale Bedingung dafür soll sein, dass die Taliban Garantien dafür aussprechen, dass zukünftig keine Terrorgruppen in dem Land einen Zufluchtsort finden. Doch wer sich beispielsweise daran erinnert, wie die Talibanregierung vor 2001 etwa die Ethnie der Hazara massakrierte, wird merken, dass diese überhaupt keine religiösen Extremisten von außerhalb brauchten, um eine Terrorherrschaft zu etablieren. Es gibt afghanische Stimmen, die beklagen, die USA würden sie mit ihrem Abzug der Taliban zum Fraß vorwerfen. Das stimmt leider nicht, denn um jemanden im Stich zu lassen, muss man sich für ihn interessiert haben.

Und die Taliban wurde einst von der USA mit Elan bewaffnet, als es darum ging, den »Kommunismus«, also den Einmarsch der Sowjetunion 1979, zu stoppen. Damals reiste sogar Rambo in einem propagandaträchtigen Hollywood-Blockbuster an den Hindukusch, um die »Befreiungskämpfer«, wie man sie damals nannte, in ihrem Kampf für die Freiheit zu unterstützen. Als die Sowjetarmee vertrieben war störte es niemand, dass die Taliban nun ihre eigene Bevölkerung unterdrückten. Es ging den USA damals wie heute nur um den eigenen Frieden, nicht um den der Menschen vor Ort.

Noch vor den afghanischen Präsidentschaftswahlen im September wollen sich die USA mit den Taliban auf einen vollständigen Rückzug der Streitkräfte einigen. Die Gespräche in Katar finden ohne offizielle Vertreter der afghanischen Regierung statt – jener Regierung, die die USA seit 18 Jahren verzweifelt vor dem Untergang zu bewahren versuchen, nachdem man 2001 die Taliban stürzte und eine Demokratie einführte. Denn zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban herrscht tiefes Misstrauen; letztere weigern sich, mit der Marionettenregierung der USA zu sprechen. Doch die aktuellen Gespräche offenbaren mal wieder: Wem beide afghanische Seiten nicht trauen sollten, das sind die USA. Denn niemand lässt so schnell aus einem Freund einen Feind werden wie sie.

Der Beweis: Die USA haben kurz vor Verhandlungsbeginn einen alten Bekannten aus dem Hut gezaubert – Abdul Ghani Baradar, Gründungsmitglied der Taliban und lange die Nummer eins. Seine Auferstehung ist bezeichnend. Baradar wurde einst von den USA unterstützt, als er noch gegen die Sowjetarmee kämpfte. Als die USA 2001 selbst einmarschierten, fiel er in Ungnade und musste fliehen. 2010 wurde er schließlich in Pakistan verhaftet und verbrachte dort acht Jahre im Gefängnis. Nun hat ihn die US-Regierung befreit, um ihn für die Taliban an den Verhandlungstisch zu setzen. Verhandeln lässt sich ja ohnehin besser, wenn das Gegenüber einem die Freiheit schuldet.¹

Wenn Afghanistan nach den Jahrzehnten des Krieges überhaupt eine Chance auf Frieden haben soll, dann geht es nicht ohne die Taliban. Selbst sie können nicht daran interessiert sein, dass ihr Land immer weiter in Gewalt versinkt und sie noch den letzten Funken Rückhalt in der Bevölkerung verlieren. Darum muss versucht werden, zumindest halbwegs zugängliche Taliban in eine Friedensordnung einzubinden. Auch, um zu verhindern, dass die Steinzeit-Islamisten des Terrorkalifats Islamischer Staat in Afghanistan Fuß fassen. Die Frage ist, wie weit man den Taliban entgegenkommen kann. Die Vorstellung, Afghanistan werde zu einer Demokratie nach westlichem Vorbild, war naiv. Ein islamischer Gottesstaat jedoch kann nicht die Zukunft des Landes sein, in dem deutsche Soldaten gefallen sind.²

¹neues deutschland ²Straubinger Tagblatt

3 Kommentare

  1. Anonymous

    Afghanistan ist schon wieder ein Beispiel dafür dass es nichts bringt Menschenleben und Geld zu opfern— den Menschen dort ist nicht zu helfen wie in Syrien und Libyen und anderswo auch wo es brodelt– die Politiker lernen nie– was ist in Vietnam passiert?? was ist in Korea passiert??— was ist in der Ostukraine passiert??

    die Menschen in Afghanistan werden ihre islamische Politik dort weiter walten lassen– dann ist es OK— warum mischen sich die westlichen Länder immer ein?? wo kein Frieden gewollt ist, kann es kein Frieden geben.

  2. Negernazi

    Am Besten wäre es die einfach mal in Ruhe zu lassen. Die sollen sich gegenseitig an die Gurgel gehen wie sie wollen. Was kratzt uns das. Erst wenn die uns schaden wollen, sollten millitärische Mittel zur Anwendung kommen. Aber dann richtig.

  3. Wahrheit

    Man kann die Afghanen bewaffnen und dann können sie sich verteidigen und um ihre Freiheit kämpfen. Die NATO Truppen sollte man abziehen und keine Flüchtlinge in Europa mehr aufnehmen. Wir können nicht alle Krisen klären und Kriege führen, während dessen überwiegend nur Männer als Flüchtlinge auftauchen und hier oft kriminell werden und ihre Beschützer (die in ihren Land ihr Leben lassen) hier vergewaltigen, Terroranschläge verüben und sich im Sozialsystem suhlen.

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