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Iran-Atomabkommen: Der gefährliche Sieg der Kriegstreiber

Ausstieg der USA aus Atomdeal

Die Hardliner haben sich durchgesetzt, mit der Aufkündigung des Atomabkommens mit dem Iran durch US-Präsident Donald Trump könnte das Pulverfass Naher Osten schon bald explodieren. Die Vernunft bleibt auf der Strecke.

Er hat es also getan: US-Präsident Donald Trump hat gestern das bis vor Kurzem noch als historisch gefeierte Atomabkommen mit dem Iran aufgekündigt. Alle und sogar zusätzliche Sanktionen gegen den Iran treten wieder in Kraft. Damit hat der US-Präsident die Büchse der Pandora geöffnet. Der Nahe Osten droht wieder einmal zu explodieren, mit unabsehbaren Folgen für die ganze Welt. Die Kriegstreiber werden sich jedenfalls ins Fäustchen lachen.

Trumps Entscheidung wird die Spannungen in der Region – nicht nur in Syrien – nicht mindern. Ein Krieg zwischen Israel und dem Iran liegt in der Luft. Ein Krieg, an dem ein halbwegs rational denkender Mensch kein Interesse haben kann. Aber hier geht es nicht um rationale und vernünftige Entscheidungen. Dass die Internationale Atomenergiebehörde keinen Bruch des Abkommens von Seiten des Iran sieht, spielt absolut keine Rolle. Die Stunde der Hardliner hat geschlagen. Jener, welche die Kriegsrhetorik brauchen wie die Luft zum Atmen. Denn nur in einem Klima der Angst können sie sich an der Macht halten – hüben wie drüben.

Israels wortgewaltiger Premier Benjamin Netanjahu gilt seit Jahren als der schärfste Gegner des Atomabkommens. Doch kann mit der Aufkündigung des Deals der Iran tatsächlich eingedämmt werden? Das Gegenteil wird der Fall sein. Wenn der moderate iranische Präsident Hassan Rohani, dessen Überlebensversicherung das Atomabkommen war und dessen Regierung die vorsichtige Annäherung zum Westen suchte, nun stürzt, übernehmen wieder die Hardliner im Iran das Ruder. Diese haben schon lange die Messer gewetzt und sehen sich nun mit Hilfe anderer bald am Ziel.

Wohin soll diese Taktik führen? Gerade die Hardliner werden wieder auf das Atomprogramm setzen und in Syrien kräftig mitmischen. Genau das, was Israel nach Kräften verhindern will. Bleibt also nur ein Krieg als Ausweg. Und auch die Saudis, die gegen den Iran mobilmachen, sind alles andere als Friedenstäubchen – das militärische Engagement im Jemen forderte bislang Tausende Tote und brachte eine humanitäre Katastrophe. Trump hat einen schweren Fehler gemacht. Und den Europäern mit seiner Entscheidung ins Gesicht geschlagen. Nun liegt es an ihnen, die Stimme der Vernunft zu bleiben. Sicher, das schiitische Regime in Teheran mischt im blutigen Bürgerkrieg in Syrien kräftig mit. Und Israel hat berechtigte Sorgen.

Doch mit der Aufkündigung des Atomabkommens erzielt man nur eines:
Die Spirale der Eskalation wird sich immer schneller drehen und die Radikalisierung bahnt sich ihren Weg. Christian Jentsch – Tiroler Tageszeitung

Das Schlimmste an Trumps krasser Fehlentscheidung ist aus deutscher Warte: Er schafft damit Zonen unterschiedlicher Sicherheit in der Nato. Außerdem treibt er Keile ins Bündnis. Halten die Europäer am Abkommen fest, handeln sie gegen ihren wichtigsten Verbündeten. Folgen sie Trump, bleiben die Reihen zwar vorerst geschlossen. Wird aber die Erzwingung eines iranischen Atombombenverzichts nötig, stehen Briten, Deutsche, Franzosen vor der Entscheidung: Amerika im Stich lassen oder sich an einem Krieg beteiligen, der so wenig in ihrem Interesse liegt wie eine Atommacht Iran. Stuttgarter Nachrichten

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