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Fall Skripal: Mögliche Beteiligung der Geheimdienste Großbritanniens

Botschafter weist Vorwürfe zurück: Russland hat mit "Fall Skripal" nichts zu tun

Russlands Botschafter in Deutschland, Sergej Netschajew, hat die Beteiligung Russlands an dem mutmaßlichen Giftanschlag auf den Ex-Agenten Sergej Skripal in Großbritannien zurückgewiesen und von einer „frechen, grob fabrizierten anti-russischen Provokation“ gesprochen. „Seit Anbeginn behaupten wir, dass Russland nichts mit dem Vorfall zu tun hat und dass wir nicht einmal ein hypothetisches Motiv hatten, ein derartiges Verbrechen zu verüben“, sagte Netschajew der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“.

„Es ist aussichtslos, mit uns eine Sprache der Ultimaten zu sprechen. Es wird auch nicht in Ordnung sein, wenn die Ergebnisse der laufenden Ermittlungen an das Urteil angepasst werden, das Briten zufriedenstellt und das sie bereits verkündet haben“, führte der Botschafter weiter aus. Russland habe es mit einer „frechen, grob fabrizierten antirussischen Provokation“ zu tun, bei der eine Mitwirkung des britischen Geheimdienstes nicht ausgeschlossen werden kann. „Welche Beweise hat London dafür, dass die Russische Föderation in die Vergiftung verwickelt ist?“, sagte er. Netschajew kritisierte die EU-Staaten, die sich an die Seite Großbritanniens gestellt hatten.

„Ich werde kein Hehl daraus machen, dass uns die Stellungnahme von unseren Partnern verwundert und enttäuscht, die sich voll auf die Aussagen Londons verlassen, anstatt zu einer sorgfältigen Untersuchung gemeinsam mit Russland beizutragen.“ Rückschlüsse über die angebliche Verantwortung Russlands seien im „Fall Skripal“ ohne Einsicht in die Ermittlungsakten gezogen worden, mit Hinweis ausschließlich auf fremde Stellungnahmen und Mutmaßungen, so Netschajew. Das sei ein „Novum im völkerrechtlichen und juristischen Sinne sowie in der Verhaltensweise unserer europäischen Partner“. Aus Sicht des Botschafters spielt der Skandal „Theresa May in die Hände, die bis vor kurzem schwerwiegende innerpolitische Schwierigkeiten erlebte, unter anderem im Kontext des Brexits“.

„Im Fall Skripal bot sich den britischen Behörden die Möglichkeit, die Aufmerksamkeit von den inneren Problemen abzulenken, sich die Solidarität internationaler Partner zu sichern, Rankings der regierenden Partei zu erhöhen und einen „Kreuzzug“ gegen unser Land kurz vor der Präsidentenwahl und der Fußball-WM anzuführen, die seinerzeit an Russland und nicht Großbritannien vergeben wurde“, so Netschajew. Rheinische Post

Die britischen Behörden demonstrieren systematisch die Unfähigkeit, auf ihrem Territorium die Sicherheit der russischen Staatsbürger zu gewährleisten. Krasse Beispiele dafür sind unter anderem die Vergiftung des ehemaligen Mitarbeiters des Föderalen Sicherheitsdienstes Russlands A. Litwinenko, der unter unaufgeklärten Umständen eingetretene Tod der russischen Geschäftsleute B. Patarkazishvili und A. Perepilitschnyj, der rätselhafte „Selbstmord“ von B. Beresowskij und die Erdrosselung seines Geschäftspartners N. Gluschkow sowie, last and least, das Attentat auf das Leben und die Gesundheit von Sergej Skripal und Julia Skripal.

Im letzten Fall ignorierte London alle Normen des Völkerrechts, der Ethik sowie schlicht und einfach des gesunden Menschenverstands. Ohne irgendwelche Beweise vorzulegen und gar irgendein konkretes Bild des Vorgefallenen vorzustellen, bezichtigte London Russland der Vergiftung eigener Staatsbürger, brachte den Namen eines chemischen Stoffes in Umlauf, der bei uns nie verwendet wurde, und entfaltete eine großangelegte politische und Medien-Kampagne. Inspiriert wurde eine grundlose Ausweisung russischer Diplomaten aus einer ganzen Reihe von Ländern und Vertretungen bei internationalen Organisationen, bekanntgegeben wurde ein Komplex anderer Sanktionsmaßnahmen. Unsere legitimen Forderungen, Muster des eingesetzten Stoffes zur Verfügung zu stellen, wurden ignoriert.

Das Untersuchungskomitee der Russischen Föderation hat am 16. März dieses Jahres ein Strafverfahren aufgrund der versuchten vorsätzlichen Tötung der Bürgerin der Russischen Föderation Julia Skripal eingeleitet und ein entsprechendes Ersuchen an die britische Seite vorbereitet. Wir erwarten von London ein konkretes Zusammenwirken im Rahmen der laufenden Untersuchung durch unsere Rechtsschutzorgane.

Das Verhalten der britischen Behörden löst eine Vielzahl von Fragen aus. Die Bevölkerung von Großbritannien an sich wird hinsichtlich der entscheidenden Momente dieses Zwischenfalls, der als eine ernste Bedrohung deklariert wurde, in Unkenntnis gehalten, unbekannt ist die Gesamtzahl der Betroffenen. Verschwiegen werden Informationen über die Tätigkeit des unweit von Salisbury gelegenen Geheimlabors in Porton Down, wo, wie allen bekannt ist, Arbeiten zur Entwicklung von chemischen Waffen durchgeführt wurden. Verheimlicht werden Angaben über die alljährlichen Manöver „Toxic Knife“, die am Vorabend der Vergiftung der Skripals durch dieses Zentrum zusammen mit britischen Militärs durchgeführt und in deren Verlauf Methoden zur Bekämpfung einer chemischen und biologischen Kontaminierung trainiert wurden.

In der ganzen Welt wird durch die Anstrengungen Londons eine Kampagne entfaltet, um den Eindruck einer absoluten Verschuldensvermutung in Bezug auf Russland zu erwecken. Es erfolgen eine bewußte, vorsätzliche Anheizung einer Konfrontation und eine Demonstration der Stärke an den russischen Grenzen. Offensichtlich ist die Linie zur Verhinderung eines politisch-diplomatischen Zusammenwirkens für eine objektive und allseitige Prüfung des Zwischenfalls von Salisbury.

Die Analyse der Gesamtheit aller Umstände zeugt von einem Desinteresse der britischen Behörden hinsichtlich der Aufklärung der wahren Motive und der Ermittlung der Ausführenden des Verbrechens von Salisbury und bringt uns auf den Gedanken einer möglichen Beteiligung der Geheimdienste Großbritanniens an dieser Tat. Wenn der russischen Seite keine überzeugenden Beweise für das Gegenteil vorgelegt werden, werden wir die Auffassung vertreten, dass wir es mit einem Anschlag auf das Leben unserer Mitbürger im Ergebnis einer überaus großen politischen Provokation zu tun haben. Wir unterstreichen, dass die Last der Beweisführung in dieser Geschichte gerade auf den Schultern der britischen Seite liegt. Pressedienst der russischen Botschaft in Wien

1 Kommentar

  1. Dragus

    Ehrlich war nur der russische Wahlleiter, als er sich bei GBR für die unfreiwillige Hilfe bei der Wiederwahl Putins bedankte.

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