Press "Enter" to skip to content

Diplomatisches Poker: Trump holt Nordkorea aus Isolation

Anerkennung für einen Diktator

Trump und Kim haben den gefährlichsten Konflikt der Gegenwart vorerst ein wenig entschärft. Doch die Belastungsprobe für ihre Wende hin zur Diplomatie steht erst noch bevor.

Noch vor wenigen Monaten haben US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Diktator Kim Jong-un einander mit Atomangriffen gedroht. Die Fortsetzung des Koreakriegs nach 65 Jahren Waffenstillstand erschien nicht mehr ausgeschlossen. Gemessen daran haben die beiden Staatenlenker am Dienstag bei ihrem Treffen in Singapur einen historischen Schritt gemacht. Die Beleidigungen und Drohungen sind einer Rhetorik der Hoffnung und Kooperation gewichen.

Das hat international zu einem hörbaren Aufatmen geführt. Der gefährlichste Konflikt der Gegenwart erscheint zumindest vorerst ein wenig entschärft. Möglich geworden war diese Entwicklung durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Dazu gehört, dass sowohl Trump als auch Kim vermutlich einen gesichtswahrenden Ausweg aus der Eskalationsspirale des vergangenen Jahres gesucht hat. Trump trampelt wie der sprichwörtliche Elefant durch den Porzellanladen der internationalen Beziehungen und braucht dringend einen außenpolitischen Erfolg. Nebenbei scheint er mit autoritären Staatenlenkern besser auszukommen als mit demokratischen. Kim wiederum setzt zum Machterhalt auf eine Modernisierung seines Landes, und diese lässt sich unter dem Sanktionsregime kaum bewerkstelligen.

Der Nordkoreaner hat seine Karten in dem diplomatischen Poker bisher sehr geschickt gespielt. Der Handschlag mit dem US-Präsidenten bedeutet für ihn eine lang ersehnte und propagandistisch wertvolle internationale Anerkennung. Zudem hat die US-Regierung seinem Regime Sicherheitsgarantien in Aussicht gestellt. Das ist bemerkenswert für einen brutalen Diktator und nuklearen Provokateur.

Experten wie der Innsbrucker Martin Senn weisen darauf hin, dass Kim für diese Aufwertung wenig einbringen musst­e. Trump hat die Forderung nach der sofortigen Herausgabe aller Atom­waf­fen aufgegeben; andernfalls wäre der Gipfel wohl geplatzt. Im Gegenzug aber hat er – soweit bekannt – von Kim lediglich ein erneuertes Bekenntnis zu einer nicht näher definierten Denuklearisierung erhalten.

Derzeit lässt sich kaum sagen, ob, wann und zu welchem Preis Kim tatsächlich bereit ist, nuklear abzurüsten oder einen Friedensvertrag zu unterschreiben. Im Vergleich zu den Detailverhandlungen, die jetzt bevorstehen, war der Gipfel von Singapur vermutlich die leichtere Übung. Und sollten die Verhandlungen platzen, droht eine Rückkehr zur Eskalationsspirale. Die Aussichten dürften dann noch düsterer sein. Tiroler Tageszeitung

Friedensnobelpreis für Kim und Trump!

Es ist fast eine körperliche Anstrengung, den Händedruck zwischen dem US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un zu loben. Ist das nicht der Mann, der Zehntausende Menschen einsperren und verhungern lässt, seine Gegner brutal ermordet und seinem Volk Freiheiten verwehrt wie in kaum einem anderen Land der Welt? Wie kann man zu diesem brutalen Diktator ernsthaft eine „großartige Beziehung“ aufbauen, wie es der angebliche Führer der freien Welt, US-Präsident Donald Trump, nun gesagt hat? Und warum schafft es der Staatschef der einflussreichsten Demokratie der Welt nicht, über die engsten Verbündeten, etwa die Europäer, so positiv zu reden?

Ja, dieser Friedensgipfel in Singapur tut weh. Aber es ist ein Friedensgipfel. Millionen Koreaner haben ihn mit Hoffnungen verfolgt. Sie wollen ihre Familien auf der anderen Seite der Grenze wiedersehen, sie wollen frei sein und reisen, und sie wollen vor allem ohne Angst vor dem Nuklearkrieg leben. Und nur, weil es bei Donald Trump wohl eher um seinen eigenen Eintrag in die Geschichtsbücher als um Versöhnung auf der koreanischen Halbinsel geht, macht es das Ansinnen nicht schlechter. Es ist eine historische, eine gute Tat.

Alleine das Treffen zwischen den Staatschefs der Länder, die offiziell noch im Kriegszustand sind, ist ein Fortschritt. Wenn Donald Trump und Kim Jong Un ernst machen und eine koreanische Halbinsel ohne Atomwaffen Realität wird, dürfte dies die Diskussion über die nukleare Abrüstung auch in anderen Ecken der Welt befördern. Vielleicht ist das auch ein Grund für die scharfe Reaktion aus dem Iran auf den Gipfel in Singapur.

US-Präsident Barack Obama hat 2009 den Friedensnobelpreis bekommen, weil seine Ansprache an die Völker der Welt eine des Friedens und des Miteinanders war. Am Ende seiner Amtszeit blieben die Krisenherde im Iran, in Syrien und im Nahen Osten. Die EU hat die Auszeichnung 2012 bekommen, heute ist sie in zentralen Feldern zerstritten und Rechtspopulisten haben Auftrieb mit EU-kritischen Positionen. Der Gründer einer Terror-Organisation, Palästinenser-Präsident Jassir Arafat, bekam 1994 (mit Schimon Peres und Jitzchak Rabin) den Preis in der Hoffnung auf dauerhaften Frieden im Nahen Osten. Später unterstützte er die todbringende Zweite Intifada. Heute ist die Region von Frieden sehr, sehr weit entfernt.

Warum sollten nicht auch Donald Trump und Kim Jong Un den Friedensnobelpreis bekommen? Millionen Koreaner haben die Hoffnung auf ein Ende des jahrzehntelangen Konflikts durch das Treffen dieser beiden Männer wiedererlangt. Ist das nichts? Michael Bröcker – Rheinische Post

Ihre Meinung ist wichtig!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

BZ Medienholding Ltd ©1998 - 2018