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Deutsche Nationalspieler Özil und Gündogan huldigen Erdogan

Unter falscher Flagge: Wahre Heimatliebe kennt keine Grenzen

Dem Fußball wird gerne vorgeworfen, er ducke sich weg, wenn es politisch wird. In diesem Falle haben Mesut Özil und Ilkay Gündogan das Gegenteil getan – und damit ein fatales Zeichen gesetzt. Ob sie nur aus reiner Dummheit gehandelt haben oder gar aus Kalkül, spielt keine entscheidende Rolle.

Tatsache ist, dass sie nicht nur den Deutschen Fußball-Bund (DFB), der mit der Türkei um die Ausrichtung der EM 2024 konkurriert, völlig vor den Kopf gestoßen haben, sondern auch ihr Land, für das sie seit Jahren erfolgreich Fußball spielen und das es Erdogan aus gutem Grund verboten hat, vor den Präsidentschaftswahlen am 24. Juni Wahlkampf zu machen. Als Beispiele gelungener Integration galten Özil und Gündogan bisher, als Aushängeschilder des deutschen Nationalteams. Folgt nun keine kompromisslose Kehrtwende des Duos, muss man sich allerdings fragen, ob sie wirklich in dem WM-Kader stehen sollten. Stuttgarter Nachrichten

Zwei türkischstämmige Fußball-Millionäre, die sich aufgrund der besseren Verdienstaussichten zu Beginn ihrer Karriere für die deutsche Staatsbürgerschaft entschieden haben, lassen sich im türkischen Auslandswahlkampf mit dem türkischen Diktator Erdogan fotografieren – da möchte man bloß noch fragen: Jungs, wer hat Euch denn vor die Schüssel getreten? Dass der DFB-Chef in Erahnung des aufziehenden Unmuts prophylaktisch grindelte, der Fußball und der DFB stünden für Werte, „die von Herrn Erdogan nicht hinreichend beachtet werden“, und der Integrationsarbeit des Verbands „haben unsere beiden Spieler mit dieser Aktion sicher nicht geholfen“, darf man als scheinheiligen Pflichtprotest zur Beruhigung der deutschen Fan-Seele abhaken.

So lange es den Deutschen Fußball-Bund kein bisschen stört, dass WM-Gastgeber Wladimir Putin mindestens so wenig wie Erdogan die Werte des Fußballs und des DFB beachtet, sollte DFB-Präsident Reinhard Grindel nicht auf allzu höhe moralische Rösser klettern. Zu Russland und Putin fiel Grindel bislang lediglich ein, der DFB setze „auf Dialog und nicht Boykott“. Was immer auch Mesut Özil und Ilkay Gündogan dazu bewogen haben mag, sich vor den Karren eines Diktators spannen zu lassen, der Deutsche in der Türkei als Justiz-Geiseln hält, Deutschland mit Spitzel-Imamen überflutet, unsere Gesellschaft spaltet sowie in der Türkei Demokratie und Menschenrechte mit Füßen tritt – sie stellen sich damit ins Abseits und gießen Öl ins Feuer der deutschen Dauer-Debatte um Integration und doppelte Staatsbürgerschaft.

Und natürlich wirft es Fragen nach der Loyalität auf, wenn Gündogan ein Trikot mit dem Satz „Für meinen Präsidenten, hochachtungsvoll“ signiert. Es ist ganz einfach zu merken, Herr Gündogan: Ihr Präsident heißt Steinmeier, Ihre Kanzlerin Merkel und Ihre Verfassung Grundgesetz. Wenn Ihnen daran was nicht passt: Ziehen Sie unser Trikot nicht an. Westdeutsche Zeitung

Mesut Özil und Ilkay Gündogan sind in Gelsenkirchen geboren und aufgewachsen. Die türkischstämmigen Fußballer haben ihre Laufbahn in Deutschland begonnen und sich bewusst für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft entschieden. Das hat sportliche Gründe, aber auch eine wirtschaftliche Komponente. Mit dem Adler auf der Brust ist es einfacher, sich hierzulande vermarkten zu lassen. Man kann es als problematisch empfinden, dass Özil als deutscher Nationalspieler das Mitsingen der Hymne verweigert.

Man muss von einem Mitglied der Nationalmannschaft erwarten, dass es sich zu seinem Heimatland bekennt. Und dann ist Frank-Walter Steinmeier Präsident – und nicht Recep Tayyip Erdogan. Es ist ein alarmierendes Signal für die Integrationsbemühungen des DFB, wenn zwei so prominente Akteure sich für Wahlkampfzwecke einspannen lassen. Heute nominiert Joachim Löw sein vorläufiges Aufgebot für die WM. Mit dabei sollten nur Spieler sein, die wissen, dass ihr Präsident in Berlin seinen Amtssitz hat – und nicht in Ankara. Rheinische Post

Bei dieser Unterstützung kann der türkische Präsident Erdogan gut und gerne auf den ihm untersagten Wahlkampf in Deutschland verzichten. Die für die deutsche Fußballnationalmannschaft spielenden Mesut Özil und Ilkay Gündogan sind Idole für viele Türken und Deutsch-Türken, die hier leben – und die bei der anstehenden türkischen Parlamentswahl ihre Stimme abgeben dürfen.

Den Adler auf der Brust tragen, aber bei »Einigkeit und Recht und Freiheit« den Gesang verweigern – und jetzt auch noch das Bekenntnis zu Erdogan. Da kann der DFB noch froh sein, dass die türkischstämmigen Spieler »ihrem« Präsidenten nur englische Vereinstrikots und nicht den DFB-Dress überreicht haben.

Denn dann müsste man jetzt aufkommende Forderungen, Özil und Gündogan nicht mit zur WM nach Russland zu nehmen, ernsthaft in Betracht ziehen. DFB-Manager Oliver Bierhoff hat aus der Deutschen Nationalmannschaft »Die Mannschaft« gemacht und vermarktet sie als postnationales Projekt erfolgreicher Integration. Özils und Gündogans Aktion beweist das Gegenteil. Westfalen-Blatt

6 Kommentare

  1. Anonymous

    Wenn man die Kommentare der Bürger hört, die im Fernsehen sind ( ist wie immer eine kleine Auswahl) dann glaubt man dass anscheinend hier in Deutschland Fussball viel wichtiger ist als deinem Land die Treue zu halten. Vielleicht ist das so bei vielen- Hauptsache Sportschau und Fussball, Fussball und Sportschau. Das ist OK, aber man sollte es nicht übertreiben.

    Man sieht wie das ist hier mit der sog. Integration – wenn solche Fussballspieler- die sogar hier geboren sind usw. und die für viele Jugendliche eine Vorbildfunktion haben- dann werden die türkishstämmigen Jugenliche auch Erdogan als Präsident ansehen und nicht Steinmeier. Integration ist nicht möglich in den meisten Fällen. Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass das nicht funktioniert.

    • Simon

      Zeigen Sie mir den Türken, der sich als deutscher Staatsbürger erlebt! Nein, niemand von denen erlebt sich als Deutscher!!! Es geht alleinig um den Doppelpass und die damit verbundenen Vorteile! – Um nichts anderes!-

  2. Anonymous

    Vielleicht hat er zu viel Kopfball geübt?

  3. Cicero heute

    Wenn wir zwei Dinge aus der Debatte um die gemeinsamen Fotos von den Fußballern Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit dem türkischen Prsäidenten Recep Tayyip Erdogan mitnehmen können, lass es diese sein:
    1. Viele „Integrations“-Preisverleihungen sind ihre Sendezeit nicht wert
    2. Integration findet nicht statt, wo die Diskussion um ihre Fehlungen bei jeder sich bietenden Möglichkeit verbannt wird.

    Über Jahrzehnte hat sich in unserem Land eine diskursive Vormachtstellung jener breit gemacht, die einen schönen Schein für wertvoller halten als eine tiefgreifende, bisweilen schmerzhafte Analyse der Wirklichkeit.

  4. Herby

    …und Löw hat ein bisschen Vertändnis dafür!
    -ohne Worte-
    Platzverweis!

  5. Reiner

    Keine Ausnahmen. Man kann nicht sagen, ja die haben einen Fehler gemacht. Spielen nur Fussball ( sind doof), politisch nicht aktiv und da kann mann einen Fehler mal verzeihen. Özil hat die deutsche Staatsbürgerschaft und sein Präsident ist der Deutsche Präsident und nicht Erdogan. Das wird er wohl wissen, oder sind Fussballer wirklich so blöd? Wenn, dann soll er für die Türkei spielen und dessen Staatsbürgerschaft wieder annehmen. Sind wir so arm dran, dass wir solche Leute brauchen?

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