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Das Versagen der EU in Sachen Gesundheitsschutz

Todesfällen durch schlechte Luft

Vor 30 Jahren war die Luft noch viel schlechter, die Todeszahlen lagen mehr als doppelt so hoch. Doch das ist kein Grund zum Ausruhen. Auch die 400 000 sind nicht hinnehmbar. Zumal es in allen Ländern Wege gibt, die Luftbelastung zu minimieren – zum Beispiel durch einen schnellen Kohleausstieg und eine Verkehrswende, die ihren Namen verdient.

Die Industrien, die ihre Profite unter Inkaufnahme von Gesundheitsschäden machen, sperren sich gegen Abwicklung und Umbau. Aus ihrer Sicht ist das verständlich. Doch die Politik darf sich nicht erpressen lassen. Selbst in Corona-Zeiten nicht. Bei allen Hilfen für Unternehmen, die etwa auf Autogipfeln beschlossen werden, müssen Gesundheits- und Klimaschutz mitgedacht werden. Sonst wird es Murks.¹

Schmutzige Luft für die Armen

Innerhalb der Europäischen Union gibt es nicht nur politische Grenzen und sogar Gräben. Der Bericht der Europäischen Umweltagentur zeigt starke Unterschiede auch bei den gesundheitlichen Folgen von Umweltschäden. Jeder achte Todesfall stand im Jahr 2012 mit diesem Themenkomplex im Zusammenhang. Ausgewertet wurden hierfür WHO-Gesundheitsdaten zu Todes- und Krankheitsursachen. Das Alter der Zahlen könnte ein Hinweis darauf sein, dass das Thema der Politik eher unwichtig erscheint. Denn von den vorzeitigen Todesfällen sind die meisten der Bevölkerung in ärmeren Staaten zuzuordnen. In Rumänien ist schon fast jeder fünfte Todesfall auf Umweltverschmutzung zurückzuführen, das ist EU-weit der höchste Anteil. Die niedrigsten Werte erzielen Dänemark und Schweden.

Einen Zusammenhang zwischen Armut und dem Risiko, an den Folgen der Umweltbelastung zu erkranken oder gar zu sterben, gibt es auch in Deutschland: Wer an großen Straßen lebt, ist stärker Luftverschmutzung und Lärmbelästigung ausgesetzt.

Kein Wunder, dass dieses Problem in ärmeren EU-Staaten besonders groß ist. Dem Wohlstandsgefälle im Staatenbündnis entspricht ein Gefälle bei Umweltvorschriften und deren Einhaltung. Die Weiterverwendung veralteter Technik, auch im Straßenverkehr, zeigt ihre Folgen in Großstädten wie Bukarest, deren Bevölkerung unter wachsender Luftverschmutzung leidet. Eigentlich sollte in einem politischen Konstrukt, das sich häufig auf die Einheitlichkeit seiner Werte beruft, die Verantwortung für die Gesundheit aller weiter oben stehen. Nur von einem ungebremsten Marktzugang zu profitieren, billige Produktionsbedingungen zu nutzen und Mitgliedstaaten als Entsorgungsplatz für eigene obsolete Konsumgüter in Anspruch zu nehmen – das ist auf jeden Fall zu wenig.²

¹Frankfurter Rundschau ²Ulrike Henning – nd.DerTag / nd.DieWoche

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