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Ansteckungsgefahr: Frankreichs Intellektuelle und die Gelbwesten

Ihre Wut richtet sich gegen die Elite

In Frankreich begann die Bewegung der »Gelbwesten« vor einem halben Jahr als Protest gegen die geplante höhere Besteuerung fossiler Kraftstoffe. Mit den Einnahmen wollte Präsident Emmanuel Macron eine Energiewende erzwingen und finanzieren. Betroffen sahen sich vor allem Bürger im ländlichen Raum und in der Provinz, die als Pendler längere Strecken zu ihren Arbeitsplätzen und Supermärkten fahren müssen – mehrheitlich in Diesel-Pkw. Da wären sieben Cent Aufschlag pro Liter Diesel im Portemonnaie schon spürbar gewesen. Davon ist wenig geblieben. Die »Gelbwesten« spiegeln kaum noch das Aufbegehren fleißiger Leute und Steuerzahler wider, die sich vom Staat nicht noch mehr ausnehmen lassen wollen.

Längst haben Radikale die Bewegung gekapert und übernommen. Die Gewalt kommt in erster Linie von linksextremistischen Anarchisten – wie beim G20-Gipfel 2017 in Hamburg – und von islamistischen Salafisten und jungen Männern mit Migrationshintergrund, die vor neun Wochen den jüdischen Philosophen Alain Finkielkraut als »dreckigen Zionisten« beschimpft und ihn auf der Straße bedroht haben. Dass sich nach dem Brand der Kathedrale von Notre-Dame die Wut der »Gelbwesten« nun gegen die Milliardäre richtet, die mit ihren Spenden den schnellen Wiederaufbau ermöglichen wollen, liegt auf der Hand. Denn nach sozialistischer Lesart können sich diese Milliardärsfamilien nur als vermeintlich edle Spender hervortun, weil sie zu wenig Steuern bezahlen.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) lehnt eine CO2-Steuer auch deswegen ab, weil er eine deutsche »Gelbwesten«-Bewegung befürchtet. Ob diese Sorge berechtigt ist? Eher nicht. Den »Gelbwesten«, die in Stuttgart gegen Dieselfahrverbote demonstrieren, geht es um den Erhalt individueller Mobilität und den Werterhalt eines teuer angeschafften Autos. Einen CO2-Zuschlag nähme die Autonation Deutschland eher hin als radikale Maßnahmen gegen Pkw mit Verbrennungsmotor. Doch bevor die Politik die Luft besteuert, sollte sie überzeugend erklären, inwiefern 0,038 Prozent Kohlendioxid in der Luft dem Klima schaden. Und zwar so, dass es jeder verstehen kann.¹

Seit Mitte November 2018 erschüttert der Aufstand der sogenannten Gelbwesten Frankreich in seinen Grundfesten.

Die Demonstranten protestieren gegen Macrons Politik und möchten unter anderem erreichen, dass der Anstieg der Lebenshaltungskosten gestoppt und die Kaufkraft für die Mittelschicht gestärkt wird. Die Wut, die Frankreichs Straßen erfasst hat, spaltet auch Frankreichs Künstler und Intellektuelle. Während sich renommierte Autoren wie Annie Ernaux mit den „Gelbwesten“ solidarisieren, warnen Ex-68er wie Daniel Cohn-Bendit vor einer reaktionären Bewegung. Die antisemitischen Ausfälle gegen den jüdischen Philosophen Alain Finkielkraut scheinen den Politiker und Publizisten Cohn-Bendit zu bestätigen, wenn er sagt: „Sie spüren das ja schon in gewissen Aussagen wie ‚Wir sind Franzosen, wir sind hier zu Hause‘ – da kann man hören, was da dahintersteckt.“ Die Grande Dame der französischen Arbeiterliteratur Annie Ernaux will das nicht gelten lassen, gibt aber zu: „Es gibt hässliche Szenen und antisemitische Slogans, das stimmt. Aber man fragt sich, ob das nicht auch dazu dient, um die ganze Bewegung zu diskreditieren.“²

¹Westfalen-Blatt ²Zweites Deutsches Fernsehen

1 Kommentar

  1. Anonymous

    Sehr geehrte Frau Dr. Weidel, sehr geehrter Herr Dr. Gauland : MAKE GERMANY GREAT AGAIN! Wir stehen an Ihrer Seite!

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