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Wagenknechts Rückzug könnte die Linke Stimmen kosten

RTL/n-tv-Trendbarometer / FORSA-AKTUELL: Ohne Wagenknecht sinken die Wahlchancen für die Linke - Starke Kluft zwischen Ost- und West-Anhängern

Nach dem angekündigten Rückzug Sahra Wagenknechts von der Fraktionsspitze der LINKEN im Bundestag hält Linksparteichef Bernd Riexinger nichts davon, nun eine Personaldebatte zu beginnen. Es sei Aufgabe der Führungen von Fraktion und Partei, einen gemeinsamen Lösungsvorschlag vorzulegen, sagte Riexinger im Gespräch mit der in Berlin erscheinenden Tageszeitung „neues deutschland“. Die bisherige von Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch gebildete Fraktionsspitze nennt Riexinger ein „für die Partei untypisches Bündnis“. Nach dem Rückzug Wagenknechts werde die inhaltliche Arbeit der Strömungen wieder wichtiger, zeigt sich Riexinger überzeugt. Schon die für das bisherige Bündnis verwendete Bezeichnung „Hufeisen“ sei ein umstrittener Begriff. „Wie sich die Kräfteverhältnisse entwickeln, wird sich zeigen.“¹

RTL/n-tv-Trendbarometer / FORSA-AKTUELL: Ohne Wagenknecht sinken die Wahlchancen für die Linke – Starke Kluft zwischen Ost- und West-Anhängern

Im RTL/n-tv-Trendbarometer rechnen 42 Prozent der Bundesbürger damit, dass die Linke aufgrund des Rückzugs von Sahra Wagenknecht aus politischen Spitzenämtern bei künftigen Wahlen weniger Stimmen erhalten wird. Nur 7 Prozent rechnen mit einem Stimmenzuwachs. 36 Prozent der Befragten glauben, dass Wagenknechts Ämterverzicht nichts verändern wird. Vor allem die Anhänger der eigenen Partei sind alarmiert: 53 Prozent fürchten vor den in diesem Jahr anstehenden Europa-, Landtags- und Kommunalwahlen eine Verschlechterung der Wahlchancen. Im RTL/n-tv-Trendbarometer dieser Woche verliert die Linke entsprechend auch schon einen Prozentpunkt gegenüber der Vorwoche und kommt auf 7 Prozent. Das sind 2,2 Prozentpunkte weniger als bei der Bundestagswahl 2017.

Außer Sahra Wagenknecht kennen 43 Prozent der Bundesbürger keinen einzigen Politiker der Linkspartei – das trifft auch auf fast ein Drittel (30%) der Anhänger der Linken zu. Die größte Bekanntheit nach Sahra Wagenknecht hat Gregor Gysi, den in der gesamten Republik 37 Prozent, in Ostdeutschland sogar 49 Prozent kennen. Parteichefin Katja Kipping kennen 21 Prozent der Bundesbürger und 36 Prozent der Linken-Anhänger. Oskar Lafontaine kennen 20 Prozent, Dietmar Bartsch 17 Prozent (von den Linken-Anhängern 40%) und Co-Parteichef Bernd Riexinger ist nur 8 Prozent der Deutschen bekannt.

Nach der Ausstiegs-Ankündigung von Sahra Wagenknecht sind die Vorbehalte gegen rot-rote Koalitionen nicht mehr so stark. 40 Prozent der Bundesbürger könnten sich ein Regierungsbündnis aus SPD und Linke auch auf Bundesebene vorstellen, 37 Prozent sind nach wie vor strikt dagegen. SPD und Linke kommen im aktuellen RTL/n-tv-Trendbarometer zusammen auf 22 Prozent.

Linkswähler: Im Osten älter, weiblicher und ärmer als im Westen

Die Anhänger der Linkspartei in Ost- und Westdeutschland unterscheiden sich erheblich. Forsa hat im Rahmen des RTL/n-tv-Trendbarometers zwischen Juli 2018 und März 2019 fast 6.000 Anhänger der Linkspartei befragt. Die wichtigsten Unterschiede: In Ostdeutschland sind nur 24 Prozent der Linken-Anhänger jünger als 45 Jahre aber 54 Prozent älter als 60. Im Westen sind 45 Prozent jünger als 45 und nur 29 Prozent über 60. Unter den Links-Sympathisanten sind im Westen weniger Rentner (26%) als im Osten (46%). Im Osten sind 48 Prozent, im Westen 43 Prozent der Links-Anhänger Frauen. Ostdeutsche Links-Anhänger verfügen über ein durchschnittliches Haushaltsnettoeinkommen von 2.450 Euro, die Anhänger im Westen haben 2.850 Euro. 47 Prozent der „Ost-Linken“ leben auf dem Land, 47 Prozent der „West-Linken“ in Großstädten.

forsa-Chef Prof. Manfred Güllner gegenüber der Mediengruppe RTL: „Nach wie vor besteht zwischen den Anhängern der Linken im Osten und Westen eine tiefe Kluft. Im Osten geben ihr überwiegend ältere ‚DDR-Nostalgiker‘ auf dem Land ihre Stimme, während sie im Westen eher von ’nörgelnden Intellektuellen‘, aber auch zunehmend von jüngeren linksorientierten Bildungsschichten in den urbanen Metropolen gewählt wird. Wegen ihrer Überalterung verliert die Linke im Osten kontinuierlich Wähler, seit 2005 insgesamt 780.000. Dagegen hat sie im Westen im selben Zeitraum 950.000 neue Wähler gewonnen.“

Politische Stimmung stabil

Das aktuelle RTL/n-tv-Trendbarometer belegt weiterhin eine stabile politische Stimmung in Deutschland. Während die Linke gegenüber der Vorwoche einen Prozentpunkt verliert, kann sich die FDP um einen Prozentpunkt verbessern. Die Werte für alle anderen Parteien bleiben unverändert.

Bei einer Bundestagswahl würden sich die Wahlberechtigten derzeit so entscheiden: CDU/CSU 31 Prozent (Bundestagswahl 32,9%), SPD 15 Prozent (20,5%), FDP 10 Prozent (10,7%), Grüne 19 Prozent (8,9%), Linke 7 Prozent (9,2%), AfD 12 Prozent (12,6%). 6 Prozent würden sich für eine der sonstigen Parteien entscheiden (5,2%). 24 Prozent aller Wahlberechtigten sind derzeit unentschlossen oder würden nicht wählen (Nichtwähler 2017: 23,8%).²

¹neues deutschland ²RTL/n-tv-Trendbarometer

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