Bundesdeutsche Zeitung

Vergütung für Corona-Schutzmasken: Grüne attackieren Spahn und fordern systematische Preisüberwachung

Jens Spahn CDU

Die Kritik an der milliardenschweren staatlichen Verteilung von medizinischen Corona-Schutzmasken reißt auch nach der Absenkung der Kostenerstattung von 6,00 auf 3,90 Euro je Maske nicht ab. Die Grünen im Bundestag werfen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vor, die Vergütung für die Apotheken nur grob zu schätzen. „Die jetzt erfolgte Anpassung auf 3,90 Euro pro Maske erscheint zwar auf den ersten Blick marktgerechter, wirkt aber ebenso über den Daumen gepeilt“, sagte die gesundheitspolitische Sprecherin Maria Klein-Schmeink der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ).

Klein-Schmeink kritisierte, nach wie vor habe das Gesundheitsministerium offenbar keine systematische Marktüberwachung der für die Bekämpfung der Pandemie notwendigen Güter etabliert. Sie forderte: „Es braucht einen verlässlichen Mechanismus, der den Erstattungspreis anhand des Marktgeschehens adäquat festlegt.“ Zudem müsse dem Bundestag regelmäßig Bericht erstattet werden.

Die Grünen-Politikerin kritisierte auch die rückwirkende Anpassung der Vergütung. Diese Anpassung und eine darauf gestützte Rückforderung werfen nach ihren Worten „verfassungsrechtlich schwerwiegende Fragen auf und dürften den Minister nach dem Debakel bei der Maskenbeschaffung im Frühjahr erneut eine Vielzahl von Gerichtsverfahren mit ungewissem Ausgang bescheren“.

Klein-Schmeink erinnerte auch daran dass die zunächst gezahlte Vergütung von sechs Euro „auf einer völlig überholten Marktanalyse vom Oktober 2020 beruhte“. Es sei daher nicht verwunderlich, „dass einige Apothekerinnen und Apotheker sich ohne eigenes Zutun dem Vorwurf der Geschäftemacherei ausgesetzt fühlten und deshalb kostenlos Masken obendrauf legen wollten“.

Kritik kommt auch vom Bund der Steuerzahler. BdSt-Präsident Reiner Holznagel sagte der „NOZ“: „Mein Appell ist zweigeteilt: Wirklich bedürftige Menschen sollen staatliche Unterstützung erhalten – in einer solidarischen Gesellschaft darf Schutz nicht am Geldbeutel scheitern.“ Allgemein gilt nach den Worten von Holznagel aber: „Auch in einer Pandemie geht es nicht ohne Verantwortung des Einzelnen. Im Onlinehandel, im Discounter und selbst beim Pharmazeuten gibt es FFP für kleines Geld und nicht auf Staatskosten.“¹

Neue Corona-Verordnung: Nachfrage nach Schutzmasken um 1.300 Prozent gestiegen

Die kürzlich in Kraft getretene neue Infektionsschutzverordnung führte in den vergangenen Tagen zu einer großen Diskussion rund um Preise und Nachfrage von FFP2- und sogenannten „medizinischen“ Masken. Die Shopping- und Vergleichsplattform idealo hat die Nachfrage- und Preisentwicklung von FFP2- und OP-Masken analysiert. Dabei wurde gezielt untersucht, wie sich das Suchvolumen nach Atemschutzmasken in den einzelnen Bundesländern unterscheidet.

Durch den anhaltenden Lockdown und die strengeren Schutzmaßnamen ist das Interesse an FFP2-Masken im Laufe der letzten Wochen deutlich gestiegen. Im Januar 2021 liegt der Nachfragewert 1.300 Prozent über dem Wert von November 2020. Mit dem Beschluss der verschärften Maskenpflicht in Bayern erreichte die Nachfrage nach FFP2-Masken ihren Höhepunkt: Seit dem 12. Januar ist sie auf idealo.de um ganze 2.400 Prozent gestiegen.

Nachfrage im Bundesländervergleich

Ein Blick auf die Nachfrageverteilung zwischen den einzelnen Bundesländern*** zeigt, dass das Kaufinteresse an Atemschutzmasken auf idealo.de in Berlin und Hamburg am größten ist. Insgesamt kommt ein Viertel der gesamten Online-Nachfrage (25 Prozent) aus diesen beiden Bundesländern. In ländlicheren Regionen wie Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern ist die Nachfrage vergleichsweise niedriger. Brandenburg bildet mit einem Anteil von nur 0,2 Prozent das Schlusslicht – gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern mit knapp drei Prozent. Nordrhein-Westfalen als bevölkerungsreichstes Bundesland befindet sich mit rund sechs Prozent der Gesamtnachfrage im Mittelfeld.

Preise für Atemschutzmasken sinken

Sowohl die Preise für FFP2- als auch für OP-Masken sind online in den vergangenen 11 Wochen stetig gefallen. Der Stückpreis von FFP2-Masken (im Set) ist im Januar 2021 im Vergleich zum November 2020 um durchschnittlich 37 Prozent gesunken. So mussten Verbraucher*innen im November im Schnitt 4,15 Euro für eine Maske (im Set) bezahlen – im Januar kostete der Mund- und Nasenschutz im Durchschnitt nur noch 2,63 Euro. Ein ähnlicher Trend lässt sich bei OP-Masken erkennen: Der Stückpreis von OP-Masken (im Set) ist im Januar um durchschnittlich 15 Prozent auf 0,86 Euro gefallen. Generell liegen die Stückpreise für Masken im Set deutlich unter dem Preis von Einzelmasken. Wer also seine Masken im Set kauft, kann je nach Stückzahl des Sets mehrere Euro sparen. Auch im Hinblick auf die Versandkosten, die bei einem Maskenkauf im Onlinehandel noch hinzukommen, bieten Sets oftmals preisliche Vorteile.

Onlinehandel reagiert auf hohe Nachfrage

Die Sorge um mögliche Lieferengpässe der beliebten FFP2-Masken ist laut idealo größtenteils unbegründet. Die Shopping- und Vergleichsplattform konnte seit Oktober 2020 einen Anstieg von rund 750 Prozent in der Angebotsvielfalt von FFP2-Masken verzeichnen. Wer auf idealo.de nach FFP2-Masken sucht, findet mittlerweile knapp 2.300 verschiedene Produkte. Diese Angebotsvielfalt ist ein Indiz dafür, dass die Onlinehändler*innen auf die gesteigerte Nachfrage reagieren und dem großen Interesse mit entsprechenden Angeboten begegnen.²

¹Neue Osnabrücker Zeitung ²Idealo Internet GmbH

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