Bundesdeutsche Zeitung

Söder: AstraZeneca nur auf eigene Gefahr

Markus Söder

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder denkt darüber nach, AstraZeneca auf eigene Gefahr spritzen zu lassen.

Dass Spahn den Impfstoff jetzt fürs Erste aus dem Verkehr gezogen hat, war richtig. Denn es hieß ja von Beginn an, man müsse die Vakzine einer strengen Kontrolle unterziehen, um ihre Akzeptanz zu erhalten. Eben das geschieht jetzt. Es muss rasch geklärt werden, wie schädlich oder nützlich das Vakzin tatsächlich ist. Im Zweifel muss man den Bürgern vielleicht selbst die Güterabwägung überlassen.

Zuallererst aber muss endlich aufhören, dass morgens von Staats wegen das Eine gesagt und abends etwas anderes getan wird, wie es seit Monaten geschieht. Der Staat darf nur noch versprechen, was er halten kann.¹

Europapolitiker fordert mehr „Verlässlichkeit in der Impf-Kommunikation und bessere Abstimmung nach über einem Jahr der Pandemie“

Der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold wirft der Bundesregierung vor, der Verwirrung um Corona-Impfungen mit dem Vakzin von Astrazeneca Vorschub zu leisten. „Deutschland befördert die Impfverwirrung in Europa. Während die EU-Arzneimittelbehörde bislang keine Aussetzung der Impfungen vorschlägt, ist Deutschland mit vorgeprescht. Deutschlands Entscheidung hat einen Dominoeffekt befördert“, sagte Giegold der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ). Wegen einer sehr geringen Fallzahl von Nebenwirkungen gerate die komplette europäische Impfkampagne ins Stocken. „Das Vertrauen in den Impfstoff von Astrazeneca ist stark beschädigt“.

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA will an diesem Donnerstag eine Einschätzung zu möglichen Risiken und zur weiteren Verwendung des Impfstoffs abgeben. Bislang ist die Behörde der Ansicht, dass die Vorteile des Vakzins die Risiken überwögen.

Der „NOZ“ sagte Giegold weiter: „Frankreich hat auf Basis der deutschen Entscheidung einen Impfstopp mit Astrazeneca angeordnet. Besser wäre gewesen, sich an diesem Donnerstag gemeinsam abzustimmen. Durch einzelne Länder ausgelöste Verwirrung beschädigt das Vertrauen in den europäischen Weg beim Impfen“. Die Forderung des Grünen-EU-Abgeordneten: „Nach über einem Jahr der Pandemie sollten sich die Regierungen in der EU endlich besser abstimmen. Europas Regierungen müssen nun schleunigst einen gemeinsamen Weg aus diesem Impfdebakel finden.“ Europa brauche „Verlässlichkeit in der Impf-Kommunikation“.²

¹Mitteldeutsche Zeitung ²Neue Osnabrücker Zeitung

Exit mobile version