Press "Enter" to skip to content

Schäfer-Gümbel verteidigt Kandidatensuche bei der SPD

SPD-Kandidaten für die politische Mitte gesucht

Der kommissarische SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel hat das Verfahren der Sozialdemokraten für die Suche nach einer Parteiführung gegen Kritik verteidigt. „Viele, die meinten, unsere Kandidatensuche funktioniere nicht, müssen nun feststellen: Sie funktioniert doch“, sagte Schäfer-Gümbel der Düsseldorfer „Rheinischen Post“.

„Ich habe von vornherein gesagt, dass wir frühe und späte Kandidaturen sehen werden und dass es am Ende einen interessanten Wettbewerb um Positionen und Aufstellungen geben wird.“ Genau das treffe ein, betonte Schäfer-Gümbel. Es gebe ein offenes Rennen mit guten Kandidaten. „Wir werden auch eine sehr spannende inhaltliche Debatte über die neue Sozialdemokratie in den Regionalkonferenzen erleben.“ Zur möglichen Kandidatur von Finanzminister Olaf Scholz sagte Schäfer-Gümbel: „Olaf Scholz wird sich sicherlich zu gegebener Zeit erklären. Übrigens hat es eine Telefonkonferenz der Vorsitzenden mit Olaf Scholz, wie vom ,Spiegel‘ behauptet, nie gegeben.“¹

Dass Olaf Scholz sich zum Kandidaten für den SPD-Bundesvorsitz macht, bedeutet noch lange nicht, dass er auch gewählt wird. Sein Ergebnis bei der Wahl zum Parteivize (59,2 Prozent) macht zumindest deutlich: Ein Selbstläufer ist die Bewerbung des Vizekanzlers nicht. Wenn er die richtige SPD-Frau an seiner Seite findet, geht er als Favorit in die Abstimmung. Aber es sollte eine politische Partnerin sein, die nicht bloß als geschlechterparitätische Notwendigkeit angesehen wird. Es muss eine Frau auf Augenhöhe mit Scholz sein. Insofern sind Spekulationen über Katarina Barley durchaus schlüssig. Die ehemalige Bundesjustizministerin zählt zu den bekannteren Politikerinnen in Deutschland, ist in der SPD beliebt und gilt als ausgewiesene Parteilinke.

Das einzige Problem: Die 50-Jährige ist von Berlin nach Brüssel gewechselt und gerade erst zur Vizepräsidentin des EU-Parlaments gewählt worden. Scholz kennt das Risiko seiner Bewerbung: Da er Bundesfinanzminister bleiben möchte, ist die Entscheidung für oder gegen ihn auch die Entscheidung über den Verbleib oder den Austritt aus der an der SPD-Basis so ungeliebten Großen Koalition. Und obendrein die Vorentscheidung darüber, wer Spitzenkandidat der Sozialdemokraten bei der nächsten Bundestagswahl wird – mit der Aussicht, Kanzler einer rot-grün-roten Regierung werden zu können. Das Ziel hat Scholz trotz des Höhenflugs der Grünen in den Umfragen nicht aus den Augen verloren. Ihm kommt auch zugute, dass die meisten Leute die G20-Krawalle in Hamburg, die er als Erster Bürgermeister der Hansestadt mitzuverantworten hatte, längst vergessen haben.

Bis zur Bewerbungsfrist am 1. September wird spannend zu beobachten sein, ob sich nach dem bislang einzigen SPD-Schwergewicht weitere Genossen dieses Kalibers vorwagen. Oder ob Groko-Gegner und Juso-Chef Kevin Kühnert gegen Scholz antritt.²

¹Rheinische Post ²Westfalen-Blatt

Ihre Meinung ist wichtig!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

BZ Medienholding Ltd ©1998 - 2019