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Merkel kontra Merz: Das Ringen hält an

Merz sucht seine Rolle

Der Rückhalt für Merz und dessen wirtschaftsliberal-konservatives Profil in der CDU ist so stark, dass Kramp-Karrenbauer gezwungen ist, ihn einzubinden, um die Partei zu befrieden. Aber Merz hat jedes verfügbare Parteiamt ausgeschlagen. Da erscheint ein Ministerposten als einziger Ausweg. Dass Merkel ihn eilig zu verbauen versucht, verwundert nicht. Sie will die CDU in der politischen Mitte halten. Deshalb ist ihr an einem geordneten Übergang zu Kramp-Karrenbauer eines Tages auch als Kanzlerin gelegen. Merz könnte diesen Plan durchkreuzen. Wüsste er sich als Minister zu profilieren, bliebe sein Griff nach der Kanzlerschaft denkbar. Die Frage ist, wie viel Gewicht Merkels Wort noch auf die Waage bringt.¹

CDU-Wirtschaftsrat fordert mehr Tempo bei Einbindung von Merz

Steiger: „Geschlossenheit stellt man nicht durch Zuwarten her“ – Thüringer CDU-Chef Mohring: Ruf nach Ende von Wirtschaftstätigkeit „absurd“

Der CDU-Wirtschaftsrat hat bei der Einbindung von Friedrich Merz in die Parteiarbeit mehr Tempo gefordert. „Geschlossenheit stellt man nicht durch Zuwarten her“, sagte Wirtschaftsrat-Generalsekretär Wolfgang Steiger der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Das erste Gespräch der neuen Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer mit Merz sei zwar ein „wichtiges positives Signal“ gewesen, dabei dürfe es aber nicht bleiben. Merz trage „wesentlich zur Stabilisierung des Parteiensystems und der Volksparteien bei“, sagte Steiger. „Merz zu übergehen, hätte fatale Folgen“, warnte er mit Blick auf den hohen Zuspruch, den der 63-Jährige bei der Wahl und bei den Regionalkonferenzen erhalten habe.

Thüringens CDU-Chef Mike Mohring begrüßte Merz‘ Bereitschaft, sich auch künftig für die CDU zu engagieren. „Ich finde es gut, dass Friedrich Merz auch weiter an Bord sein möchte. Er kann die liberal-konservative Seite der CDU gut abrunden“, sagte Mohring der „NOZ“. Zugleich nahm er Merz gegen Kritik in Schutz, dass dieser weiter für die Wirtschaft arbeiten wolle. „Wenn die Idee Form annehmen sollte, dass Merz in einem Beirat oder in anderen Formen der CDU ehrenamtlich hilft, muss er dazu selbstverständlich nicht seinen Beruf aufgeben. Das wäre eine absurde Vorstellung“, erklärte der Thüringer.²

Nein. Im Kabinett ist derzeit kein Platz für Friedrich Merz. Und das weiß er auch. Aber er ist seit Hamburg wieder im Spiel. Und das nützt er aus. Trotz seiner Niederlage ist er stark genug, um alleine durch seine Anwesenheit die neue Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer unter Druck zu setzen, die auf ihn und seine Anhänger angewiesen ist. Doch vorerst bleibt er, gerade weil er als Außenstehender nicht in das System Merkel eingebunden ist, für seine Anhänger das, was er bereits in Hamburg war – die Verheißung auf eine bessere Zukunft. Ohne es beweisen zu müssen.³

¹Thomas Fricker – Badische Zeitung ²Neue Osnabrücker Zeitung ³Straubinger Tagblatt

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