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Mehr Freiheit trotz Corona – Welche Chancen haben wir?

Beschlüsse zum allmählichen Ausstieg aus den coronabedingten Einschränkungen

Der Frühling kommt und mit ihm keimt die Hoffnung auf Lockerungen nach dem monatelangen Lockdown. Bund und Länder haben dem Öffnungsdruck nachgeben – doch nur in kleinen Schritten und mit vielen Auflagen. Um mit dem Virus zu leben, braucht es neue Strategien. Die stecken aber gerade noch in den Kinderschuhen.

Einige wagen bereits den großen Schritt: Oberwiesenthal und Augustusburg wollen noch im März ihre Hotels und Restaurants öffnen, vielleicht sogar Geschäfte und Museen. Ein Feldversuch mit dem Ziel, Urlaub in Pandemiezeiten möglich zu machen.

Im Kommen sind auch die Selbsttests, die in den nächsten Tagen sogar in Supermärkten und Drogerien zu haben sind. Wie sie funktionieren, will „Fakt ist!“ in der Sendung ausprobieren.

Und Moderator Andreas F. Rook spricht mit seinen Gästen übers Impfen, wo größere Liefermengen möglich machen, dass endlich auch die Hausärzte Corona-Schutzimpfungen vornehmen können.

Also können wir auf „Mehr Freiheit trotz Corona“ hoffen?¹

Bislang hieß es: Öffnungen und Lockerungen seien erst ab einem Inzidenzwert von 35 möglich. Beim Bund-Länder-Treffen am Mittwoch wurden jedoch erste Lockerungen bereits ab einer Inzidenz von unter 100 vereinbart. Mit den Impfstoffen und erweiterten Testmöglichkeiten habe man zwei „starke Helfer“, die diese stufenweisen Öffnungen trotz der „dramatischen“ Gefahr einer dritten Welle rechtfertigten, so die Kanzlerin. Bis diese Hilfsmittel jedoch ausreichend vorhanden sind, kann es noch Wochen dauern. Die Schnelltest sind bestellt, aber noch nicht flächendeckend verfügbar. Die Impfkampagne geht weiterhin nur langsam voran. Wie riskant sind Öffnungen unter diesen Bedingungen? Unterschätzt die Politik die Gefahr einer dritten Welle? Und wieso bleiben Veranstaltungsbranche, Hotels oder Teile der Gastronomie ohne Perspektive?²

großes Experiment – Beschlüsse zum allmählichen Ausstieg aus den coronabedingten Einschränkungen

Bund und Länder haben mit ihren Beschlüssen zur schrittweisen Lockerung der coronabedingten Einschränkungen, die seit Monaten an den Nerven aller zehren, den Pfad der relativen Berechenbarkeit des Infektionsgeschehens verlassen. Die Bedingungen des harten Lockdowns sorgten bisher insgesamt für einen Rückgang der Neuansteckungen, für eine Stabilisierung der Lage, für weniger Corona-Patienten in den Krankenhäusern und weniger Todesopfer. Auf der einen Seite.

Auf der anderen sind die massiven Einschränkungen des privaten wie öffentlichen Lebens aber natürlich auch verantwortlich für Existenz- und Zukunftsängste, die Zerstörung ökonomischer Grundlagen, besondere Härten für besonders verwundbare gesellschaftliche Gruppen …

Wenn nun der Versuch unternommen wird, einen schrittweisen Ausweg aus den massiven Belastungen zu finden, ist das verständlich und erfreulich für die Betroffenen, deren Leben dadurch leichter wird. Doch würden diese Schritte mit wesentlich weniger Ängsten vor einer durch die Lockerungen verursachten dritten Corona-Welle behaftet sein, hätten es die Verantwortlichen in der nun schon so lange andauernden Pandemie nicht verabsäumt, flächendeckend ein stabil funktionierendes Krisenmanagement auf die Beine zu stellen.

Aber so: Test- und Impfstrategie, die die Öffnungen mit ermöglichen sollen, sind weiter Baustellen, deren bisheriger Fortschritt und Zustand viel mehr Anlass zur Sorge war als Quell des Vertrauens in die staatlichen Fähigkeiten zur Krisenbewältigung. Derart schlecht aufgestellt, gleichen die Lockerungen denn auch eher einem großen Experiment mit ungewissem Ausgang, gewürzt mit einer ordentlichen Prise Prinzip Hoffnung. Viel weniger spricht daraus eine durchkalkulierte, vertrauenswürdige Strategie.³

¹MDR Mitteldeutscher Rundfunk ²ARD Das Erste ³nd.DerTag / nd.DieWoche

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