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Lust verloren: Wagenknechts Rückzug war offenbar nicht mit führenden Politikern von „Aufstehen“ abgesprochen

Gysi rät Linksfraktionschefin Sahra Wagenknecht zur Neuorientierung

Der Rückzug von Linksfraktionschefin Sahra Wagenknecht aus der Führung von »Aufstehen« war offenbar nicht mit führenden Politikern der Bewegung abgesprochen. Das berichtet die in Berlin erscheinende Tageszeitung „neues deutschland“. Der parteilose Bundestagsabgeordnete Marco Bülow erklärte gegenüber der Zeitung zu Wagenknechts Ankündigung: „Wir haben es auch nur aus der Presse erfahren und müssen uns erstmal beraten.“ Bülow war Ende 2018 aus der SPD ausgetreten und ist Mitglied des vorläufigen Vorstands von „Aufstehen“.¹

Nein, dass Sahra Wagenknecht aus der Spitze von „Aufstehen“ aussteigt, ist keine Überraschung. Schon Ende November hatte sie dies angekündigt. Die Vorsitzende der Linksfraktion begründet den Rückzug mit Arbeitsüberlastung – und schiebt die Schuld SPD und Grünen zu. Das stimmt so nicht. Oberflächlich betrachtet, war „Aufstehen“ der Versuch, Linke und Rechte anzusprechen – und deshalb zum Scheitern verurteilt. Während die Bewegung von 170 000 Anmeldungen sprach, brachte sie bei Demonstrationen nur ein paar Hundert Menschen auf die Straße. Im Kern war „Aufstehen“ bloß Mittel zum Zweck. Wagenknecht wollte die Linke gefügig machen. Und sie wollte mal schauen, ob man „Aufstehen“ zur Partei und damit zur Erbin der Linken machen kann. Wagenknecht verlor die Lust, als dies nicht klappte. Genutzt hat ihr das Manöver nicht. Die Reste von „Aufstehen“ werden ohne sie implodieren. Sie werden sich auch so fühlen – wie Reste. Sie sehen: Wagenknecht hat zu Anhängern ein instrumentelles Verhältnis.²

Gysi rät Linksfraktionschefin Sahra Wagenknecht zur Neuorientierung

Der langjährige Linksfraktionschef Gregor Gysi hat seiner in Teilen der Partei umstrittenen Nachfolgerin Sahra Wagenknecht zu einer Neuorientierung geraten. Auf die Frage, ob die 49-Jährige die Richtige an der Fraktionsspitze sei, sagte Gysi der Düsseldorfer „Rheinischen Post“: „Ich glaube, Sahra muss ihre Rolle in der Partei für sich neu definieren.“ Sie sei wichtig für die Linke und eine sehr bekannte Persönlichkeit der Partei, und sie trete im Fernsehen gut auf. „Man muss aber immer wissen, was man gut kann und was man nicht so gut kann.“

Die von Wagenknecht und deren Ehemann Oskar Lafontaine gegründete Sammlungsbewegung „Aufstehen“, die von etlichen Parteimitgliedern als Konkurrenz zur Linken verstanden wird, werde sich Schritt für Schritt von selbst erledigen, sagte Gysi. „Man kann eine Bewegung nicht von oben beschließen. Das entsteht entweder von unten oder gar nicht.“ Eine Bewegung funktioniere auch immer nur im Einsatz für ein einzelnes Thema wie gegen die Abholzung eines alten Waldes in Nordrhein-Westfalen oder für die Bienen in Bayern. Aber für ein Angebot von A bis Z gebe es Parteien. Gysi distanzierte sich auch von einer Solidaritätsaktion Wagenknechts mit den Gelbwesten in Frankreich. „Die Methoden der Gelbwesten sind zum Teil nicht akzeptabel, ihre Anliegen aber zum Teil gerechtfertigt“, sagte er. Er wünsche sich ein „Rebellentum ohne Gewalt“.³

¹neues deutschland ²Frankfurter Rundschau ³Rheinische Post

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