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Kassen warnen Spahn vor Versandhandel-Deal mit Apothekern

Gesundheitsdaten: Mehrheit der Deutschen misstraut Amazon - 55 Prozent dagegen vertrauen Online-Apotheken

Versandapotheken gehören für die Bundesbürger heute zum alltäglichen Angebot. 55 Prozent der Bevölkerung vertrauen den Internet-Apotheken, wenn es um den Schutz ihrer Patientendaten geht. Rezepte online einreichen, Arzneimittel liefern lassen – bei jeder Online-Bestellung von Medikamenten werden sensible Gesundheitsdaten im Netz übermittelt. Für die Mehrheit der Deutschen immer weniger Anlass für Misstrauen. Aber wenn der Online-Händler Amazon heißt, schnurrt das Vertrauen der Patienten bei Arzneimittelbestellungen kräftig zusammen. Dies sind Ergebnisse einer repräsentativen Studie im Auftrag des Gesundheitssenders health tv, für die 1.000 Bundesbürger befragt wurden.

Traditionelle Apotheken gegen die Konkurrenz aus dem Netz: Jahrelang haben sich die Versandapotheken und die traditionellen Anbieter vor Ort harte Auseinandersetzungen geliefert. Für die Kunden scheint das längst vergessen. Für sie sind Online-Apotheken ein Stück Normalität geworden, in Fragen des Datenschutzes hegen sie kaum Argwohn. Mehr als die Hälfte der Befragten haben großes Vertrauen in die Online-Medikamentenhändler, wenn es um den Schutz ihrer persönlichen Gesundheitsdaten geht. „Die Möglichkeit, auch rezeptpflichtige Medikamente online zu bestellen, wird für viele Deutsche immer mehr zu einer Selbstverständlichkeit“, sagt Axel Link, Geschäftsführer von health tv. „Ganz so wie beim Online-Banking oder beim Shoppen im Netz zweifeln die Deutschen nicht bei jedem Mausklick am Datenschutz. Als Kunden gehen sie davon aus, dass ihre persönlichen Daten gut geschützt werden.“

Bei den 18- bis 49-Jährigen sind es der Studie zufolge sogar mehr als 60 Prozent, die den Versandapotheken großes Vertrauen aussprechen. Lediglich bei den über 50-Jährigen kommt der Anteil derjenigen, die den Online-Medikamentenhändlern positiv begegnen, nicht über 50 Prozent hinaus.

Seit einiger Zeit plant Amazon den Einstieg in das Online-Geschäft mit verschreibungspflichtigen Medikamenten. Der Studie zufolge würde nur rund ein Drittel der Befragten dem Handelsriesen vertrauen, dass sensible Gesundheitsdaten dort gut aufgehoben sind. „Versandapotheke ja, Amazon nein: Unsere Studie zeigt, dass die Deutschen in Gesundheitsfragen besonders sensibel und kritisch sind“, sagt health tv-Geschäftsführer Link.

Über die Studie:

Für die Studie „Dr. Google“ wurden in einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung bundesweit 1.000 Menschen ab 18 Jahren online befragt. Die Umfrage wurde im Zeitraum Juli bis August 2018 vom Marktforschungsinstitut ToLuna Germany GmbH durchgeführt.¹

Verband: „Mehr Geld nur für sinnvolle neue Leistungen“ – CDU-Gesundheitsexpertin widerspricht eigenem Minister: Versandhandelsverbot „rechtlich möglich“

Vor der Entscheidung der deutschen Apotheken über den Versandhandel-Vorstoß von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) an diesem Donnerstag haben die Gesetzlichen Kassen vor einem Deal auf Kosten der Versicherten gewarnt. „Es ist ein gutes Signal für den Digitalstandort Deutschland, dass das Versandhandelsverbot für Medikamente nun vom Tisch ist“, sagte Johann-Magnus von Stackelberg, Vize-Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. „Aber im Gegenzug alte Apothekenstrukturen durch zusätzliche Beitragsgelder zu alimentieren, wäre die falsche Reaktion auf diesen Fortschritt.“ Mehr Geld für Apotheken „darf es nur geben, wenn die Versicherten dafür auch tatsächlich sinnvolle neue Leistungen erhalten“, sagte von Stackelberg.

Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung will die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) an diesem Donnerstag über Spahns Pläne entscheiden. Der Bundesgesundheitsminister hatte im Dezember angekündigt, den Versandhandel mit Medikamenten – anders als im Koalitionsvertrag angekündigt – nicht zu verbieten. Die Apotheken sollen stattdessen neue Leistungen anbieten dürfen und höhere Honorare erhalten.

Widerstand gegen Spahn regt sich in dessen eigener Fraktion. Karin Maag (CDU), gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsbundestagsfraktion, sagte der „NOZ“, ein Verbot werde nur dann nicht benötigt, wenn die derzeitigen Vorteile für ausländische Versandhändler abgeschafft würden: „Wenn in der Gleichpreisigkeit zwischen den ausländischen Versandhändlern und den deutschen Apotheken und Versandhändlern wieder gleiche Marktverhältnisse hergestellt werden können, braucht es kein Verbot“, so Maag. Wenn dies aber nicht gelänge, ergebe sich aus einem Gutachten von Ex-Verfassungsrichter Udo Di Fabio, „dass wir die rechtliche Möglichkeit haben, Versandhandel zu verbieten.“ Das hat Spahn bislang bezweifelt und damit begründet, den Koalitionsvertrag nicht umsetzen zu können.²

¹German health tv GmbH ²Neue Osnabrücker Zeitung

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