Bundesdeutsche Zeitung

Grünen-Chef drängt auf Einwanderungsgesetz, um Fachkräfte aus dem Ausland zu holen

Katar Arbeiter

Es wird in Kauf genommen, dass ein hoher Anteil von Migranten keinen Berufsabschluss und somit keine Chance auf dem Arbeitsmarkt hat. Frauen sind nur in Portugal noch weniger am Berufsleben beteiligt als in Deutschland. Firmen rufen lieber nach Personal aus dem Ausland, statt Berufseinsteiger einzustellen und ältere Mitarbeiter zu qualifizieren. Bildungspolitiker und Kommunen haben viele Hauptschulen zu Restschulen verkommen lassen, statt Schüler dort fit für die Lehre zu machen. Wertvolles Potenzial liegt brach, das darauf wartet, erschlossen zu werden. Kräfte aus dem Ausland gehen hingegen womöglich wieder in ihre Heimat, wenn es dort wirtschaftlich aufwärts geht. Nachhaltige Fachkräfteplanung sieht anders aus. Straubinger Tagblatt

Özdemir: Im Inland Potenzial bei Arbeitslosen, Frauen und Älteren nutzen – Reaktion auf Prognos-Studie

Osnabrück. Grünen-Chef Cem Özdemir hält den Fachkräftemangel für eines der größten Risiken am Wirtschaftsstandort Deutschlands. „Um das zu verhindern, müssen wir die inländischen Potenziale von Arbeitslosen, Frauen und Älteren besser nutzen“, sagte Özdemir der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Das bedeute vor allem Investitionen in Weiterbildung und Qualifizierung und in die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Laut Özdemir werden aber auch die „entschlossensten Anstrengungen in diesen Bereichen nicht ausreichen“. Deutschland sei zusätzlich auf Fachkräfte auf dem Ausland angewiesen. „Dafür brauchen wir ein Einwanderungsgesetz. Denn bei der Erwerbsmigration hat Deutschland viel aufzuholen“, betonte der Grünen-Spitzenkandidat für die Bundestagswahl. Neue Osnabrücker Zeitung

Ungleichheit wächst: 40 Prozent verdienen weniger als vor 20 Jahren

In Deutschland verdienen vierzig Prozent der Beschäftigten weniger als vor zwanzig Jahren. Das geht aus einem Papier des Bundesarbeitsministeriums hervor, das diese Woche an die Öffentlichkeit gelangte. Danach waren die realen Bruttostundenlöhne der „unteren 40 Prozent“ im Jahr 2015 bis zu 7 Prozent niedriger als 1995, während die Löhne der „oberen 60 Prozent“ Zuwächse bis zu 10 Prozent verzeichneten. Die Schere bei den Löhnen ging also deutlich auseinander.

Noch krasser ist der Unterschied bei den Haushaltsnettoeinkommen. Haushalte mit niedrigen Einkommen erlitten zwischen 1991 und 2014 reale Einkommenseinbußen von 5 bis 10 Prozent. Haushalte mit hohen Einkommen erzielten dagegen reale Einkommenszuwächse von über 25 Prozent. Die Lohnungleichheit hat „bis zum Jahr 2010 deutlich zugenommen und verharrt seither auf einem historisch hohen Niveau“, heißt es in dem Papier. Während „Gutverdiener und Kapitalbesitzer deutliche Einkommenszuwächse verbuchen“, haben die Löhne der Geringverdiener in den letzten zwanzig Jahren abgenommen.

Insgesamt sind die Stundenlöhne, gemessen an ihrer Kaufkraft, in der Zeit zwischen 1996 und 2007 gleich geblieben, obwohl sich die Arbeitsproduktivität im gleichen Zeitraum um 20 Prozent erhöht hat. Profitiert haben ausschließlich Unternehmer und Kapitalbesitzer. Die wachsende Lohnungleichheit ist verbunden mit einer massiven Ausweitung des Niedriglohnsektors. Verdienten Mitte der 1990er Jahre noch etwa 16 Prozent der Beschäftigten weniger als zwei Drittel des mittleren Stundenlohns, liegt dieser Anteil seit dem Jahr 2006 ziemlich konstant bei etwa 22 Prozent. Das bedeutet, dass über ein Fünftel aller Beschäftigten für weniger als 10 Euro in der Stunde arbeiten.

Vor allem die Agenda 2010 von SPD-Kanzler Gehard Schröder hat dafür gesorgt, dass Arbeiterinnen und Arbeiter zu immer schlechteren und entwürdigenderen Bedingungen arbeiten müssen, um nicht in der Hartz-IV-Falle zu enden. Gleichzeitig hat die Regierung Schröder mit einer umfassenden Steuerreform die hohen Einkommen und Vermögen entlastet und so zur massiven Umverteilung von unten nach oben beigetragen. Marianne Arens – World Socialist Web Site

Armut in Deutschland: Deutlicher Anstieg durch Zuwanderung, Altersarmut wächst ebenfalls

Quote für Gesamtbevölkerung stagniert auf hohem Niveau

Die Kinderarmut in Deutschland hat 2016 erneut spürbar zugenommen. Der Anteil der Kinder und Jugendlichen, die unter der Armutsgefährdungsgrenze leben, stieg um 0,6 Prozentpunkte auf 20,3 Prozent. Das entspricht rund 2,7 Millionen Personen unter 18 Jahren. Grund für den Anstieg ist, dass sich die große Zahl der in letzter Zeit nach Deutschland geflüchteten Kinder und Jugendlichen jetzt in der Sozialstatistik niederschlägt. Dagegen sind die Armutsquoten unter Kindern und Jugendlichen, die keinen Migrationshintergrund haben oder als Kinder von Migranten in Deutschland geboren wurden, leicht rückläufig.

Die allgemeine Armutsquote in Deutschland stagniert, während sich der langfristige kontinuierliche Anstieg der Armutsgefährdung unter Senioren auch 2016 fortgesetzt hat. Das sind zentrale Ergebnisse einer neuen Auswertung aus dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Neben einer möglichst effektiven Integration von Zugewanderten in Bildung und Arbeitsmarkt sei auch eine Verbesserung der Alterssicherung notwendig, so die Wissenschaftler.

Für ihre Analyse haben die WSI-Forscher Dr. Eric Seils und Jutta Höhne die gerade erschienenen Armutsdaten des Mikrozensus 2016 ausgewertet. Als arm gelten nach gängiger wissenschaftlicher Definition Haushalte, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des bedarfsgewichteten mittleren Einkommens beträgt. Für eine Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren lag die Armutsschwelle 2015 bei einem verfügbaren Nettoeinkommen von weniger als 1978 Euro im Monat.

Hier geborene Kinder von steigender Armut nicht betroffen

Das WSI hatte den Anstieg der Kinderarmut im Mai bereits zutreffend prognostiziert. Die Zunahme spiegelt die starke Zuwanderung von Minderjährigen wider, die als Flüchtlinge zumeist unter der Armutsgrenze leben müssen. Dabei geht der rechnerische Zuwachs zum Teil auf datentechnische Probleme zurück: Viele der 2016 als armutsgefährdet ausgewiesenen Kinder dürften bereits 2015 zugewandert sein. Die amtliche Armutsstatistik hat sie jedoch nur mit zeitlicher Verzögerung berücksichtigen können: Die Armutsquote bezieht sich stets nur auf Personen in Privathaushalten. Viele Flüchtlingsfamilien lebten aber Ende 2015 in Sammelunterkünften und wurden daher zunächst ausgeklammert.

Dagegen ist die Armutsquote von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die in Deutschland geboren wurden, zwischen 2015 und 2016 von 28,9 auf 28,2 Prozent gesunken. Bei Personen unter 18 Jahren ohne Migrationshintergrund ist die Quote ebenfalls leicht zurückgegangen – von 13,5 auf 13,3 Prozent.

Gesamtbevölkerung: gegenläufige Entwicklung nach Migrationsstatus

Schaut man auf alle Altersgruppen, stagniert die Armut in Deutschland weitgehend, allerdings auf hohem Niveau: 2016 lag die Armutsquote für die Gesamtbevölkerung bei 15,8 Prozent und damit um 0,1 Prozentpunkte höher als 2015. Der Anteil der armutsgefährdeten Menschen ohne Migrationshintergrund sank leicht um 0,4 Prozentpunkte auf 12,1 Prozent. Dagegen wuchs die Quote unter Menschen mit Migrationshintergrund von 27,7 auf 28,1 Prozent 2016. Den Anstieg erklären die WSI-Experten in allererster Linie damit, dass die jüngst Eingewanderten einen wachsenden Anteil an der Bevölkerung mit Migrationshintergrund ausmachen und als Flüchtlinge ein sehr großes Armutsrisiko tragen. So lebten knapp 82 Prozent der eingewanderten Syrer und 70 Prozent der Iraker unter der Armutsgrenze.

Altersarmut: Anstieg auf 14,8 Prozent

Unter der Bevölkerung im Rentenalter zeigen sich hingegen keine vergleichbaren Unterschiede nach Migrationsstatus, so die WSI-Untersuchung. Seit 2009 steigt auch die Armutsquote bei Menschen über 65 Jahren, die keinen Migrationshintergrund haben. Eine geringfügige Zunahme in dieser Gruppe (12,6 auf 12,7 Prozent) ist der Grund dafür, dass die Altersarmut insgesamt 2016 um 0,2 Prozentpunkte auf 14,8 Prozent gestiegen ist. Senioren ohne Migrationshintergrund sind mittlerweile häufiger armutsgefährdet als der Durchschnitt der Bevölkerung ohne Zuwanderungsgeschichte, schreiben die Forscher. Das zeigt „ein Problem an, das unabhängig von der Herkunft immer mehr Menschen betrifft und systematisch gelöst werden muss.“

Das Beispiel der Altersarmut mache deutlich, dass die Politik zur Armutsbekämpfung mehrgleisig fahren müsse, betonen die Forscher. Die Integration von Zuwanderern sei eine zentrale, doch nicht die einzige Herausforderung. Eingewanderten Eltern und insbesondere Müttern müsse es möglich werden, Arbeit zu Konditionen und Löhnen zu finden, mit denen sie ihre Familien selbst über die Runden bringen können. Zugleich bräuchten auch in Deutschland geborene Kinder einen besseren Schutz gegen Armut. „Schließlich hat sich trotz Rekordbeschäftigung das Armutsrisiko der einheimischen Kinder nur wenig verringert“, sagt Sozialforscher Seils. Maßnahmen gegen die weit verbreitete Niedriglohnbeschäftigung kämen auch den Kindern prekär Beschäftigter zu Gute. Hans-Böckler-Stiftung

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