Bundesdeutsche Zeitung

Fastnacht in der Pandemie: Bund Deutscher Karneval kritisiert Spahn

Jens Spahn CDU

Der Bund Deutscher Karneval (BDK) kritisiert die Pläne von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), die Karnevalssession 2020/21 wegen der Corona-Pandemie abzusagen. „Wir sind sehr überrascht über solche Pauschalaussagen“, sagte der Präsident des BDK, Karl-Ludwig Fess, der Düsseldorfer „Rheinischen Post“. Bislang sei nicht mit den zuständigen Bundesverbänden über eine Absage der Session gesprochen worden. „Für die Hochburgen wäre das ein wirtschaftliches Desaster“, sagte Fess, „aber nicht nur für diese.“ Er forderte Spahn auf, den Bundesverband und Regionalvertreter zu einem Runden Tisch einzuladen. „Die Gesundheit steht an erster Stelle, auch bei uns Karnevalisten“, so Fess, „aber bevor Veranstaltungen abgesagt werden, muss es darüber Gespräche geben.“¹

Das Festkomitee Kölner Karneval hat sich dagegen ausgesprochen, die Session ausfallen zu lassen. „Eine pauschale Absage mehrere Monate vor der Session halten wir für wenig zielführend“, sagte Präsident Christoph Kuckelkorn dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Mittwoch-Ausgabe). Er reagierte damit auf Aussagen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der sich demnach Karneval im Winter nicht vorstellen kann. Natürlich habe „die Gesundheitsvorsorge hier absolute Priorität, feiern um jeden Preis kann nicht das Ziel sein“, so Kuckekorn.

Der Karneval bestehe aber aus vielen sehr unterschiedlichen Veranstaltungen. „Bezieht ein solches Verbot beispielsweise auch Kostümierungen und Feiern in privater Runde, im Kindergarten oder im Altersheim mit ein?“, fragte Kuckelkorn. Sein Festkomitee erarbeite mit den anderen rheinischen Karnevalshochburgen und der NRW-Landesregierung ein Konzept, das Veranstaltungen unter Einhaltung der Hygienevorschriften ermöglichen würde. „Am Ende wird jede Veranstaltung unter diesen Gesichtspunkten und der aktuellen Entwicklung auf dem Prüfstand stehen“, so Kuckelkorn.²

Ob Fastnacht in Mainz oder Karneval in Köln – in der fünften Jahreszeit kommen sich wildfremde Menschen fröhlich feiernd näher als im restlichenJahr. Das Virus, gegen das die Welt seit neun Monaten kämpft, versteht allerdings überhaupt keinen Spaß: Es wartet nur auf die Feierfreudigen, die mitten in der Grippesaison mit geschwächtem Abwehrsystem zu „Superspreadern“ in der Pandemie werden. Die Unvernunft weniger in diesem Sommer hat gezeigt, wie schnell wieder Einschränkungen für alle zur Debatte stehen.

Einen Lockdown des Landes in Kauf zu nehmen, damit Menschen wie gewohnt Spaß haben – das wäre unverantwortlich. Jeckes Treiben auf Abstand dürfte für die meisten Närrinnen und Narren indes keine Option sein: Das macht schlicht keinen Spaß. Gesundheitsminister – und Ex-Kinderprinz – Jens Spahn weiß in doppelter Hinsicht, wovon er spricht, wenn er den Ausfall der närrischen Saison 2020/21 im ganzen Land empfiehlt. Allerdings – und da muss Spahn nachlegen – darf es kein Sonderopfer der Fastnachter geben. Bilder von unbehelligt feiernden Menschen, dicht gedrängt und ohne Maske, gab es diesen Sommer landauf, landab. Ebenso wurden Demonstrationen nicht gestoppt, bei denen der Rechtsbruch Programm war.

Es darf nicht sein, dass der Staat Verordnungen erlässt und den massenhaften Verstoß dagegen ignoriert. Wenn andererseits in Arztpraxen und Krankenhäusern genau darauf geachtet wird, dass Angehörige von Kranken draußen bleiben, wird das Verständnis rechtstreuer Bürger überstrapaziert. Verstöße gegen die Corona-Regeln müssen deshalb härter und konsequenter bestraft werden.³

¹Rheinische Post ²Kölner Stadt-Anzeiger ³Michael Klein – Allgemeine Zeitung Mainz

Exit mobile version