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Verfassungsschutz befragt alle V-Leute nach mutmaßlichem Lübcke-Mörder

Mutmaßlicher Lübcke-Mörder stand auch 2019 noch in Kontakt zur rechtsextremen SzeneTatverdächtiger Stephan E. traf im März Mitglieder der Neonazi-Organisation Combat 18

Im Mordfall Walter Lübcke hat der Verfassungsschutz eine bundesweite Aufklärungsaktion gestartet. Es würden sämtliche V-Leute aus dem Bereich Rechtsextremismus zu dem mutmaßlichen Täter Stephan E. befragt, sagten Sicherheitskreise am Freitag dem „Tagesspiegel“.

Jeder V-Person würde ein Lichtbild von E. gezeigt und Fragen zu Aktivitäten von E. in den vergangenen zehn Jahren gestellt. Dabei gehe es um eine mögliche Teilnahme von E. an Parteitagen der NPD oder einer anderen rechtsextremen Partei, der Besuch von Rechtsrockkonzerten, von rechten Liederabenden, von rechten Kampfsportveranstaltungen, von Aufmärschen und um die mögliche Teilnahme an sonstigen Veranstaltungen der Szene, hieß es. Befragt werde eine dreistellige Zahl von V-Leuten.

Der „Tagesspiegel erfuhr zudem, dass der Verfassungsschutz überlegt, auch ehemalige V-Personen, die abgeschaltet sind, noch einmal zu kontaktieren und sie nach E. zu befragen. An der Aufklärungsaktion beteiligen sich das Bundesamt für Verfassungsschutz und die 16 Landesbehörden.¹

Der für den Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke tatverdächtige Stephan E. nahm noch 2019 an einem konspirativen Treffen von Mitgliedern neonazistischer Organisationen teil. Das belegen Fotos, die das ARD-Magazin MONITOR in Zusammenarbeit mit einem Gutachter ausgewertet hat. Bisher wurde angenommen, dass Stephan E. möglicherweise keinen Kontakt mehr zur rechtsextremen Szene hatte. Nach den neuen Erkenntnissen nahm Stephan E. am 23. März dieses Jahres an einer konspirativen rechten Veranstaltung im sächsischen Mücka teil, wo er zusammen mit Mitgliedern der neonazistischen Organisation „Combat 18“ (deutsch: „Kampftruppe Adolf Hitler“) und der neonazistischen Vereinigung „Brigade 8“ fotografiert wurde. Combat 18 wurde als bewaffneter Arm des Neonazi-Netzwerks „Blood and Honour“ gebildet, das wiederum als zentrale Unterstützergruppe der Terrorvereinigung NSU gilt.

Verfassungsschutzpräsident Thomas Haldenwang hatte noch am Dienstag gesagt, der Tatverdächtige im Mordfall Walter Lübcke habe sich zwar viele Jahre in rechtsextremen Kreisen bewegt, sei aber in den vergangenen zehn Jahren nicht mehr so deutlich wie früher als Rechtsextremist in Erscheinung getreten. Die von MONITOR ausgewerteten Fotos von dem Treffen in Mücka zeigen außer Stephan E. unter anderem auch Stanley R., der als eine zentrale Figur des deutschen Combat 18 gilt. Beide haben eine gemeinsame Vergangenheit in der Neonazi-Szene, haben zum Beispiel im Jahr 2002 gemeinsam an einer NPD-Wahlkampfveranstaltung teilgenommen. Dass es sich bei der auf den Fotografien aus Mücka zu sehenden Person wirklich um Stephan E. handelt, gilt als sicher.

Der Münchner Sachverständige George A. Rauscher hat die Bilder im Auftrag von MONITOR analysiert und kommt zu dem Schluss: „Die Identität der Person Stephan E. als sichtbare Person auf den Lichtbildern der Veranstaltung vom 23.03.2019 ist als praktisch erwiesen anzusehen.“ Den Anstoß zu der Fotorecherche hatte das Rechercheportal Exif gegeben.²

¹Der Tagesspiegel ²Westdeutscher Rundfunk

3 Kommentare

  1. Anonymous

    Der Lübcke hat auch angeblich krumme Geschäfte gemacht — mit Schrottimmobilien— habe ich gelesen– und angeblich hat das etwas mit kriminellen Organisationen in Kassel zu tun– er hat die womöglich verarscht– sieht meines Erachtens aus wie ein Auftragsmord von einem richtigen Profi-Killer exekutiert— nicht vorn irgendeinem Typ aus der Neo_nazi Szene– die auch eine linke Szene ist— nicht rechts— alle politisch motivierte Gewalt kommt von links–

    die RAF, Antifa, Neo-Nazis sind alle linksextreme Gruppen– die NSDAP war eine linksextreme Organisation– nicht rechts-konservativ— aus den linksextremen Gruppen sind SPD- Linke -Grüne und sogar jetzt Teile der CDU hervorgegangen— wir sehen es jetzt an die Äußerungen von Leuten wie tauber und Seehofer ( CSU sogar)– die wollen prüfen ob AFD Menschen ihte Grundrechte verlieren können— willkommen in der DDR 2.0 und Nordkorea in Germany— Wahnsinn

  2. reiner

    Demokratie schützen – ich bin dafür. Dazu muss aber erst einmal die Demokratie wieder hergestellt werden. Mitbestimmungsrecht bei der Gestaltung unserer Gesellschaft ist ein Fremdwort geworden. Es gibt keine Volksentscheide über wichtige Dinge. Bei der Zeitumstellung gab es einen in ganz Europa- das Volk war für die Beendigung – umgesetzt ist dies bis heute nicht. Wir wollen keine Islamisierung, dies wird aber gemacht. Das Volk muss sich wehren, wenn ihre Interessen nicht beachtet werden. Das hat nichts zwingend mit Nazis zu tun. Denn jeder der eine andere Meinung hat wird rechts hingestellt. Abgeordnete müssen ihre Wähler vertreten, das ist auch Demokratie.

  3. Hans

    Das Lübcke viele vor den Kopf gestossen hat steht ausser Frage.
    Ein feiger Mord jedoch ist niemals gerechtfertigt und gehört bestraft.
    Trotzdem sollten sich auch Politiker mit ihren Aussagen zurückhalten mit denen sie letztendlich Bürger angreifen und somit Unmut schüren.
    Die Politiker die jetzt laut Angst vor rechter Gewalt äussern sind aber auch die, die mit ihren eigenen brisanten (oft linken) Äusserungen Öl ins Feuer gegossen haben.
    Heutzutage läuft man ja schon Gefahr als Nazi diffamiert zu werden wenn man Recht und Ordnung nach geltendem Gesetz einfordert.

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