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Preiskampf am Himmel: Reisende besser schützen

Tickets müssen versichert sein

Die Billigflieger haben den Flugmarkt revolutioniert und Fliegen zum günstigen Volkssport gemacht. Doch nun stößt die Branche zunehmend an Grenzen. Sie wird von ihrem eigenen Erfolgsrezept der Billigtickets gefressen. Jüngstes Opfer ist Germania. Die Pleite ist nach Air Berlin ein weiterer schmerzhafter Verlust für die Branche. Leidtragende sind diesmal vor allem auch kleinere Flughäfen, wo Germania vergleichsweise viele Flüge angeboten hatte. Angeschmiert sind aber auch die Tausenden Fluggäste. Viele werden das Geld für ihre Tickets nicht zurückerhalten – wie dies Air-Berlin-Kunden schon schmerzlich erfahren mussten. Hier herrscht dringender Handlungsbedarf. Die Branche braucht endlich nach dem Vorbild von Banken eine Insolvenzversicherung, die bei Pleiten einspringt und die Kunden entschädigt.¹

Insolvenz der Fluggesellschaft GermaniaErdbeben in der LuftfahrtMatthias Bungeroth

Die Landschaft der Fluggesellschaften in Deutschland ist in den letzten zwölf Monaten drastisch geschrumpft. Erst musste die große Air Berlin (8.000 Mitarbeiter) ihren Betrieb einstellen, dann Small Planet (800). An diesem Dienstag nun stellte auch Germania (rund 1.100) ihren Flugbetrieb ein und meldete Insolvenz an. Wir erleben gewissermaßen ein Erdbeben in der Luftfahrt. Die Branche funktioniert nach knallharten Regeln; wer die Gesetzmäßigkeiten nicht erkennt und sein Geschäftsmodell konsequent danach ausrichtet, den bestraft der Markt in diesen Zeiten mit brutaler Kraft. Das jüngste Beispiel hierfür ist nun die Germania, die den harten Wettbewerb auf dem vergleichsweise kleinen europäischen Luftfahrt-Markt nicht mehr mitgehen konnte. Es fehlte die Größe, die anderen Airlines die Möglichkeit bietet, in Mischkalkulation tiefe Preise zwischen umkämpften Linien und höhere auf solchen zu realisieren, auf denen die jeweilige Airline eine Art Monopolsituation hat.

Hinzu kommt der Effekt, dass große Airlines ihren enormen Kerosinbedarf mit langfristigen Verträgen decken und so weniger von Preisschwankungen in diesem Bereich abhängig sind. Nimmt man die latente Personalknappheit in der Luftfahrt hinzu, darf man unter dem Strich davon ausgehen, dass eine Entwicklung hin zu Mega-Airlines unaufhaltsam ist. Ob dies alles für die Verbraucher von Vorteil ist, wird sich zeigen. Doch gibt es weniger Anbieter, so ist die Wahrscheinlichkeit eines generellen Preisanstiegs hoch, auch wenn es weiter Billigfluglinien geben wird. Das hat das Beispiel USA in den vergangenen Jahren deutlich gezeigt. Deshalb haben Verbraucherschützer viel zu tun. Sie müssen darauf achten, dass es keine Fluggäste erster und zweiter Klasse bei den Fluggastrechten gibt. Dass Direktbucher bei Airlines im Falle einer Insolvenz der Gesellschaft kein Recht auf einen Ersatzflug haben, sollte geändert werden.²

Luftfahrtkoordinator des Bundes unterstützt Forderung nach Ticket-Versicherung

Nachdem Germania in Konkurs ging, hat auch Thomas Jarzombek, Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt, eine Versicherung für einzeln gebuchte Flugtickets gefordert. Das sagte er der Düsseldorfer „Rheinischen Post“. Jarzombek: „Eine Insolvenzabsicherung für Flugreisende wäre wünschenswert. Aber wir brauchen das auf europäischer Ebene, sonst wäre das nur ein Wettbewerbsnachteil für hiesige Airlines und würde den Kunden nicht helfen.“ Er ergänzte, die Bundesregierung setze sich auf europäischer Ebene dafür ein.

Der Staat hat eine Sache richtig gemacht beim Krisenmanagement von Germania: Er hat dem Unternehmen keinen Übergangskredit bis zum Sommer spendiert. Es ist nicht Aufgabe des Steuerzahlers, für Management-Fehler geradezustehen. So wie in anderen Branchen ist eine weitere Konsolidierung auch in der europäischen Airline-Industrie nötig und unvermeidbar.

Und: Aus der Ausnahme Air Berlin darf nicht die Regel werden. 2017 mag es gerechtfertigt gewesen sein, eine Übergangshilfe zu geben, damit nicht Hunderttausende Bürger in der Ferienzeit stranden – ein Vorbild für Industriepolitik darf dies jedoch auf keinen Fall sein.

Gleichzeitig muss die Bundesregierung aber endlich auf europäischer Ebene eine Versicherungspflicht für einzelne Flugtickets durchsetzen, damit Passagiere bei einem Konkurs besser dastehen. Gerade weil noch viele Pleiten von Fluggesellschaften drohen, sollten Unternehmen das für Flüge eingenommene Geld gegen einen Konkurs versichern müssen. Wichtig wäre allerdings, dass die dafür fällige Prämie je nach betroffener Firma einzeln berechnet wird. Sonst würden solide Unternehmen wie Lufthansa oder auch Easyjet nur angeschlagene Firmen indirekt subventionieren.³

Viel schlimmer wirkt, dass all jene, die das Ticket für die schönste Zeit des Jahres direkt bei der Fluggesellschaft gekauft haben, in die Röhre gucken. Das bereits gezahlte Geld ist weg. Ganz anders bei jenen, die irgendwo ein Pauschalangebot gebucht haben. Sie können sich an ihrenVeranstalter wenden, der für Ersatz oder Erstattung sorgen muss. Hier liegt eine Aufgabe der Politik. Klar, Germania ist klein, die Anzahl der Betroffenen überschaubar. Aber fair ist die gegenwärtige Regelung nicht. Und das Sterben der kleinen Anbieter dürfte noch längst nicht vorbei sein.⁴

¹Beate Kranz – Berliner Morgenpost ²Neue Westfälische ³Rheinische Post ⁴Straubinger Tagblatt

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