Bundesdeutsche Zeitung

Impfpflicht: Rund zwei Drittel befürwortet aktuelle Corona-Maßnahmen

Nun gilt es, in Deutschland die Impfungen schnell, sicher und transparent über die Bühne zu bringen. Das ist eine große Herausforderung – logistisch und kommunikativ. Politiker in Bund, Ländern und Kommunen stehen vor der Schwierigkeit, gleichermaßen der Ungeduld der Impfwilligen und der Skepsis der Impfgegner zu begegnen. Denn wenn Impfskeptiker die Deutungshoheit erlangen, wird man die für die Immunisierung der Bevölkerung nötige 60 bis 70 Prozent nicht erreichen.¹

Die Corona-Impfung – Rettung oder Risiko?

Ein Impfstoff gegen das Corona-Virus stellt ein Ende der Pandemie in absehbarer Zeit in Aussicht. Doch während es die einen kaum erwarten können, geht es anderen zu schnell.

Die Debatte um den Corona-Impfstoff zeigt die Zerrissenheit in der Gesellschaft in diesen Tagen. Während die handelnden Politiker und die führenden medizinischen Institute alle Hoffnung auf den Impfstoff setzen und unisono zum Impfen aufrufen, gibt es Teile der Bevölkerung und auch Experten, die skeptisch sind.

Ihre Sorge: der Impfstoff sei mit heißer Nadel gestrickt und nicht ausreichend auf Langzeitwirkungen getestet. Diese Bedenken teilen auch Menschen, die sich nicht als generelle Impfgegner bezeichnen würden. Für sie sind noch viele Fragen offen – von der Wirksamkeit des Impfschutzes über die Befürchtung von Impfschäden bis zur Frage, wann spürbare Effekte bei den Infektionszahlen zu erwarten sind.

Skeptiker befürchten zudem, dass auch ohne Impfpflicht Menschen unter Druck geraten, die sich nicht impfen lassen wollen. Erste Fluggesellschaften wollen keine ungeimpften Passagiere mitnehmen. Droht solcherlei Diskriminierung auch am Arbeitsplatz, in Schule oder Kita? Darf die ungeimpfte Krankenschwester nicht mehr arbeiten, der Arzt nicht praktizieren?

Viele Impf-Befürworter beschäftigt unterdessen die Frage, wer den Impfstoff wann bekommen kann und soll. Denn selbst für die, die sich sofort impfen lassen würden, werden die Impfdosen am Anfang nicht ausreichen. Es muss also eine Reihenfolge geben, die ebenfalls Gegenstand der Debatte ist.

Wie gut ist Mitteldeutschland auf die Impfungen vorbereitet? Wie sicher ist der Impfstoff? Und ist eine komplette Rückkehr zum Leben vor der Pandemie trotz Impfstoff überhaupt möglich?²

Seit Mittwoch gelten bundesweit wieder strengere Corona-Maßnahmen. Darauf hatten sich Bund und Länder verständigt. Diese aktuellen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie finden weiterhin mehrheitlich Zustimmung. Das hat eine repräsentative Umfrage von infratest dimap für den ARD-DeutschlandTrend Extra im Auftrag der Tagesthemen am Dienstag und Mittwoch dieser Woche ergeben. 69 Prozent halten die aktuellen Maßnahmen für angemessen. 14 Prozent finden, sie gehen zu weit. 16 Prozent meinen, sie gehen nicht weit genug. Im ARD-DeutschlandTrend Anfang Dezember sagten 53 Prozent, sie halten die Maßnahmen für angemessen. 27 Prozent fanden, sie gehen zu weit. 18 Prozent meinten, sie gehen nicht weit genug. Zu dieser Befragungszeit galten weniger Beschränkungen als aktuell.

Bei den konkreten Maßnahmen findet das Verbot von Alkoholkonsum bei den Befragten breite Zustimmung (86 Prozent Zustimmung, 12 Prozent Ablehnung), ebenso das Verbot von Versammlungen und Feuerwerken auf öffentlichen Plätzen an Silvester und Neujahr (85 Prozent Zustimmung, 15 Prozent Ablehnung). Die Schließung des Einzelhandels und von Dienstleistungsbetrieben mit Ausnahme von Geschäften des täglichen Bedarfs befürworten 67 Prozent und 30 Prozent lehnen das ab. Die Einschränkung der Betreuung durch Kindertageseinrichtungen findet bei 56 Prozent Zustimmung, 36 Prozent lehnen das ab. Dass Gottesdienste bei Einhaltung eines Mindestabstandes von 1,5 Metern und mit Tragen von Masken weiter erlaubt bleiben befürworten 50 Prozent, 47 Prozent lehnen das ab.

In den Schulen soll in den kommenden Wochen – von wenigen Ausnahmen abgesehen – der Präsenzunterricht eingestellt werden und so genannter Distanzunterricht von zuhause aus stattfinden. Dies befürworten 68 Prozent aller Befragten; 27 Prozent lehnen es ab. Bei Befragten, wo Schulkinder im Haushalt leben, ist die Zustimmung zu dieser Maßnahme mit 56 Prozent niedriger; 42 Prozent derjenigen mit Schulkindern im Haushalt lehnen diese Maßnahme ab.

Bei der Frage, wie gut die Schulen und Lehrerinnen und Lehrer auf den Unterricht von zuhause aus vorbereitet sind, zeigt sich auch ein Unterschied. Bei denjenigen mit Schulkindern im Haushalt sind 28 Prozent der Meinung, dass die Schulen sehr gut oder gut auf die Situation vorbereitet sind; 70 Prozent meinen, die Schulen sind weniger gut oder schlecht vorbereitet. Bei denjenigen ohne Schulkinder im Haushalt sind 13 Prozent der Ansicht, dass Schulen sehr gut bzw. gut vorbereitet sind; 73 Prozent meinen, die Schulen sind weniger gut oder schlecht vorbereitet, 14 Prozent äußerten sich dazu nicht.

Inwiefern sich Menschen durch die Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie belastet fühlen, ist von verschiedenen Parametern abhängig. Insgesamt sagen aktuell 12 Prozent der Befragten, dass sie sich durch die Einschränkungen sehr stark belastet fühlen (-2 Prozentpunkte im Vgl. zu April), 24 fühlen sich stark belastet (+3), 45 Prozent weniger stark (+2) und 19 Prozent gar nicht (-7). Die 18- bis 39-Jährigen fühlen sich stärker belastet (45 Prozent sehr stark oder stark) als die 40- bis 64-Jährigen (36 Prozent sehr stark oder stark) und die über 65-Jährigen (27 Prozent sehr stark oder stark). Ein weiterer Unterschied: ob Schulkinder im Haushalt leben. 34 Prozent der Befragten ohne Schulkinder fühlen sich sehr stark oder stark belastet; 66 Prozent weniger stark oder gar nicht belastet. Bei den Befragten mit Schulkindern im Haushalt äußerten 44 Prozent, dass sie sich sehr stark oder stark belastet fühlen und 56 Prozent, dass sie weniger stark oder gar nicht belastet sind.

Mit Blick auf die Weihnachtsfeiertage planen aktuell 24 Prozent ihre Kontakte oder Besuche sehr stark einzuschränken (+5 Prozentpunkte im Vgl. zur Vorwoche), 36 Prozent planen dies stark einzuschränken (+6), 23 Prozent wollen sich in der Zeit weniger stark einschränken (-8) und 14 Prozent gar nicht (-4). Dabei äußerten 71 Prozent der 18- bis 39-Jährigen, dass sie sich diesbezüglich sehr stark oder stark einschränken wollen.

Mit dem Corona-Krisenmanagement der Bundesregierung und der Bundesländer sind aktuell 10 Prozent der Deutschen sehr zufrieden, 47 Prozent zufrieden, 30 Prozent weniger zufrieden und 12 Prozent gar nicht zufrieden.³

¹Mitteldeutsche Zeitung ²MDR Mitteldeutscher Rundfunk ³WDR Westdeutscher Rundfunk

Exit mobile version