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Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit sieht Türkisch-Islamische Union Ditib als Gefahr

Bundesweit letztes Kooperationprojekt mit Ditib zur Deradikalisierung gescheitert

Die Kölnische Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit sieht die Türkisch-Islamische Union Ditib als Gefahr für die Gesellschaft in Deutschland. „Das seit Jahren von vielen Gutwilligen aus den unterschiedlichsten Gesellschaftschichten angestrebte friedliche und solidarische Miteinander gerät sowohl durch radikale Minderheiten als auch durch den staatlich gelenkten türkischen Islam in Gefahr“, sagte der Vorsitzende der Vereinigung, Jürgen Wilhelm, dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Dies habe „der völlig inakzeptabel organisierte Besuch von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan in Köln leider erneut unter Beweis gestellt.

Es hätte ein großes Fest der Integration werden können, und das Gegenteil ist daraus geworden“, so Wilhelm. Der Kölner „Rat der Religionen“ sei wegen der „Unwiligkeit“ der Ditib mit deren Ausrichtung auf die Türkei „derzeit nicht in der Lage, zu einem friedlichen Miteinander der Religionsgemeinschaften und ihrer Mitglieder in Köln beizutragen“, sagte Wilhelm. Der SPD-Politiker ist auch Vorsitzender der Landschaftsversammlung Rheinland. Die „Kölnische Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit“ ist die größte Vereinigung ihrer Art in Deutschland. Sie feiert in diesen Tagen ihr 60-jähriges Bestehen.¹

Die Zusammenarbeit von Violent Prevention Network (VPN) und der bundesweit bekannten Sehitlik-Moschee, die zum türkischen Dachverband Ditib gehört, ist beendet. Das haben Recherchen der rbb-Redaktion Investigatives und Hintergrund ergeben.

Violence Prevention Network (VPN) und die lange als liberal geltende und zum türkischen Dachverband Ditib gehörende Sehitlik-Moschee am Berliner Columbiadamm hatten seit 2015 bei der Prävention und Deradikalisierung unter muslimischen Jugendlichen zusammengearbeitet. Es war das bundesweit letzte Projekt auf diesem Gebiet, an dem Ditib noch beteiligt war, seit die direkte Förderung des von Ankara gesteuerten Dachverbandes der türkischen Moscheegemeinden in Deutschland eingestellt wurde.

VPN hat die Zusammenarbeit mit der Ditib-Moschee aufgekündigt, nachdem Ende September eine Mitarbeiterin massiv bedrängt und beleidigt worden war. Der Vorfall hat sich nach rbb-Recherchen in den Räumlichkeiten der Moschee abgespielt, als die VPN-Mitarbeiterin eine Schulklasse, die auf Einladung des Auswärtigen Amtes dort war, über das seit 2015 existierende Kooperationsprojekt Bahira informieren wollte. Das Kooperationsprojekt von VPN und der Sehitlik-Moschee wendet sich an muslimische Jugendliche, die in den islamistisch geprägten Extremismus abzugleiten drohen. Der Leiter von VPN, Thomas Mücke, sagte dem rbb, fünf Männer hätten sich vor seiner Mitarbeiterin aufgebaut und diese bedrängt und beleidigt. „Das ist inakzeptabel. Wir mussten als Träger des Projekts sofort reagieren und die Zusammenarbeit beenden“, so Mücke weiter.

Die Beratungsstelle BAHIRA wurde seit 2015 im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ vom Bundesfamilienministerium und vom Berliner Senat mit rund 160.000 Euro jährlich gefördert. Die integrationspolitische Sprecherin der Grünen, Bettina Jarasch, sieht den muslimischen Dachverband Ditib spätestens seit dem Putschversuch in der Türkei auf einem kritischen Weg. Die Einflussnahme der Türkei und der türkischen AKP-Regierung über die türkische Botschaft auf die Ditib-Moscheen in Deutschland werde immer stärker und problematischer, sagte Jarasch dem rbb. „Ganz grundsätzlich würde ich sagen, dass sich die Einflussnahme eines Staates auf Religionsgemeinschaften nicht mit unserer Vorstellung von Religionsfreiheit verträgt.“ Jetzt gehe es darum, sich in der muslimischen Gemeinschaft nach neuen, liberaleren Partnern umzusehen.

Das Bundesfamilienministerium teilte dem rbb mit, dass bereits seit Ende 2017 keine Projekte der Ditib in alleiniger Trägerschaft mehr gefördert werden. Die an der Finanzierung von Bahira beteiligten Senatsverwaltungen kündigten auf rbb-Anfrage an, das Projekt weiter unterstützen zu wollen. Der Trägerverein VPN müsse sich aber nun nach neuen Kooperationspartnern umschauen. Der Dachverband Ditib reagierte auf eine rbb-Anfrage nicht.²

¹Kölner Stadt-Anzeiger ²Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb)

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