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Durchgeknallt – „Kinderfrei“-Debatte

Wie sehr muss man sich selber hassen?

Verena Brunschweiger verzichtet auf eigene Kinder – für den Planeten Die Gymnasiallehrerin genießt ihr kinderfreies Privatleben in vollen Zügen und sorgt sich um die Zukunft des Planeten. „Den größten individuellen Beitrag zum Umweltschutz leiste ich, wenn ich auf eigene Kinder verzichte.“

Wenn Verena Brunschweiger fordert, »kinderfreie Frauen müssen von ihrem schlechten Ruf befreit werden«, so hat sie durchaus Recht. Mit der Erfahrung, sich ständig dafür rechtfertigen zu müssen, kein Kind zur Welt gebracht zu haben, steht sie alles andere als alleine da. Welche Ursache, welcher Grund auch immer hinter einer Kinderlosigkeit steckt: Inquisatorische Nachfrage zeugt von wenig Fingerspitzengefühl, trifft sie doch bei den »bewusst kinderfreien« ebenso wie bei jenen mit unerfülltem Kinderwunsch einen empfindlichen Nerv. Platt nachzufragen oder gar zu kritisieren ist einfach übergriffig. Falsch ist auch nicht ihr Hinweis auf die Umweltproblematik: Das explosive Wachstum der Weltbevölkerung und seine Auswirkung aufs Klima gehören zu den Zukunftsfragen. Mit der Radikalität ihrer Ansage allerdings verstört Brunschweiger. Lebensentwürfe und Lebenswege sind unterschiedlich. Und ein Leben ohne Kinder ist für viele kein Leben – so wie es für sie selbst anders herum gilt. Gegenseitige Schmähungen bringen niemanden weiter. Toleranz aber schon.¹

Manche Äußerungen sind so absurd, dass eine ernsthafte Auseinandersetzung schwerfällt. Lehrerin und Autorin Verena Brunschweiger spricht sich also für den Verzicht auf Kinder aus, weil sie das Klima schädigen. Erster Reflex: Man sollte dieser durchgeknallten Dame nicht zu Aufmerksamkeit verhelfen, indem man sich öffentlich aufregt. In Zeiten von Social Media ein frommer Wunsch, und die Erregungsmaschine ist ja längst heiß gelaufen. In ihrem kruden Weltuntergangsszenario verquirlt die 38-Jährige munter verschiedene Zutaten zu einem giftigen Cocktail, der ungenießbar und überflüssig ist.

Man nehme: die Fakten – Überbevölkerung (in der Tat ein Problem) und den „ökologischen Fußabdruck“, den selbstverständlich jeder Mensch hinterlässt; einen Spritzer Ärger über Erlebnisse mit nervigen Kindern oder Eltern, die ihren kleinen Prinzen und Prinzessinnen das Wort „Rücksichtnahme“ nicht zumuten wollen; einen Schuss ewiges Lamento darüber, dass Kinder von den Steuern Kinderloser mitfinanziert werden (Generationenvertrag? Geschenkt!); und zu guter Letzt rührt man einen großen Schluck Feminismus hinein, weil sich Frauen freiwillig unters biologisch vorgesehene Joch von Mutterschaft und Benachteiligung begeben. Bei so vielen Zutaten, die nicht harmonieren und nur Kopfweh und Brechreiz verursachen, hilft es auch nicht, dass Brunschweiger – immerhin! – fein unterscheidet zwischen ihrer Entscheidung, „kinderfrei“ zu sein, und Paaren, die unter ihrer Kinderlosigkeit leiden. Fazit: Es wäre reine Zeitverschwendung, mit ihr über Kinderglück zu diskutieren. Und es ist eine weise Entscheidung, dass sie keinen Nachwuchs möchte.²

¹Westfalen-Blatt ²Alexandra Eisen – Allgemeine Zeitung Mainz

1 Kommentar

  1. Anonymous

    Die Dame hat aber auch Pech, dass ihre Eltern nicht so klimafreundlich waren wie sie.

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