Press "Enter" to skip to content

Die Lehren aus dem Datenklau: Die wachsende Verwundbarkeit

Linksparteichef Riexinger: Datendiebstahl des 20-jährigen Tatverdächtigen darf nicht als unpolitische Tat verharmlost werden

Der Vorsitzende der Linken, Bernd Riexinger, hat Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) zu mehr Aufklärung über die Motivlage des 20-jährigen Tatverdächtigen aufgefordert, der Daten von 1000 Politikern, Prominenten und Journalisten gestohlen und ins Internet gestellt hat. „Es muss nachdenklich stimmen, wenn der Mann eine allgemeine Wut auf Politiker hat, aber nicht auf die AfD. Das darf nicht als unpolitische Tat verharmlost werden“, sagte Riexinger der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ in Bezug auf Seehofers Mahnung, keine voreiligen Schlüsse daraus zu ziehen, dass der Datendieb einzig die AfD verschont hat. Riexinger beklagte, die Bundesregierung habe nicht umgehend über das Ausmaß des Datenklaus informiert. Bis jetzt gebe es keine Hilfestellungen, wie sich Politiker besser schützen könnten.¹

Kein ausländischer Geheimdienst! Kein politisch motivierter Datendieb aus dem rechten Spektrum! Kein krimineller Erpresser! Noch nicht einmal ein IT-Experte! Nein, es ist ein 20-jähriger noch bei Mama und Papa wohnender gelangweilter Schüler, der die deutschen Sicherheitsbehörden und Politiker und Promis beim angeblich größten Datenskandal der deutschen Geschichte nach allen Regeln der Kunst bloßgestellt hat. Wie peinlich ist das denn! Aus dem Fall ergeben sich einige Konsequenzen. Erstens: Wir sollten mit dem Schlimmsten rechnen.

Wenn schon ein junger Autodidakt ohne große Spezialkenntnisse eine derartige Affäre auslösen kann, dürften Profis beim Datenklau qualitativ und quantitativ um ein Vielfaches erfolgreicher sein. Wahrscheinlich lesen sie vor allem in den sogenannten sozialen Netzwerken ALLES mit, wenn sie wollen. Zweitens: Die Opfer haben es dem Hacker denkbar leicht gemacht; Datensicherheit liegt auch in der Verantwortung jedes Einzelnen. Drittens: Das Ausspähen ist alltäglich, viele Firmen verdienen sogar Geld damit. Das Thema ist auch dann wichtig, wenn es nicht um Promis geht.²

So war der Angriff von „_0rbit“ vor allem eins: ein Warnschuss für die Internet-Nutzer. Seine Absicht war wohl, für Verunsicherung zu sorgen. Unter Politikern generell, vielleicht besonders unter solchen, die Migranten offen gegenüberstehen. Das würde auch erklären, warum Flüchtlingsfreund Til Schweiger und Ähnlichdenkende unter den Betroffenen sind. Aber viel erreicht hat der Hacker nicht. Schon gar nicht im Vergleich zu dem, was etwa an Cyberangriffen im großen Stil im US-Wahlkampf 2017 gelaufen ist. Auch die Demokratie ist ja verwundbarer geworden durch die Digitalisierung.³

Nach “Hackerangriff”: PIRATEN veranstalten Cryptoparty zur digitalen Selbstverteidigung

Die Piratenpartei Baden-Württemberg veranstaltet am kommenden Dienstag in ihrer Landesgeschäftsstelle einen Informationsabend, an dem unsere IT-Experten den Teilnehmern zeigen, wie man seine eigenen Systeme absichert, sichere Kommunikationswege nutzt und gefährlichen Inhalt erkennt.

“Nicht erst der aktuelle ‘Hackerangriff’ auf Daten von Politikern, Prominenten und Journalisten hat gezeigt, dass das Wissen über digitale Selbstverteidigung wichtiger ist denn je. Auch die immer größere Ausmaße annehmende globale Überwachung durch Polizei und Geheimdienste ist Anlass, die eigenen Daten besser zu schützen. Da im Bildungssektor bisher nur sehr wenig in diesem Bereich angeboten wird, sind die Bürger gezwungen, sich selbst zu helfen. Wir PIRATEN wollen dabei unterstützen und bieten deshalb regelmäßig Cryptoparties an, bei denen wir Hilfen für einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Internet anbieten.”Borys Sobieski

Bei der Veranstaltung sollen u.a. folgende Fragen behandelt werden:

Wie sichere ich mein Betriebssystem gegen Gefahren ab?
Wie bewege ich mich sicher im Internet? Was ist Verschlüsselung, wie erkenne ich schädliche Links?
Wie kommuniziere ich abhörsicher?
Wie schütze ich mich vor Datenklau in sozialen Netzwerken?⁴

¹Rheinische Post ²Westfalenpost ³Thomas Steiner – Badische Zeitung ⁴Piratenpartei Deutschland

Ihre Meinung ist wichtig!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

BZ Medienholding Ltd ©1998 - 2018