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Zehn Jahre Finanzkrise: Die Rolle deutscher Banken

Blick auf zehn Jahre Finanzkrise

Deutsche Privatbanken haben sich auch zehn Jahre nach dem Lehman-Brothers-Crash nicht von der Finanzkrise erholt. Mit ihren altmodischen Geschäftsmodellen sind sie auch an der Börse in Ungnade gefallen. Der Rauswurf der Commerzbank aus dem deutschen Leitindex DAX dürfte der letzte Beleg dafür sein. Die kleinere der letzten beiden verbliebenen deutschen Großbanken wird gar zur Lachnummer, da sie einem den meisten wohl völlig unbekannten Unternehmen namens Wirecard weichen muss.

Zumindest Börsianer gehen davon aus, dass sich in der Finanzindustrie eine Zeitenwende vollzieht. Fintech-Unternehmen wie Wirecard, die voll auf den Zahlungsverkehr via Smartphone, Kreditkarte und Computer setzen, hängen die alten Bankdinosaurier entweder ab oder machen sie gar überflüssig, so das Credo. Bargeldzahlungen und Überweisungen, die womöglich auch noch gebührenpflichtig und tagelang unterwegs sind, werden in der von anderen Anbietern beherrschten neuen Online-Finanzwelt nicht mehr benötigt.

Man sollte aber nicht vergessen, dass dies eine reine Spekulation, also eine Börsenwette auf die Zukunft ist. Zumindest das Bezahlen mit dem Telefon wird von Verbrauchern bislang kaum angenommen. Auch sollte man nicht vergessen, dass Wirecard bei Bilanzsumme und Mitarbeiterzahl ein Zwerg im Vergleich zur Commerzbank ist. Und wie war es doch vor der Lehman-Pleite? Da waren die Großbanken die Stars an der Börse.¹

„ZDFzoom“ über die „Geheimakte Finanzkrise“ und die Deutsche Bank

Der Fall schien klar: Die US-Bank Lehman Brothers löste die Finanzkrise 2008 aus. „ZDFzoom“ enthüllt, welche Verantwortung die Deutsche Bank trug und wie sie um ihr Überleben kämpfte.

Die „ZDFzoom“-Dokumentation „Geheimakte Finanzkrise – Droht der nächste Jahrhundert-Crash?“ zeigt, dass die Deutsche Bank über Jahre wissentlich gefährliche Papiere verkaufte und 2007 provozierte, dass in Deutschland der Staat Banken stützen musste. Ihre eigenen Probleme vertuschte die Bank und rühmte sich, ohne staatliche Hilfe auszukommen. Diese Strategie hat die einst größte Bank der Welt eingeholt. Seit Jahren hat sie mit den Folgen der Krise zu kämpfen.

Der ehemalige Finanzminister Wolfgang Schäuble sagt über den einstigen Branchenprimus im Interview mit „ZDFzoom“: „Wenn Sie sich die aktuelle Situation der Deutschen Bank anschauen, ganz übern Berg, um es höflich zu sagen, sind sie immer noch nicht. Deswegen hätten sie früher mit ein bisschen mehr Demut vielleicht ein bisschen von den großen Schäden, die eingetreten sind, vermeiden können.“

So hat die Bank Schrott-Kreditbündel in aller Welt geschnürt – auch in Deutschland – obwohl man wusste, dass viele faule Hypotheken dabei waren. Bis in den Juli 2007 verkaufte man die Papiere auch an die Deutsche IKB – bis die insolvent wurde. Als die IKB Hilfe brauchte, strich die Deutsche Bank die Kreditlinie. Ingrid Matthäus-Maier, damals die Chefin der Staatsbank KfW – Anteilseignern der IKB -, spricht in „ZDFzoom“ erstmals offen über diese Zeit und den damaligen Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann: „Er hat diese Krise erst selber ausgelöst, um dann die anderen Beteiligten zu treiben, dass sie die Krise lösen, und zwar ohne dass die Privaten bluten. Wir fühlten uns erpresst als KfW-Vorstand, insbesondere von Ackermann. Er war mit Sicherheit der Brandstifter, der war weder integer noch war er anständig, er war skrupellos und hat sich das Problem vom Hals gehalten.“

Auch aus der Bank selbst kommt scharfe Kritik. Erstmals gibt der derzeitige Chefökonom David Folkerts-Landau ein ausführliches Fernsehinterview. Die Strategie Ackermanns, um jeden Preis den Umsatz zu steigern, eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent zu fordern, sei „töricht“ gewesen: „So vorauszustürmen war also ein großes Risiko.“ Geheime Unterlagen der Bank belegen, wie viel Risiko die Bank auf sich geladen hatte und wie schlecht es ihr schon im Oktober 2008 ging. Ackermann sagte damals: „Es wäre eine Schande, wenn wir einräumen müssten, dass wir Geld vom Steuerzahler brauchen.“

Der Chefökonom Folkerts-Landau dazu gegenüber „ZDFzoom“: „Ich war bei dieser Telefonkonferenz dabei, als Joe (Ackermann) diesen Satz sagte. Es war eine der egozentrischsten politischen Entscheidungen, die ich je von einem leitenden Banker gesehen habe. Wenn wir das Geld genommen hätten, wäre Joe (Ackermann) seinen Job wohl losgeworden. Aber das hatte er offenbar so nicht vorgesehen.“ Durch die Aussage Ackermanns sei verhindert worden, dass die Bank rechtzeitig aufgeräumt habe: „Das war so ein schwerer politischer Fehler. Es ist einfach völlig unverständlich, wie ein hochrangiges Mitglied der Finanzindustrie diese Entscheidung treffen konnte.“

Heute ist bekannt: Allein in den USA lieh sich die Deutsche Bank in kurzer Zeit über 70 Milliarden Dollar. Außerdem profitierte sie von diversen direkten Finanzspritzen. Experten sind sich einig: Längst droht eine neue, schlimmere Krise. Die Verschuldung ist weltweit höher als nach dem Zweiten Weltkrieg. Wolfgang Schäuble sagt, die Wahrscheinlichkeit spreche dafür, dass die nächste Krise kommt. Der Chefökonom der Deutschen Bank, Folkerts-Landau, teilt diese Sorge: „Ich wäre überrascht, wenn wir in den nächsten drei bis fünf Jahren nicht wieder eine sehr schwere Krise erleben würden. Ich glaube, da kommt eine Reihe von Elementen zusammen, die mich buchstäblich nachts wach halten.“²

¹neues deutschland ²ZDF Presse und Information – Fotograf: Sony Pictures

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