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Weltwirtschaftliches Klima lässt deutsche Wirtschaft nicht kalt

Politische Krisen erhöhen Zahlungsrisiken in der Automobilbranche zusätzlich

Am vergangenen Donnerstag stellte die Bundesregierung ihre Herbstprognose der Wirtschaftsentwicklung vor. Darin senkt sie ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr von 2,3 Prozent auf 1,8 Prozent und für kommendes Jahr von 2,1 Prozent auf 1,8 Prozent. Hierzu erklärt der wirtschafts- und energiepolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Joachim Pfeiffer:

„Die gute Nachricht ist, dass die deutsche Wirtschaft trotz des schwierigen außenwirtschaftlichen Umfeldes auf einem Wachstumspfad bleibt. Richtig ist aber auch, dass das Klima rauer wird. Die Unsicherheit über die Ausgestaltung des Brexits, weltweite protektionistische Tendenzen, der Handelskonflikt zwischen den USA und China, die Wirtschaftskrisen in der Türkei und Argentinien, aber auch der europa- und weltweite Vormarsch des Populismus von links und rechts beeinträchtigen die deutsche Konjunktur. Hinzu kommen hausgemachte Herausforderungen, wie die nach wie vor schleppende Digitalisierung, steigende Energiepreise und der Fachkräftemangel. Diese Faktoren dämpfen die hiesige Entwicklung und werden zu echten Bremsfaktoren für Unternehmen.

Jetzt zügig die Weichen für künftige Wettbewerbsfähigkeit stellen

Daher gilt es, zügig zu reagieren. Das heißt: Wir müssen aufhören, die Unternehmen mit neuen Regulierungen, z.B. im Arbeitsmarkt, zu gängeln, mit neuer Bürokratie zu belasten oder ideologisch begründete Projekte, wie einen beschleunigten nationalen Kohleausstieg voranzutreiben. Stattdessen gilt es, die Weichen für Wettbewerbsfähigkeit und zukünftiges Wachstum zu stellen. Mit den im Kabinett verabschiedeten Eckpunkten zu einem Fachkräfteeinwanderungsgesetz hat die Große Koalition letzte Woche eine erste wichtige Grundlage für die kontrollierte Einwanderung von Fachkräften geschaffen. Diese tragen dazu bei den Bedarf am Arbeitsmarkt zu sichern. Im Außenhandel gilt für eine Exportnation wie Deutschland die Prämisse: Multilateralismus statt Nationalismus, Freihandel statt Handelsbarrieren und Abschottung. Europa muss mit allen gleichgesinnten Partnern eine ‚Koalition der Willigen für den Freihandel‘ bilden. Zudem ist der Umbau der Energieversorgung so auszugestalten, dass Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Umweltverträglichkeit gleichermaßen gewährleistet sind. Dabei gilt der Dreiklang mehr Markt, mehr Wettbewerb, mehr Europa.“¹

Aufgrund anhaltender internationaler politischer Konflikte weist Atradius auf zusätzliche Forderungsrisiken für die Lieferanten und Dienstleister der Automobilbranche hin. Im aktuellen Markt Monitor „Automotive“ betont der Kreditversicherer, dass sich die Unsicherheiten in vielen großen Automobilmärkten noch einmal verschärfen werden, wenn die USA Zölle auf den Import von Fahrzeugen und Komponenten aus der Europäischen Union erheben. Auch dürften sich die Risiken für Zahlungsausfälle und -verzögerungen in den Automobilmärkten erhöhen, wenn sich der Handelsstreit zwischen den USA und China weiter zuspitzt. Den stärksten Gefahranstieg für Insolvenzen wiederum sieht Atradius derzeit bei Großbritanniens Automobilbranche. Ursache hierfür sind die anhaltenden Brexit-Unwägbarkeiten.

„Die Verunsicherungen durch die US-Handelspolitik und den Brexit treffen die Automobilindustrie in einer eh schon herausfordernden Phase“, sagt Michael Karrenberg, Regional Director Risk Services Germany, Central, North, East Europe & Russia/CIS von Atradius. „Die zahlreichen neuen Technologien, die sich wandelnden Ansprüche der Käufer und die notwendige Reduktion des CO2-Ausstoßes werden auf absehbare Zeit große Auswirkungen auf den Markt haben und erhöhen vor allem den finanziellen Druck bei kleinen und mittleren Zulieferern, die leicht ersetzbare Standardkomponenten herstellen und häufig von einem Autohersteller abhängen. Durch die drohenden politischen Unsicherheiten erhöht sich das Forderungsrisiko in der Automobilindustrie jetzt noch einmal zusätzlich.“

US-Autozölle würden Zahlungsrisiken in mehreren EU-Märkten erhöhen

Sollte die US-Regierung die Importsteuern auf Autos und Autoteile aus der Europäischen Union, wie zuletzt angekündigt, einführen, würde das nach Einschätzung der Atradius-Risikoexperten das Zahlungsrisiko der Automobilbranchen Großbritanniens, Deutschlands, Italiens und der Slowakei besonders stark beeinträchtigen. Hintergrund ist, dass die USA für mehrere große Hersteller und Zulieferer aus den vier europäischen Ländern einer der wichtigsten Absatzmärkte sind. Auch in der Automobilbranche der USA selbst dürfte im Falle von Zöllen auf EU-Fahrzeuge und -Komponenten das Forderungsausfallrisiko steigen: Die US-Verbraucher würden die Zölle infolge höherer Kaufpreise bei nahezu allen Anbietern zu spüren bekommen, da auch für die im Land produzierten Autos Komponenten aus Europa benötigt werden. Frankreichs und Spaniens Autobranche dürften hingegen nach Atradius-Einschätzung nur geringfügig von möglichen US-Autozöllen auf betroffen sein, da ihr Exportanteil in die Vereinigten Staaten verhältnismäßig gering ist.

China: Verschärfung des Konflikts mit USA würde mehrere Branchen treffen

Der sich zuspitzende Handelskonflikt zwischen China und den USA hat die Geschäfte der chinesischen Automobilwirtschaft bislang wenig beeinträchtigt. Eskaliert der Streit der beiden Großmächte allerdings weiter, rechnet Atradius damit, dass sich auf absehbare Zeit auch das Konsum- und Investitionsklima in China spürbar eintrübt. In der Folge würden sich die Zahlungsrisiken verschiedener chinesischer Branchen erhöhen, darunter auch das der chinesischen Automobilwirtschaft. Japans Autoindustrie würde durch eine Eskalation des US-chinesischen Streits ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen werden: Das Reich der Mitte ist Japans größter Exportmarkt. Wenn sich das Konsumklima Chinas verschlechtert, ist von einer geringeren Nachfrage in einer der Schlüsselindustrien des Landes auszugehen.

Großbritannien: Brexit lässt Nachfrage nach Autos sinken

Unter allen Automobilmärkten sieht Atradius den unmittelbar größten Anstieg der Forderungsrisiken in Großbritannien. Angesichts der aktuell rückläufigen Produktions- und Verkaufszahlen von Automobilen im Vereinigten Königreich rechnet der Kreditversicherer in den kommenden sechs Monaten mit deutlich zunehmenden Zahlungsausfällen und -verzögerungen in der britischen Automobilbranche. Als Ursache für die schwächelnde Nachfrage der Briten sehen die Atradius-Risikoexperten die Verunsicherung in der Bevölkerung angesichts der weiterhin ungewissen Ausstiegsmodalitäten aus der Europäischen Union. Darüber hinaus belasten Großbritanniens Pläne, den CO2-Ausstoß zu reduzieren, die Nachfrage nach Automobilen mit Verbrennungsmotoren. Unter anderem hat Großbritannien angekündigt, ein Verkaufsverbot für Benzin- und Dieselautos ab dem Jahr 2040 einzuführen.

„Die britischen Autohersteller können die schwache Inlandsnachfrage derzeit noch aufgrund ihres ausgewogenen Produktportfolios, ihrer immer noch soliden Produktivität und dank einer stabilen Auslandsnachfrage, unterstützt durch die Abwertung des Pfunds, ausgleichen“, sagt Michael Karrenberg, Regional Director Risk Services Germany, Central, North, East Europe & Russia/CIS von Atradius. „Sollte es aber zu einem ‚harten Brexit‘ ohne Übergangslösung kommen, würde das den Zugang zu vielen bedeutenden Märkten erheblich erschweren und die Zahlungsfähigkeit von Herstellern und Zulieferern belasten.“

Der aktuelle MarktMonitor Automotive

Im aktuellen Atradius Markt Monitor zur Automobilbranche haben die Risikoexperten des internationalen Kreditversicherers die Automobilbranchen Chinas, Frankreichs, Großbritanniens, der USA, Deutschlands, Italiens, Mexikos, Polens, der Slowakei, Spaniens und Schwedens im Detail analysiert. Für jedes Land geben sie einen Ausblick auf die Entwicklung der Zahlungsrisiken in den kommenden Monaten. Die Analyse kann auf www.atradius.de im Menüpunkt Publikationen kostenlos heruntergeladen werden.²

¹CDU/CSU – Bundestagsfraktion ²Atradius Kreditversicherung, Niederlassung der Atradius Crédito y Caución S.A. de Seguros y
Reaseguros

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