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Vilimsky: „EZB-Chef Draghi soll G30 verlassen“

Basel IV

Die Neuregelung wurde bereits mehrfach verschoben. Der kritischste Diskussionspunkt war die Höhe eines möglichen Capital-Floors, basierend auf dem überarbeiteten Standardansatz für Kreditrisiken. Der geplante Capital-Floor von 72,5% begrenzt die Sensitivität der Kapitalanforderung auf das Risiko einer Bank. Vor allem Banken mit einem qualitativ hochwertigen Kreditbuch fürchten den Capital-Floor, da die sich erhöhenden Risikogewichte gleichzeitig einen höheren Kapitalbedarf mit sich bringen. Das spiegelt sich auch in einem deutlichen Nord-Süd-Gefälle wider – Banken in den skandinavischen Ländern, den Niederlanden und Deutschland sind müssen von einem deutlich höheren Anstieg der Risikoaktiva ausgehen als Banken in Südeuropa.

Insgesamt ist basierend auf der Analyse von Strategy& davon auszugehen, dass die regulatorischen Mindestkapitalanforderungen um über 400 Mrd. Euro steigen würden. Für einige Institute würde das nach ersten Berechnungen der European Banking Authority (EBA) auch einen Kapitalbedarf von 39.7 Mrd. Euro mit sich bringen. Nach Einschätzung von Dr. Philipp Wackerbeck, Partner und Leiter Financial Services bei Strategy&, wären sie im internationalen Vergleich besonders stark betroffen. „Europäische Banken weisen unter anderem aufgrund der intensiven Anwendung interner Risikomodelle bislang etwa nur die Hälfte des durchschnittlichen Risikogewichts ihrer amerikanischen Wettbewerber auf. Die Konsequenzen von „Basel IV“ werden in Europa deshalb besonders schmerzhaft sein. Zudem werden Großbanken wegen ihrer breiten Anwendung interner Modelle in hohem Maße belastet sein“, kommentiert Wackerbeck.

Für die in der Strategy& Studie untersuchen 19 deutschen Banken könnte es selbst im vorteilhaften Szenario zu einem Anstieg der Risikoaktiva um im Durchschnitt 18% kommen, wobei die Banken abhängig vom Geschäftsmodell, Portfoliokomposition und der Anwendung interner Modelle unterschiedlich stark betroffen sind.

„Der Anstieg der RWA ist signifikant und trifft viele Banken in Europa in Zeiten strukturell niedriger Profitabilität. Viele Banken verdienen bereits jetzt ihre Kapitalkosten nicht, Basel IV wird den Druck auf unprofitable Geschäftsmodelle folglich weiter erhöhen“, so Wackerbeck.

Auch wenn die neuen Regeln erst bis 2027 vollständig umgesetzt werden müssen, empfiehlt Wackerbeck den Banken mit signifikantem RWA-Anstieg schnell zu handeln und die notwendigen Anpassungen der Unternehmensstrategie und am Geschäftsmodell zügig in Angriff zu nehmen, damit die Maßnahmen auch rechtzeitig Wirkung zeigen können.

*Methodik

Im Rahmen der Analyse wurden die 132 Banken, die 2017 an der Transparency Exercise der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) teilgenommen haben, untersucht. Die Berechnungen basieren auf den Daten der Banken für das erste Halbjahr 2017. PwC Strategy& (Germany) GmbH

Basel IV erhöht Profitabilitätsdruck auf europäische Banken

Und sie bewegen sich doch. Nach mehr als einem Jahr Geschacher haben sich die globalen Bankenaufseher auf einen Abschluss der Eigenkapitalregeln Basel III geeinigt. Wusste zuvor jedes Mitglied im Baseler Ausschuss schlüssig darzulegen, in welcher Weise dem Bankensektor seines Heimatstaates durch die Neuregelungen unannehmbare Nachteile drohten, hat am Donnerstag die Phase begonnen, in der die Aufseher den von ihnen kontrollierten Banken vorrechnen werden, welche Zugeständnisse sie dem Baseler Gremium abtrotzen konnten.

Die deutschen Vertreter müssen sich nicht nachsagen lassen, sie hätten die ihnen unterstellten Institute hängen lassen. Der seltsam krumme Wert von 72,5 Prozent für den Grad der Angleichung von Modell- und Standardansatz zur Eigenkapitalberechnung liegt zwar über jenen 70 Prozent, welche Deutschland lange Zeit angeblich äußerstenfalls zu akzeptieren bereit war. Dies haben Bundesbank und BaFin allerdings durch Erleichterungen im Standardansatz locker zu kontern verstanden. Im Laufe der Verhandlungen sind etwa für kleinere Banken und für Hypothekenfinanzierer vermutlich mehr Extrawürste auf dem Grill gelandet bzw. dort liegen geblieben als einer angenehmen Verhandlungsathmosphäre zuträglich sind: Wie Deutschland auf den Leib geschnitten wirkt zum Beispiel der sogenannte Hard-Test, der Kapitalerleichterungen ermöglicht für den Fall, dass ein Land anhand geringer Preisschwankungen am Immobilienmarkt dessen Stabilität nachweisen kann. Erhalten bleibt den Instituten auch das Realkredit-Splitting – mit der Aufteilung von Hypotheken in einen besicherten und in einen unbesicherten Teil bleibt Hypothekenfinanzierern lästiger Aufwand erspart. Ursprünglich wollte der Baseler Ausschuss die Kapitalanforderungen je nach Besicherungsgrad abstufen und damit risikogerechter gestalten – nun nimmt man der Einfachheit zuliebe Fehlanreize zu mehr Risiko bei gleicher Kapitalunterlegung in Kauf. In Basel geht es nur in ausgewählten Momenten um die reine Lehre, vor allem aber um die Sicherung von Geschäftsmodellen.

In dieser Hinsicht dürften sich, soweit sich dies überhaupt schon ablesen lässt, nun vor allem Investmentbanken, aber auch mancher Spezialfinanzierer verstärkt Gedanken machen müssen. Gut lachen haben hingegen im Privatkundengeschäft aktive Häuser und Finanzierer kleiner und mittlerer Unternehmen. Bei allem Geschacher: Was die Finanzstabilität angeht, hätte es weitaus schlechtere Nachrichten aus Basel geben können. Bernd Neubacher – Börsen-Zeitung

„EZB-Chef Marion Draghi soll die Group of 30 umgehend verlassen. Eine Mitgliedschaft in dieser ominösen Gruppe ist mit seiner Funktion als Chef der Europäischen Zentralbank in keiner Weise vereinbar“, forderte heute Harald Vilimsky, freiheitlicher Delegationsleiter im Europaparlament und FPÖ-Generalsekretär.

Hintergrund ist eine von der EU-Ombudsfrau Emily O´Reilly geführte Untersuchung, die nun ebenfalls zu diesem Schluss gekommen ist. „O´Reilly macht dabei klar, dass weder der Präsident der EZB noch andere Mitglieder von Entscheidungsgremien der EZB in der G30 Mitglied sein sollten. Das halte ich für völlig richtig“, so Vilimsky.

Die G30 ist eine in Washington ansässige Organisation, die sich aus Chefs von wichtigen Privatbanken und Zentralbanken zusammensetzt. Dazu gehören unter anderem Jacob Frenkel von JP Morgan, Ex-US-Finanzminister Timothy Geitner, der nun bei Warburg ist, Gerd Häusler von der Bayerischen Landesbank, Philipp Hildebrand vom weltweit größten Vermögensverwalter BlackRock oder Ex-EZB-Chef Jean-Claude Trichet. Ins Leben gerufen wurde die Group of Thirty 1978 auf Initiative der Rockefeller-Stiftung. Seit Ende der Neunziger soll die diskrete Gruppe eine zentrale Rolle bei der Führung des globalen Finanzsystems spielen, heißt es.

„Das Problem ist unter anderem, dass Draghi dort mit Mitgliedern von Banken zusammensitzt, die von der EZB direkt oder indirekt beaufsichtigt werden. Die Gruppe agiert offenbar auch sehr diskret und unterliegt keinerlei öffentlicher Kontrolle. Das ist mit einer Funktion in der EZB definitiv unvereinbar und trägt keineswegs dazu bei, das Vertrauen in die Institution zu stärken“, so Vilimsky. Freiheitlicher Parlamentsklub Österreich

2 Kommentare

  1. se

    Und sie bewegen sich doch. Nach mehr als einem Jahr Geschacher haben sich die globalen Bankenaufseher auf einen Abschluss der Eigenkapitalregeln Basel III geeinigt. Wusste zuvor jedes Mitglied im Baseler Ausschuss schlüssig darzulegen, in welcher Weise dem Bankensektor seines Heimatstaates durch die Neuregelungen unannehmbare Nachteile drohten, hat am Donnerstag die Phase begonnen, in der die Aufseher den von ihnen kontrollierten Banken vorrechnen werden, welche Zugeständnisse sie dem Baseler Gremium abtrotzen konnten.

  2. dsss

    EZB-Chef Marion Draghi soll die Group of 30 umgehend verlassen. Eine Mitgliedschaft in dieser ominösen Gruppe ist mit seiner Funktion als Chef der Europäischen Zentralbank in keiner Weise vereinbar“, forderte heute Harald Vilimsky, freiheitlicher Delegationsleiter im Europaparlament und FPÖ-Generalsekretär.

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