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Urlaubsgeld nur noch für jeden zweiten Beschäftigten

Arbeitnehmer sind mitverantwortlich

Die Lohnungleichheit in Deutschland wächst und die Kluft zwischen armen und reichen Arbeitnehmern hat vor allem einen Grund – die sinkende Tarifbindung. Deutlich werden die Unterschiede auch mit Blick auf die ungleiche Verteilung von Urlaubsgeld, denn auch in diesem Bereich spiegeln sich die Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt wider. Frauen, Mitarbeiter in Kleinbetrieben und Ostdeutsche haben wie in vielen anderen Bereichen auch beim Urlaubsgeld oft das Nachsehen. Während Männer, Beschäftigte in Konzernen und Westdeutsche deutlich häufiger Urlaubsgeld erhalten. Die insgesamt ungerechte Einkommensverteilung setzt sich beim Urlaubsgeld fort, ebenso wie bei anderen Extras wie Weihnachtsgeld oder beim Urlaubsanspruch. Die Wahrscheinlichkeit, ob ein Beschäftigter Sonderzahlungen wie Urlaubsgeld erhält oder nicht, ist von vielen Faktoren abhängig, die größte Rolle aber spielt die Tarifbindung.

Die Chance auf Urlaubsgeld ist in tarifgebundenen Unternehmen sogar fast doppelt so hoch wie in Betrieben ohne Tarifbindung. Mit Blick auf die zunehmende Tarifflucht in Deutschland, lohnt es sich offensichtlich für Unternehmen, wenn sie Arbeitsbedingungen direkt mit den Arbeitnehmern aushandeln. Und das trotz des Fachkräftemangels und der Entwicklung, dass Arbeitnehmer immer größeren Wert auf faire Arbeitsbedingungen legen. Insbesondere der Wunsch nach mehr Freizeit ist vor allem für junge Beschäftigte wichtiger als Geld. Allerdings ist auch die Höhe des Urlaubsanspruchs häufig davon abhängig, ob Unternehmen tarifgebunden sind oder nicht. Insofern tragen Arbeitnehmer auch eine Mitverantwortung für ihre Benachteiligung gegenüber tariflich bezahlten Kollegen. Organisierte Arbeitnehmer haben bessere Karten bei der Verbesserung von Arbeitsbedingungen.

Doch die Mitgliederbasis der Gewerkschaften ist in vielen Branchen klein. Den Gewerkschaften gelingt es nicht, sich die tariffreien Teile des Arbeitsmarktes zurückzuerobern. Das liegt auch daran, weil Flexibilität fehlt. Gewerkschaften müssen berücksichtigen, dass nicht so gut aufgestellte Unternehmen Lohnsteigerungen und andere Extras oft nicht aufbringen können. Deshalb müssen Ausnahmen in Tarifverträgen leichter umgesetzt werden können und wirtschaftliche Entwicklungen mehr beachtet werden.¹

Urlaubsgeld: Beschäftigte mit Tarifvertrag stehen besser da

Zu der Analyse des WSI-Tarifarchivs, nach der nur noch knapp die Hälfte aller Beschäftigten in Deutschland Urlaubsgeld erhält, erklärt Beate Müller-Gemmeke, Sprecherin für ArbeitnehmerInnenrechte und aktive Arbeitsmarktpolitik:

Wieder ein Grund mehr, warum die Tarifbindung gestärkt werden muss. Denn die Zahlen zeigen ganz deutlich: Dort, wo es Tarifverträge gibt, bekommen die Beschäftigten nicht nur höhere Löhne, sondern sie profitieren in der Regel auch von einem tariflich vereinbarten Urlaubsgeld. Gibt es keinen Tarifvertrag, gehen die Beschäftigten meist leer aus.

Die Zahlen zum Urlaubsgeld zeigen einmal mehr, wie wichtig die Tarifbindung ist. Wenn aber in manchen Branchen die Tarifpartnerschaft nicht mehr funktioniert, dann muss das Tarifvertragssystem politisch gestützt und gestärkt werden. Deshalb ist es an der Zeit, dass die Bundesregierung endlich Maßnahmen ergreift, um die Tarifbindung zu stärken. Zu allererst muss der Mindestlohn deutlich steigen. Denn ein höherer Mindestlohn stärkt das Tarifvertragssystem von unten. Außerdem müssen Allgemeinverbindlicherklärungen weiter erleichtert werden, damit Tarifverträge für alle Betriebe einer Branche gelten.

Die sinkende Tarifbindung führt dazu, dass die Schere bei den Einkommen in Deutschland immer weiter auseinander geht. Deshalb müssen kollektive Regelungen endlich wieder selbstverständlich werden. Und die Bundesregierung muss das mit wirkungsvollen Maßnahmen flankieren. Denn es geht um die Beschäftigten und die müssen im Mittelpunkt der Politik stehen.²

¹Neue Westfälische ²Bündnis 90/Die Grünen

1 Kommentar

  1. Anonymous

    Mein Anmerkung: Wenn du das schon vorher weiß, dann brauchst du den Arbeitsvertrag nicht zu unterschreiben— was soll der Unsinn?? Wenn ich weiß – z.B. dass ich mehr Urlaubsgeld in einer Firma mit Tarifbindung bekomme, dann muss ich dort eine Arbeit suchen, wenn ich es nicht gut finde, wenn eine Firma ohne Tarifbindung weniger Urlaubsgeld bezahlt, dann brauche ich den Arbeitsvertrag nicht zu unterschreiben. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied— wenn du meinst, der Staat wird alles für dich regeln, dann entweder hast du keine Ahnung wie alles läuft oder du bist ein Kommunist— dann lebe in Nordkorea , China oder Venezuela, dort wird alles für dich vom Vater Staat geregelt.

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